[Feature] «Mehr als Greenwashing» – Handy-Recycling schont Wertstoff-Ressourcen

XXXXX LogoTonnenweise Gold gefällig? Bitteschön! Man leere nur die Schubladen der Menschheit, lasse die darin enthaltenen Alt-Handys herauspurzeln und voilà: Jährlich werden weltweit rund 1,2 Milliarden Handys verkauft. Die Geräte enthalten Wertstoffe, darunter Kupfer, Gold und Palladium. Doch anstelle die ausrangierten Geräte nach ihrer oft nicht länger als 18-monatigen Gebrauchsdauer dem Recyclingkreislauf wieder zuzuführen, werden sie gehortet und verstauben. Allein in Deutschland, so schätzen Experten, geben nur rund ein Prozent der Nutzer ihre ausgedienten Geräte zur Wiederverwertung.

Nicht nur Umweltschützer wollen daran etwas ändern. Die Ressourcen werden durch die Weiternutzung von Altgeräten geschont und die wertvollen Ingredienzien der recycelten Telefone können bei der Produktion wieder eingesetzt werden – was Kosten spart. Allein in deutschen Haushalten lagerten rund 60 Millionen ausgediente Mobiltelefone, schätzt Steffen Holzmann, Projektleiter «Eco-IT» bei der Deutschen Umwelthilfe (DUH). Das hat Potenzial.

Die Mobilfunkbetreiber in Deutschland versuchen sich mit der Wiederverwertung mal einen grünen, mal einen sozialen Anstrich zu geben. So lässt E-Plus die Erlöse recycelter Handys dem Malteser Hilfsdienst zukommen, beispielsweise für die Arbeit mit Behinderten oder für Betreuungsdienste. Vodafone lässt aufbereitete Geräte nach eigenen Angaben in Entwicklungsländer schicken. O2 sagt zu, je zurückgegebenem Handy 2,50 Euro an den World Wide Fund for Nature (WWF) weiterzuleiten. «Die Erlöse, die man aus dem alten Handy generieren kann, werden von allen Netzbetreibern in gute Projekte gesteckt», bestätigt Holzmann. Die Umwelthilfe selbst pflegt mit T-Mobile eine entsprechende Partnerschaft.

Holzmann sieht in den Initiativen der Industrie mehr als Image-Politur: «Das ist mehr als Greenwashing, die Unternehmen haben verstanden, dass sie ein problematisches Produkt haben, das die Notwendigkeit der Verantwortung mit sich bringt.» Denn die Geräte enthielten neben den genannten Edelmetallen etwa auch Coltan, das beispielsweise in der Demokratischen Republik Kongo unter «sehr fragwürdigen Bedingungen» gewonnen werde.

Abgesehen von Begleitumständen wie diesen setzt sich Holzmann als Umweltschützer für die Wiederverwertung und die sachgemäße Entsorgung der enthaltenen Schadstoffe ein: Für eine möglichst hohe Recyclingquote sei die getrennte Sammlung der Geräte ausschlaggebend. Vom örtlichen Wertstoffhof, also der «Entsorgung nach dem Elektroaltgeräteregister», die allen Geräten, ob Toaster oder Radio, das gleiche Schicksal bescheidet, rät der Experte ab. Spezielle Handy-Sammel-Aktionen dagegen gewährleisteten die «sortenreine Trennung» – so auch die sachgemäße Entsorgung der schädlichen Akkus.

Für die effiziente Wiederverwertung nehme zudem nahezu jeder Mobilfunkshop Alt-Geräte zurück. Alternativ stellen die Mobilfunkbetreiber Rückumschläge für den kostenlosen Versand der ausrangierten Telefone an die richtige Adresse zur Verfügung. Auf der Website des Naturschutzbundes (nabu.de) kann nach «Handy-Sammelstellen» in der Nähe des eigenen Wohnortes gesucht werden. «Verwertungsquoten von bis zu 75 Prozent sind möglich», sagt Holzmann. 20 bis 25 Prozent Metalle enthalte ein Mobilfunkgerät im Schnitt sowie 50 Prozent Kunststoffe, die teils in thermische Energie umgewandelt würden.

«Professionellen Aufkäufern» wie etwa zonzoo.de sei in der Regel zu trauen: «Wenn Ihnen jemand Geld für Ihr altes Gerät anbietet, dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass er es wieder verwenden will, relativ hoch.» Die professionellen Recycler versuchten recht erfolgreich, die Geräte «auf Zweit- und Drittmärkten» zu vermarkten – in Asien oder Afrika. Mit jedem Zweitleben eines Handys werde die Produktion eines Neugerätes überflüssig, unterstreicht Holzmann.

Von selbst verstehe sich, dass Handys nicht in den Hausmüll gehörten, das verbiete das Elektro- und Elektronikgerätegesetz (ElektroG). Es gebe aber noch einen besseren Umgang als das Recycling: «Am allerbesten ist es, wenn Handys so lange wie möglich genutzt werden.» Mit immer schnelleren Modellzyklen setzen die Hersteller allerdings starke Anreize für den fortwährenden Austausch der Geräte.

Vor diesem Hintergrund fordert die Entwicklungsorganisation Germanwatch von den vier deutschen Mobilfunkanbietern, auch Anreize für das Handyrecycling zu setzen. Ein Vorschlag lautet, den Verkaufspreis eines neuen Handys zu erhöhen, wenn das alte nicht zurückgegeben wird.

tf/mei/ddp
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