NAIAS Nachlese | „Mein Sohn soll in Detroit aufwachsen“

Mein Sohn soll in Detroit aufwachsen

Christopher Michael reißt, eine gelbe Warnweste auf dem Leib, abgestorbene Halme aus einem Beet. Einige hundert Meter Uferpromenade hat er und mit seinen Kollegen an diesem Morgen schon gereinigt. „Detroit hat einen miserablen Ruf“, sagt er und stützt sich auf seinen Rechen. Dabei gebe es diese schönen Ecken. „Der River Walk im Sommer. Wunderbar!“ Der Mann vom Bauhof gerät ins Schwärmen. Er möchte nirgends anders leben als in Detroit.

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Dabei hätte er allen Grund, der Stadt den Rücken zu kehren: Vor vier Jahren verlor er seinen Job. Er arbeitete in Detroit in der Automobilbranche. Nicht bei den großen Drei, sondern bei einem Zulieferer. Als die Krise die Stadt erfasste, wurde er gefeuert. So fand sich der Dreißigjährige auf der Straße wieder. Einen guten Job hat er seither nicht gefunden.

Er beklagt sich nicht. „Die Arbeit macht mir Spaß“, sagt er. Frohgemut schaut Michael, die Sonnenbrille im Gesicht, in die Morgensonne, die an diesem kalten Wintertag kaum wärmt. Man würde sich nicht wundern, würde er ein Lied anstimmen.

„Wegziehen kommt für mich nicht in Frage“, sagt er und schüttelt den Kopf. Er will sein Glück nicht in Chicago versuchen, wie einige seiner Freunde. Er bleibt. Michael meint, hier an der Promenade den nahenden Aufschwung zu spüren. Detroit werde aufblühen. „Ich wünsche mir, dass mein kleiner Sohn hier in Detroit aufwächst.“

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