[Testfahrt] In den Strassen von Rom: Ford Fiesta Tech Drive

November 25, 2012 | Author: Fritz Effenberger

Filed Under: MotorNews

[Testfahrt] In den Strassen von Rom: Ford Fiesta Tech Drive

Der Traditionshersteller Ford bringt im Januar einen neuen Kleinen auf die Strasse. Der Fiesta ist heute allerdings nicht mehr die minimal ausgestattete Blechsemmel für den Stadtverkehr wie zum Start im Jahr 1976, sondern ein erwachsen gewordener Compact mit Ökomomotoren und High-Tech-Ausstattung, nur eben zu einem Kampfpreis: Die einfachste und deswegen auch nicht so uneingeschränkt spannende Version hat einen empfohlenen Verkaufspreis von 10.950 Euro, kostet beim Händler dann also weit weniger, tief im vierstelligen Bereich.

[Testfahrt] In den Strassen von Rom: Ford Fiesta Tech Drive

Cooler sind da schon die ökomotorisierten Dreizylinder der 1000ccm-Klasse – eine Hubraum-Kategorie, die in der guten alten Zeit für gerade mal 34 PS gut war, heute aber auf spritzige 125 PS hochfrisiert wurde. Turbolader, Einspritzer und Regelelektronik machen’s möglich; die parallel angeboten Diesel mit knappen 100 PS machen der ebenfalls keine schlechte Figur. Und das alles bei drei bis vier Litern Verbrauch auf 100 Kilometer; vorausgesetzt, man bleibt halbwegs entspannt und fährt nicht betont hektisch.

Davon konnten sich auch die kritischen, mauligen und weniger leicht zu beeindruckenden Blogger überzeugen, Ford lud uns zu einer Probefahrt nach Rom ein. Positiver Ersteindruck: Der demnächst 110 Jahre alte Konzern gibt sich richtig Mühe, in der Gegenwart anzukommen. Der Event war als angenehm papierloses Social Media Ereignis aufgezogen, mit dem Ergebnis, dass die Party in den antiken Kulissen der römischen Filmstadt Cinecitta von lokalen Facebookschönheiten beprägt war, was ja grundsätzlich nicht schadet. Ach, und da drüben wird Caesar immer ermordet; wenn man davor steht, erkennt man die Stelle genau.

Die Flitzer selbst haben eine ganze Reihe von Überraschungen eingebaut – die Motoren (von den ganz einfachen, ungeboosteten mal abgesehen) gestatten ein spritziges Mitschwimmen im römischen Innenstadtverkehr. Der ist übrigens besser als sein Ruf, rote Ampeln werden überwiegend als solche beachtet, Geschwindigkeit bleibt situationsbedingt im Rahmen, weil immer mindestens die Hälfte der Fahrspuren zugeparkt ist, nur die Dame vom Navi moniert ab und zu “Bei der nächsten Gelegenheit bitte wenden”, wenn man sich vom Fahrspass sowie den zahlreichen Sehenswürdigkeiten ablenken liess und zum zweiten Mal das Colosseum umrundet.

Die kommenden Fiestas haben nicht nur eine satte Palette an Motorvarianten unter der Haube, sondern auch richtig viel Halbleiterangebot, zu akzeptablen Aufpreisen. Sehr lustig sind tatsächlich die Bremshilfe, die beim feierabendlichen Stop-And-Go-Verkehr schon mal mitbremst, wenn man zu spät auf den stockenden Vordermann reagiert, oder die Einparkhilfe, die auf Wunsch Parklücken selbbsttätig nach Grösse abcheckt und das Mobil anschliessend ganz ohne Zutun des Besitzers hineinschaukelt.

Besonders stolz sind die Ford-Ingenieure auf die Multimediaeigenschaften des Fiesta: Dieser kann nämlich mit Hilfe eines von Microsoft entwickelten (dazu komme ich noch) Bordcomputers voreingestellte Beschränkungen (etwa von Eltern für ihre Kinder) garantieren (Stichwort MyKey) oder das Smartphone nahtlos in die Car-Hifi-Anlage einbinden, so dass gesprochene Kommandos zum Vorlesen empfangener Nachrichten oder der Auswahl von Musikstücken aus dem Smartphonespeicher führen. Definitiv praktisch, und sogar relativ ausgereift: Der Sprach-O-Mat versteht einen auch dann, wenn man absichtlich nuschelt.

Ja, aber, Microsoft: Muss man jetzt befürchten, dass die Mühle an der nächsten Kreuzung mit blauem Bildschirm stehen bleibt? Das liess sich glücklicherweise mit den anwesenden Ingenieuren aus dem Kölner Ford-Werk im persönlichen Gespräch klären. Ist der Sync-Computer an Bord, dann steckt im Maschinenraum ein sorgfältig verkapselter ARM-Chip mit 512 MB Speicher, also ein Rechner etwas unter aktuellem Smartphone-Niveau, auf dem Windows CE läuft, kein Windows Vista, 7 oder 8. Das heisst, die Maschine hat einen sehr schlanken, nicht für Nutzeranwendungen, sondern für Embedded-Computing typisch klar definierte Industrieanwendungen designten Kernel. Gebaut für jahrelanges störungsfreies Laufen, und nicht für selbstinstallierte Programme. Dazu kommen die sehr stark eingeschränkten, kontrollierten Schnittstellen. Der Fiesta hat zwar eine USB-Buchse an der Bord-Audio-Anlage, die auch brav das Smartphone auflädt, leitet aber keine Code-Eingaben an den vergleichsweise einfach gestrickten Bordcomputer weiter. Der neigt deswegen nicht zum Abstürzen und dürfte auch eher schwer zu Hacken sein, Microsoft hin oder her. Ich selber bin allerdings zu wenig Coder, um das Restrisiko einschätzen zu können; für Horrorgeschichten zum Thema befragt man am Besten kommerzielle White-Hat-Hacker wie Eugene Kaspersky.

Das Wichtigste ist aber bei alledem der Fahrspass, und den hat Ford wirklich gut hingekriegt: Die kleinen, aufgemotzten Ökomotoren werden schnell warm (und geben die Wärme auch auf Kurzstrecken schnell an die kalten Füsse der Passagiere weiter) und ziehen einen mühelos zum Arbeistplatz (oder wo man sonst hinmöchte), ohne den Tank besonders schnell leerzumachen. Das grüne Abgasziel, unter 100g CO2 pro Kilometer, erreichen die Antriebe ebenfalls mühelos. Das eher jugendlich-straffe Fahrwerk trägt zum Fahrspass ebenfalls bei. Natürlich muss man einschränken, dass es auf dem Markt Autos gibt, die genauso gross sind und genau so aussehen, aber das Doppelte kosten. Die fassen sich dann einfach wertiger an. Nur: Als Öko-Hightech-Gesamtpaket zu diesen Preisen ist der Fiesta 2013 eine richtig flotte Nummer.

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Wichtiger Disclosure im Sinne bestmöglicher Transparenz und journalistischer Unabhängigkeit: Ford hat uns für diesen Artikel unterstützt und die Reisekosten zum Event übernommen.
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