[GreenTechNews] Round-Up: Neuer Eon-Boss Johannes Teyssen hält Plädoyer für Energie-Mix

 eon boss Johannes Teyssen Wenige Tage nach seinem Amtsantritt hat der neue Eon-Chef  Johannes Teyssen Kontinuität angedeutet. Bei der Hauptversammlung des größten deutschen Energiekonzerns in Essen wagte der 50-Jährige trotz eines glänzenden Ergebnisses in den ersten drei Monaten keine Erhöhung der vorsichtigen Prognose. Einen langfristigen Ausblick blieb Teyssen schuldig. Über die weiteren Ziele wolle er zunächst intensiv diskutieren, ehe er diese im Laufe des Jahres öffentlich vorstellen werde.

Die Konjunktur komme nur mühsam in Fahrt, sagte Teyssen. Die Energienachfrage folge der wirtschaftlichen Entwicklung und ziehe deshalb ebenfalls nur zögerlich an. Der Strom- und Gasverbrauch bleibe noch deutlich unter dem Vorkrisenniveau. Damit bremste Teyssen die Hoffnung auf einen optimistischeren Ausblick. Eon hält bislang lediglich eine Steigerung des operativen Gewinns von bis zu 3 Prozent für möglich.

Im ersten Quartal hatte der Konzern das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) um satte 20 Prozent auf 3,7 Milliarden Euro gesteigert. Als Grund dafür gab das Unternehmen Erfolge im Endkunden- und im Handelsgeschäft an. Die Lage bleibe aber weiter fragil, erklärte Teyssen. Er verwies auf die unklare Entwicklung nach dem Auslaufen der staatlichen Konjunkturprogramme und auf neue Risiken wie die Griechenland-Krise.

Aktionärsvertreter äußerten sich zufrieden mit den Ergebnissen des Konzern. „Es gibt eine Krise und Eon hat sie verpasst“, sagte etwa Hans-Martin Buhlmann von der Vereinigung der institutionellen Privatanleger. Im vergangenen Jahr hatte Eon sein Ergebnis weitgehend stabil gehalten. Das um Sondereffekte bereinigte operative Ergebnis (EBIT) sank um 2,3 Prozent auf 9,6 Milliarden Euro. Das bereinigte Nettoergebnis schmolz um 4,8 Prozent auf 5,3 Milliarden Euro. Die Dividende soll mit 1,50 Euro je Aktie gleich bleiben.

Teyssen verzichtete in seiner Rede weitgehend auf konkrete politische Forderungen. Er wolle die Energiethemen lieber hinter verschlossenen Türen im Diskurs miteinander statt im öffentlichen Streit gegeneinander besprechen. Dennoch ließ Teyssen keinen Zweifel daran, dass er wie sein Vorgänger Wulf Bernotat an einem breiten Energiemix und damit an der Atomenergie festhalten will:“Wir sollten auf keine Energietechnologie leichtfertig verzichten, solange wir nicht ganz sicher sind, dass wir sie nicht mehr brauchen.“

Die Kernenergie sei ein stabiler Faktor der Stromversorgung und halte die Preise für die Kunden niedrig, ohne das Klima zu belasten. „Wenn die Fakten und Prioritäten sich ändern, muss der Mut zur Überprüfung von Vereinbarungen damit einhergehen“, sagte Teyssen. „Es geht nicht um Wortbruch, es geht um Verantwortung.“ Zugleich warnte Teyssen vor zu hohen Erwartungen an die Zukunftsprojekte Elektromobilität und das Wüstenstromvorhaben Desertec. Beide seien mit großen Anstrengungen verbunden. Es werde ein langer und beschwerlicher Weg.

Beim für den weiteren Erfolg der erneuerbaren Energie entscheidenden Ausbau der Stromnetze sieht Teyssen inzwischen Bewegung: „Nach meinem Eindruck hat die Bundesnetzagentur bereits begonnen, ihr anfangs nur auf Kostensenkung zielendes Konzept zu überdenken.“ Die Netzbetreiber hatten zuletzt immer wieder kritisiert, dass die von der Regulierungsbehörde genehmigten Erlöse zu gering seien und Investitionen sich deshalb nicht lohnen würden. Um den etwa auf hoher See gewonnen Windstrom in die Industriezentren im Süden der Republik zu bringen, sind Milliardeninvestitionen notwendig.

Das umstrittene Kohlekraftwerk in Datteln verteidigte Teyssen. Er nannte die im Bau befindliche Anlage im nördlichen Ruhrgebiet als eine der effizientesten weltweit. Der Neubau vermeide bis zu 1,7 Millionen Tonnen klimaschädlicher CO2-Emissionen pro Jahr. Jeder vierte deutsche ICE und Güterzug werde künftig mit Strom aus Datteln fahren und 100.000 Haushalte mit Fernwärme versorgen, sagte Teyssen. Gerichte hatten wegen Planungsmängel den Bau des Kohlekraftwerks in Teilen gestoppt. Eon arbeite „intensiv“ mit allen zuständigen Behörden, die gerügten Planungsfehler zu beheben, sagte Teyssen. Insgesamt plant Eon bis 2012 rund 24 Milliarden Euro in seinen Kraftwerkspark zu stecken.

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