NAIAS Detroit Nachlese | „An der Tankstelle habe ich keine Angst“

An der Tankstelle habe ich keine Angst

Nur der Detroit River trennt Kimberlia Kirk von ihrer Heimat. Eine Brücke führt hinüber, ebenso ein Tunnel. Doch die Kanadierin fährt allenfalls zu Familienbesuchen nach Toronto, woher sie stammt. Wegen der Krise nach Norden abhauen? „Ich liebe Detroit“, sagt die Kellnerin.

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Auf der Suche nach Arbeit ist sie vor 17 Jahren in die USA gekommen – und ist geblieben. Sie mag die Leute, die Stadt. Sie hat die Liebe ihres Lebens gefunden, geheiratet. Ihre Verwandten besuchen sie gern zu Thanksgiving.

Seit etwas über einem Jahr arbeitet Kimberlia in der „Mercury-Bar“ an der Michigan Avenue. Die Fassade der Bar ist in modernem grau gefasst, zehn Biere gibt es vom Hahn. Zur Mittagszeit ist der Laden gerammelt voll, Leute warten, bis ein Tisch frei wird. Das wundert, liegt das „Mercury“ doch im Stadtviertel Corktown, wo die Ruine der „Central Station“ aufragt, das Symbol des Niedergangs.

„Schau die Michigan hinauf! Da haben einige Läden aufgemacht“, sagt Kimberlia. Die Ecke sei nicht mehr so marode, wie es auf den ersten Blick scheint. Leute aus anderen Viertel kämen gern auf ein Bier her. Hier eine Bar zu betreiben, habe weniger mit Mut zu tun als mit Geschäftssinn.

Natürlich gebe es gefährliche Ecken, die wie „Taschen“ die Stadt überziehen. Die Wahl-Detroiterin beschönigt nichts. „An manchen Tankstellen würde ich nachts nicht anhalten.“ Das Risiko, überfallen zu werden, wäre zu hoch. „Aber in dieser Gegend habe ich selbst nachts um 2 Uhr keine Angst.“

Kimberlia hat ein kleines bisschen ihrer Heimat nach Corktown gebracht. Auf der Speisekarte steht neben der lokalen Spezialität Coney Hot dogs auch Poutine, gewissermaßen die Currywurst Kanadas. „Das zeigt doch, dass ich hier bleibe!“


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