Diesel-Golf überraschend Test-Sieger

Ein völlig überraschendes Ergebnis brachte Deutschlands erster unabhängiger NOx-Test im Fahrbetrieb nach dem VW-Skandal, den auto motor und sport und Emissions Analytics durchgeführt haben. Eine Woche lang hat die Zeitschrift gemeinsam mit dem renommierten britischen Mess-Spezialisten Emissions Analytics, der bereits 1000 Fahrzeuge in Großbritannien und den USA im Fahrbetrieb getestet hat, acht Diesel auf eine gut 100 km lange Testrunde geschickt und den NOx-Ausstoß im Stadtverkehr, auf Landstraßen und Autobahnen gemessen.

Obwohl alle Testwagen auf der bekannten auto motor und sport-Eco-Runde defensiv gefahren und nur sanft beschleunigt wurden, haben alle die geplanten gesetzlichen Grenzwerte zum Teil erheblich überschritten. Mit einer Ausnahme: Ausgerechnet Volkswagen erzielte mit einem Golf-Diesel das mit Abstand beste Testergebnis und blieb im Rahmen der künftigen gesetzlichen Vorgaben für Straßentests.

Auch wenn bekannt ist, dass Autos im Alltagsbetrieb deutlich mehr verbrauchen und NOx ausstoßen als bei Idealbetrieb im Labor, haben die enormen Abweichungen im Alltagsverkehr doch überrascht. „Dass ein Kompaktauto wie der Fiat 500X auf der Straße etwa zehnmal so viel NOx ausstößt wie der Euro-6-Grenzwert erlaubt, hätten wir nicht gedacht“, sagt Jens Katemann, Chefredakteur von auto motor und sport.

VW Golf sauberster Diesel im Test

Und völlig unerwartet war der Testsieger. „Dass ausgerechnet ein Diesel von VW mit Abstand am wenigsten Stickoxide emittiert, ist die wohl größte Überraschung unseres NOx-Tests unter Realbedingungen“, so Katemann. Der VW Golf überschreitet den zulässigen Euro-6-Grenzwert von 80 mg NOx pro Kilometer, der unter optimalen und unrealistischen Bedingungen auf dem Prüfstand ermittelt wird, nur um das 1,9-fache. Das bedeutet: Der 2-Liter-TDI hat auf der ams-Teststrecke im echten Verkehr im Schnitt nur 148 mg NOx pro Kilometer ausgestoßen. Selbst wenn der strenge Straßentest 2018 eingeführt wird, der ein Überschreiten der Laborwerte im Fahrbetrieb nur um das 2,1-fache erlaubt, bleibt der Golf als einziger Diesel im Test noch im Rahmen der zulässigen Werte.

Alle anderen sieben Diesel überschritten die Laborwerte deutlicher. Der schlechteste Euro-6-Diesel im Test, ein Fiat 500X mit 1,6-Liter-Motor, stößt im Verkehr 845 mg pro Kilometer aus. Damit überschreitet der Fiat den Euro-6-Grenzwert um das 10,6-fache. Das ist zugleich fast sechsmal so viel wie der Golf.

Um den Faktor 6 weichen die NOx-Werte des BMW X5 sDrive 26d, des Opel Mokka 1.6 CDTI und des Volvo XC90 D5 vom Grenzwert ab.

Fünfmal so hoch wie erlaubt sind die Abgaswerte beim einzigen Euro-5-Diesel im Test: Der Audi Q3 2.0 TDI Quattro, der mit dem Skandal-Motor EA189 ausgestattet ist, stößt 864 mg NOx pro Kilometer aus. Das ist noch mehr als der Fiat 500X. Aber für den Q3 gilt noch der Euro-5-Grenzwert von 180 mg, den er um genau das 4,8-fache übertrifft.

Gut schlugen sich die Dieselmodelle von Mercedes und Mazda, deren NOx-Werte „nur“ wenig über dem künftigen Grenzwert für Straßentests liegen. Der Mercedes C 250 d T stößt im Schnitt 215 mg NOx pro Kilometer aus, 2,7-mal so viel wie der Euro-6-Grenzwert. Der Mazda CX-3 Skyactiv-D 105 liegt mit 284 mg NOx nur 3,6-fach über dem Grenzwert. Der Mazda überrascht dabei am meisten, weil das Auto diesen guten Wert ohne Abgasbehandlung, sondern allein mit innermotorischen Maßnahmen wie niedriger Verdichtung erreicht.

auto motor und sport hat alle Testwagen im Serienzustand geprüft, ist mit dem empfohlenen Luftdruck und einer auf 22 Grad eingestellten Klimaanlage gefahren.

+ via auto motor und sport | Foto: MotorBlog/MomentiMedia

Tags: , , , ,

Read more on MotorBlog about: , , , ,

Comments (2)

Leave a Reply