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Öl-Katastrophe: Bangen am Golf nach riskanter Operation von BP – Konzern soll vor Verkauf stehen

Brennende Öl-Plattform Deepwater Horizon - Öl-Katastrophe im Golf by deepwaterhorizonresponse/cc

Es ist eine Operation mit hohem Risiko. Bevor sich die Ingenieure von BP daran machen, einen neuen, riesigen Zylinder über das Leck zu stülpen, mussten sie erst einmal eine alte „Kappe“ entfernen. Daher strömt das Rohöl seit Samstagmittag (Ortszeit) völlig ungehindert ins Meer. Bis der neue „Hut“ richtig auf dem Leck sitzt und fest abgedichtet ist, können vier bis sieben Tage vergehen – ganz Amerika hält den Atem an.

Selbst BP-Manager Kent Wells wollte sich aber am Sonntag nur verhalten äußern. Zwar laufe bisher alles nach Plan. „Wir hatten eine erfolgreiche Nacht.“ Man sei mit den erzielten Fortschritten zufrieden. Doch auch Wells verweist auf das Risiko – wie bei bei diversen Anläufen zuvor, könnte etwas Unvorhergesehenes geschehen und wieder einmal alle Hoffnungen zunichtemachen. „Wir haben versucht, so viele Macken wie möglich auszuschalten – die Herausforderung kommt dann, wenn etwas Unerwartetes passiert.“ Optimismus klingt anders.

Unterdessen arbeitet der Konzern weiter daran, Geld für den milliardenschweren Hilfsfonds zur Entschädigung der Ölpestopfer zu beschaffen. BP will sich von Unternehmensteilen trennen und so 10 Milliarden Dollar einsammeln. Die „Sunday Times“ berichtete am Wochenende, der Ölkonzern führe bereits Gespräche mit dem US-Unternehmen Apache Corp, um Beteiligungen im Wert von 12 Milliarden Dollar zu verkaufen, darunter Anteile am Prudhoe-Bay-Ölfeld in Alaska. Laut einem Bericht der deutschen „Wirtschaftswoche“ meldeten sich auch erste Interessenten für die BP-Motorenölmarke Castrol, die als Perle des Konzerns gilt.

Vergangene Woche berichtete die saudische Zeitung „Al-Iktisadija“, eine Delegation von Investoren aus Saudi-Arabien sei nach London geflogen, um mit BP-Vertretern über den Kauf von Anteilen an dem Unternehmen zu sprechen. Laut „Sunday Times“ ist auch Exxon interessiert: Der US-Konzern habe dafür die Zustimmung für eine Übernahme von der US-Regierung eingeholt, obwohl es noch nicht einmal ausgemacht sei, ob Exxon überhaupt ein Angebot vorlege. Auch ein weitere Ölkonzern, bei dem es sich wahrscheinlich um Chevron handele, habe grünes Licht aus Washington.

Die Arbeiten am Leck laufen weiter auf Hochtouren: Wenn alles gut geht, will BP es in den nächsten Tagen erreichen, dass „alles oder so gut wie alles“ ausströmende Öl von dem neuen, rund 30 Meter hohen und 100 Tonnen schweren Zylinder aufgefangen und auf mehrere Schiffe abgesaugt wird. Das wäre der erste Lichtblick seit dem Unglück auf der Bohrinsel „Deepwater Horizon“, das am 20. April das Desaster auslöste.

Seitdem fließen nach Schätzungen von Regierungsbehörden Tag für Tag bis zu 8.200 Tonnen Rohöl in den Golf von Mexiko. Lediglich gut 2.000 Tonnen werden nach Angaben von BP bisher pro Tag auf Schiffe abgepumpt. Weite Teile der US-Küste sind verseucht, ökologisch hochsensible Gebiete wie das Mississippi-Delta sind betroffen, zahllose Fischer erst einmal arbeitslos – es ist die größte Ölkatastrophe der US-Geschichte.

Die Montage des neuen „Deckels“ bringt nicht nur ein erhebliches Risiko mit sich – sie ist auch höchst kompliziert. Mit ferngesteuerten Robotern müssen es die BP-Ingenieure bewerkstelligen, einen Rohrstumpen mit zackigen Enden abzuschrauben, der aus dem „Blowout Preventer“ ragt und verhinderte, dass der bisherige „Hut“ fest genug saß.

Wegen der vertrackten Aufgabe vermeiden es die Verantwortlichen von BP auch, sich auf einen genauen Zeitplan festzulegen. „Zwischen vier und sieben Tagen“, meint denn Wells am Sonntag vage, wird es dauern, bis der neue Zylinder richtig am Platz und versiegelt ist. Sein Kollege Chuck Wolf von der Einsatzleitung in New Orleans (Louisiana) sagte zuvor, schon am Montag oder Dienstag könnte der neue Zylinder vielleicht über das Leck gestülpt werden.

Eile ist auf alle Fälle angesagt: Noch spielt das Wetter am Golf von Mexiko mit, doch die Hurrikansaison hat längst begonnen. Eine Schlechtwetterzone könnte alle Rettungsversuche erst einmal zunichtemachen. Erst kürzlich hatte ein Hurrikan, der die Unglücksstelle rund 60 Kilometer vor der Küste Louisianas lediglich streifte, alle Rettungsarbeiten ruhen lassen.

Auch US-Präsident Barack Obama setzt BP unter Druck. Der Präsident ist schwer verärgert, erst kürzlich ermahnte er die Verantwortlichen für die Misere, aufs Tempo zu drücken. Für Obama steht viel auf dem Spiel – im Herbst sind Kongresswahlen. Bis dahin muss er auch an der Ölfront Erfolge vorweisen.

[TechFieber Green/mei / Foto: deepwaterhorizonresponse/cc]

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