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Greenpeace: Fischbestände sind bedroht – Karpfen, Pangasius und Forelle sind ok

Karpfen
Mit einem neuen Einkaufs-Ratgeber will Greenpeace den Verbraucher zum bewussteren Essen von Fisch anhalten. Damit könnten die Deutschen aktiv gegen die seit Jahren kritisierte Bedrohung der kommerziell genutzten Fischbestände in den Weltmeeren vorgehen, sagte Greenpeace-Meeresexpertin Iris Menn am Dienstag in Hamburg.

Nach Schätzungen der Welternährungsorganisation FAO werden 52 Prozent dieser Bestände bis an ihre Grenze genutzt, 19 Prozent sind überfischt und 8 Prozent bereits erschöpft. Der ökologische Schaden sei immens. Die aktuelle Ausgabe des Einkaufs-Ratgebers «Fisch – beliebt, aber bedroht» empfiehlt Karpfen, Pangasius und Forelle noch ohne Bedenken.

«Die Lage der Fischbestände ist weltweit nach wie vor dramatisch», sagte Menn. Sie forderte eine Reduzierung der weltweiten Flotte um die Hälfte. Aber die Politik schaffe es nicht, sich gegen die Front aus Fischereiländern, Industrie und Handel durchzusetzen, betonte Menn. Die Verbraucher könnten jedoch mit ihrem Kauf dem Handel und seinen unzulänglich gekennzeichneten Produkten zeigen, dass sie ein umweltfreundliches Angebot im Laden wollten.

Jeder Deutsche isst Greenpeace zufolge durchschnittlich 15,6 Kilogramm Fisch pro Jahr. Alaska-Seelachs, Hering und Lachs zählen zu den Favoriten. Besonders häufig gekauft wird Fisch aus der Tiefkühltheke (36 Prozent), gefolgt von Dosen und Marinade (31 Prozent) und Frischfisch (8 Prozent).

Dabei sollten Verbraucher laut Einkaufs-Ratgeber auf Rotbarsch, Scholle oder Seeteufel verzichten. Sie gehörten derzeit nicht auf den Teller, sagte Menn. Genauer hingeschaut werden sollte bei Kabeljau, Heilbutt oder Dorade. Bei diesen Fischen hängt es von Fanggebiet und Fangmethode ab, ob ihr Kauf noch vertretbar ist. Die beliebten Fischstäbchen sind dann akzeptabel, wenn sie aus Pangasius bestehen. Der Markt reagiert laut Menn schon mit ersten Produkten darauf. Zu viele enthielten jedoch unverändert den «dramatisch» bedrohten Alaska-Seelachs.

Wissenschaftler beklagen, dass große Raubfische wie Thunfisch, Schwertfisch oder Kabeljau bereits zu 90 Prozent dezimiert sind. Sie prognostizieren einen Kollaps der kommerziell genutzten Fischbestände bis 2048. In der Europäischen Union sind die Fischbestände ebenso stark bedroht, wie Fischereikommissar Joe Borg im Grünbuch für die Reform der Gemeinsamen Fischereipolitik (GFP) im April feststellte: 88 Prozent der europäischen Speisefischbestände sind überfischt. 30 Prozent werden sich wohl nicht mehr erholen.

Die EU wird im Dezember die jährlichen Fangquoten festlegen und laut Greenpeace «dabei vermutlich wieder die wissenschaftlichen Empfehlungen überschreiten». So fordert die Umweltorganisation, die Empfehlungen bei der Quotenvergabe einzuhalten, die Überkapazitäten im Fischfang mit schonenden Fangmethoden abzubauen und Meeresschutzgebiete einzurichten.

Der Fischratgeber ist kostenlos bei Greenpeace in Hamburg als 27-seitiges Heft und im Brieftaschenformat erhältlich sowie unter greenpeace.de/themen/meere/fischerei. Die Ausgabe 2009 umfasst die erweiterte Untersuchung von nun rund 70 Fischarten sowie 250 Fischbestände und 40 Aquakulturen. 2008 veröffentlichte die Umweltschutzorganisation erstmals einen Einkaufs-Ratgeber. [tf/green/ddp] [Photo Mueritz via FlickR]

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