Wer beim Geländewagen nicht aufs Prestige, sondern auf den Preis schaut, hatte bislang wenig Auswahl. Doch das ändert sich jetzt. Denn nach dem Skoda Yeti stürmt nun erstmals auch Dacia mit dem Duster die Buckelpiste.
Eine lebenslustige Erscheinung
Er gilt mit einem Grundpreis von 11 900 Euro als das mit Abstand günstigste SUV der Republik. Dennoch müssen Autofahrer bei Dacia keinen Spaßverzicht üben. War das Mittelklass-Modell Logan noch ein unförmiges Stufenheck, bei dem das Design nur die Maximierung des Raums zum Ziel hatte, ist der Duster durchaus mit Lust und Leidenschaft gezeichnet. Ausgestellte Kotflügel, markante Planken an der Gürtellinie, eine Dachreling und der Unterfahrschutz geben dem Wagen ein robustes Aussehen und lassen ihn mindestens so lebenslustig erscheinen wie ein VW CrossGolf.
Auch innen kommt Farbe ins Spiel
Auch innen kommt ein bisschen Farbe ins Spiel. Zumindest gegen Aufpreis gibt es bunte Zierringe um die Lüfter, ein paar glänzende Anbauteile lockern die graue Kunststofflandschaft auf. Selbst Lederpolster sind verfügbar. Von einer Klimaanlage ganz zu schweigen. Sogar serienmäßig ist der viele Platz auf allen Plätzen: Bei 2,76 Metern Radstand und 4,32 Metern Länge können Hinterbänkler auch dann noch passabel sitzen, wenn der Vordermann die volle Beinfreiheit ausschöpft. Und der Kofferraum schluckt zwischen 475 und 1636 Liter. Allerdings sind Abdeckung und Verkleidung lieblos, die Ladekante verkratzt leicht und die umgelegte Rückbank bildet eine kleine Stufe.
Die Basisversion verlangt Handarbeit
Natürlich haben die Rumänen beim Duster mit spitzem Stift gerechnet. Wer tatsächlich das Basismodell für 11 900 Euro bestellt, muss deshalb viele längst vergessene Arbeiten von Hand verrichten: Fensterkurbeln, mechanische Schlösser oder manuelle Spiegelverstellung sind bei Neuwagen heute selten geworden. Doch ändert die vergleichsweise lange Liste der Extras nichts am günstigen Preis. Selbst in der teuersten Ausstattungsvariante, mit dem stärksten Motor und allen Optionen kostet der Duster keine 20 000 Euro und ist damit viel billiger als Skoda Yeti oder VW Tiguan.
Abstriche macht Dacia bei der Sicherheit. ABS und Frontairbags gehören zwar zur Serienausstattung, und Seitenairbags gibt es zumindest gegen Aufpreis. Aber bei aktiven Kopfstützen, Kopfairbags oder Kurvenlicht müssen die Rumänen passen. Immerhin: Als ersten Dacia gibt es den Duster auch mit ESP – aber nur für den stärksten Motor und nur für 300 Euro extra.
Jenseits des Ortsschildes lässt der Elan nach
Technisch bedient sich der Duster großzügig aus den Regalen des Renault-Nissan-Konzerns. Die drei Motoren – ein Benziner mit 77 kW/105 PS und zwei Diesel mit 63 kW/86 PS oder 81 kW/110 PS – kennt man schon aus dem Clio. Vor allem der starke Diesel macht im Duster eine ganz ordentliche Figur: Zeitgemäß mit sechs Gängen geschaltet und mit einem Partikelfilter gereinigt, geht er mit bis zu 240 Nm zu Werke und hat bei nicht einmal 1,3 Tonnen Gewicht leichtes Spiel.
Er mag vielleicht ein wenig kräftiger Knurren als die TDI-Motoren von VW, und ganz so schnell ist er auch nicht. Doch zumindest im Stadtverkehr schwimmt man locker mit. Erst jenseits des Ortschildes lässt der Elan nach, so dass man bis Tempo 100 fast zwölf Sekunden braucht. Aber wenn der Wagen erst mal rollt, kann man sich mit bis zu 170 km/h auch auf die linke Spur trauen.
Abenteuer-Technik nur gegen Aufpreis
Weil der Duster mehr auf der Straße als im Schlamm fahren wird, gibt es den Allradantrieb nur gegen Aufpreis. Die erhöhte Bodenfreiheit und die ordentlichen Böschungswinkel haben zwar alle Modelle. Aber nur für 1800 Euro montiert Dacia beim Benziner und beim stärkeren Diesel auch die automatische Kraftverteilung aus dem Nissan Qashqai. Sie schaltet die Hinterachse immer dann zu, wenn die Traktion nachlässt. Auf widrigen Wegen lässt sich die Kraftverteilung allerdings auch 50 : 50 fixieren. Wer Sprit sparen will, stellt den 4×4-Betrieb mit einem Knopfdruck aus. Allerdings hält sich der Verbrauchszuschlag des Allradantriebs in engen Grenzen: Statt bei 5,3 liegt der Normwert dann bei 5,6 Litern.
Fazit: Gute Wahl für Sparer, nichts für Angeber
Natürlich kann man mit einem Dacia nicht so viel Staat machen wie mit einem Mercedes GLK oder einem BMW X1. Und so komfortabel, sicher und modern ist der Preisbrecher auch nicht. Doch anders als der Logan ist der Duster auch keine rollende Verzichtserklärung mehr, bei der man allen Spaß dem Sparen opfert. Und während man für Mercedes & Co in der Regel erst mal einen Termin bei der Hausbank braucht, bleibt beim Duster mit etwas Glück und Planung vielleicht noch Luft für den nächsten Urlaub.
| Datenblatt: | Dacia dCi 110 FAP 4×2 |
| Motor und Antrieb: | Vierzylinder-Commonrail-Diesel |
| Hubraum: | 1461 ccm |
| Max. Leistung: | 79 kW/107 PS bei 4000 U/min |
| Max. Drehmoment: | 240 Nm bei 1750 U/min |
| Antrieb: | Frontantrieb |
| Getriebe: | Sechsgang-Schaltgetriebe |
| Maße und Gewichte | |
| Länge: | 4315 mm |
| Breite: | 1822 mm |
| Höhe: | 1625 mm |
| Radstand: | 2673 mm |
| Leergewicht: | 1280 kg |
| Zuladung: | 475 kg |
| Kofferraumvolumen: | 475-1636 Liter |
| Fahrdaten | |
| Höchstgeschwindigkeit: | 171 km/h |
| Beschleunigung 0-100 km/h: | 11,8 s |
| Durchschnittsverbrauch: | 5,3 Liter/100 km |
| Reichweite: | 940 km |
| CO2-Emission: | 139 g/km |
| Kraftstoff: | Diesel |
| Schadstoffklasse: | EU5 |
| Kosten | |
| Basispreis der Modellreihe: | 11 900 Euro |
| Grundpreis des dCi 110 FAP 4×2: | 15 400 Euro |
| Typklassen: | liegen noch nicht vor |
| Kfz-Steuer pro Jahr: | 180 Euro/Jahr |
| (alle Daten laut Hersteller, GDV, Schwacke) |
| Wichtige Serienausstattung | |
| Sicherheit: | Front- und Seitenairbags |
| Komfort: | Klimaanlage, elektrische Fensterheber, Zentralverriegelung |












