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[Feature] Bio-Einweggeschirr für den Weltjugend-Kirchentag und die Fußball-WM

bio einweggeschirr

Rasend schnell rotiert die Scheibe der Spritzgussmaschine in der Teterower Corn Pack GmbH & Co KG um die eigene Achse. Das Einspritzen der aufgeschäumten Rohmasse in die kreisförmig angeordneten Messerformen ist für das menschliche Auge bei dieser Geschwindigkeit kaum noch wahrnehmbar.

Das knetartige Gemisch aus Maisstärke, Zellulose und Kalk wird durch die beheizten Bauteile im Nu verfestigt und schon nach wenigen Sekunden fliegen die fertigen Einwegmesser in den bereitgestellten Container. Fast 100 Stück in der Minute.

In Teterow betreibt die Corn Pack GmbH & Co KG nach eigenen Angaben die größte Anlage für Bio-Einweggeschirr Deutschlands. 2003 hatte die nordrhein-westfälische Loick AG dort ein eigenes Werk eröffnet. Der Start erfolgte gerade noch rechtzeitig zur Internationalen Gartenschau in Rostock, die mit Wegwerfgeschirr beliefert wurde, wie Betriebsleiter Thomas Menzl berichtet. «Inzwischen hat sogar schon der Papst von unseren Tellern gegessen», sagt Menzl. 2005 hatte das Unternehmen buntes Geschirr, Becher und Besteck für den Weltjugendkirchentag in Köln beigesteuert. Gegenwärtig laufen Verhandlungen mit den Organisatoren der Fußball-Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika.

Bevor Investor Hubert Loick in unmittelbarer Nachbarschaft zum Biotechnologiezentrum mit der Produktion von biologisch abbaubarem Verpackungsmaterial sowie Einweggeschirr auf Basis von Mais begann, hatte er gemeinsam mit der Bundesfachagentur für nachwachsende Rohstoffe in Gülzow ein völlig neuartiges Verfahren entwickelt. Mit dieser Methode kann auf den bisher genutzten Rohstoff Erdöl verzichtet und damit die Umwelt nachhaltig geschont werden. Inzwischen kommt das auf diese Weise entwickelte, aufgeschäumte Verpackungsmaterial, die sogenannten Chips, speziell beim Transport von zerbrechlichen Erzeugnissen zum Einsatz.

Zwischenzeitlich wurde in Teterow auch die Produktion von Kinderspielzeug aufgenommen. Die wenige Zentimeter großen Mais-Chips lassen sich aufgrund des Stärkeanteils mit etwas Feuchtigkeit und Farbe durch Kinder mühelos zusammenkleben. Derartiges Spielzeug ist mittlerweile seit zehn Jahren auf dem Markt, unter der Marke «Playmais» wird es weltweit vertrieben. Gerade wurde im Auftrag der Walt-Disney-Gesellschaft mit der Produktion von Winnie Pooh-, Tigger- und Princess-Figuren begonnen.

Tamara Menzl begutachtet die verschiedenfarbenen Bauteile und verpackt sie in eine bunte Dose. »Da kommt jetzt noch eins von unseren kindersicheren Wegwerfmessern mit hinein, damit sie sich alles passgenau zurecht schneiden können, ein kleiner Schwamm und fertig», sagt die Mitarbeiterin, die zusammen mit 20 Kollegen das komplette Corn-Pack-Team in Teterow bildet.

Die Produktion von Einweggeschirr wie Messern, Gabeln und Löffeln sowie von Tellern und Bechern auf Rohstoffbasis von Chinagras und Polymilchsäure beläuft sich auf jährlich mehrere Millionen Stück. »Das Wegwerfgeschirr kann sogar abgewaschen und mehrmals verwendet werden. Landet es am Ende in der braunen Tonne, wird es später zu Biogas“, erläutert Betriebsleiter Menzl.

Für die Bundesagentur für Nachwachsende Rohstoffe in Gülzow, die den Produktionsablauf mit begleitet, ist das ein zukunftsträchtiges Unternehmenskonzept. Es handle sich um geschlossene Produktionskreisläufe, sagt Agentur-Geschäftsführer Andreas Schütte. Und die Produkte suchten rund um den Globus ihresgleichen, fügt er hinzu.

Im nächsten Jahr soll die Produktionskapazität in Teterow verdoppelt werden. Schon jetzt wird weitgehend dreischichtig rund um die Uhr gearbeitet. «Mit dem Neubau trennen wir unsere Wegwerfgeschirr- und Spielzeugproduktion. Die Baupläne liegen fertig in der Schublade. Wir warten nur noch den Winter ab», sagt Menzl.

Einweggeschirr in fünf Daten:

— Einweggeschirr wird seit etwa 50 Jahren fabrikmäßig hergestellt

— eingesetzt wird es vor allem im Catering-Bereich, unter anderem
bei großen Freiluftveranstaltungen oder in der Fastfood-Industrie

— das Sortiment umfasst alle gängigen Geschirrteile bis hin zu
Tischdecken, Servietten und Handtüchern

— dabei kommen unterschiedliche Materialien auf chemischer
oder biologischer Basis zum Einsatz; biologisch abbaubare Materialien
werden zum Beispiel aus Mais und Rüben gewonnen, aber auch auf Basis
von Zellulose und Stärke

— biologisches Material ist kompostierbar oder kann
Wiederverwertungskreisläufen zugeführt werden, zum Beispiel für die
Biogaserzeugung; es gibt auch essbares Einweggeschirr

[tf/gree/ddp/jdw/mwa]

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