Für den richtigen Takt einer Herzdruckmassage gebe es einen einfachen Trick, erklärt der Notfallmediziner den Lehrern im Erste-Hilfe-Kurs. Man solle in Gedanken den AC/DC-Titel «Highway to Hell» summen, dann stimme in etwa der Rhythmus, mit dem 30 Mal der Brustkorb gepresst werden müsse. Für Musiklehrer Reyk Stolze aus Franzburg ist das einer der besten Tipps der Schulung, bei der 300 Pädagogen aus Mecklenburg-Vorpommern auf die am Montag startende Lebensretterwoche an allen Schulen vorbereitet werden. Ein gleichmäßiges Klacken in der Scandlines-Arena in Rostock signalisiert am Freitag schnell, dass die Lehrer den richtigen Takt für die Herzmassage gefunden haben.
Für die Lehrer sind Handgriffe zur Wiederbelebung meist Routine, müssen sie doch regelmäßig solche Kurse belegen. Für viele ihre Schüler werden Atemspende und Herzdruckmassage hingegen neu sein. Ab kommender Woche werden 12 000 Kinder der siebten Klasse an Puppen Handgriffe der Ersten Hilfe üben. «Ab diesem Alter sind die Kinder geistig, aber auch kräftemäßig in der Lage, Wiederbelebungsmaßnahmen durchzuführen», sagt Gernot Rücker von der Rostocker Uniklinik für Anästhesiologie und Unfallmedizin, der dazu eine bundesweite Studie erarbeitet hat.
Jeder Schüler bekommt eine Übungspuppe, die er für eine Woche mit nach Hause nehmen kann. «Damit können auch Eltern und Freunde testen, ob sie einem Menschen mit Herzstillstand helfen könnten», sagt Kultusminister Henry Tesch (CDU), Schirmherr der Aktion. Mit der Lebensretterausbildung unterstützten Erwachsene die Kinder außerdem dabei, in Notfällen mehr Selbstbewusstsein und Zivilcourage zu zeigen.
Der Erste-Hilfe-Unterricht über zwei Unterrichtsstunden soll in den nächsten fünf Jahren Bestandteil des Stundenplanes der siebten Klasse im Nordosten sein. Puppen und Lehrmaterial im Gesamtwert von rund 300 000 Euro stellt die Björn Steiger Stiftung zur Verfügung, die das Projekt in allen Bundesländern einführen will. Bislang haben sich aber erst Berlin und Mecklenburg-Vorpommern beteiligt.
Kinder seien die besten Partner, um eine flächendeckende Ausbildung in Wiederbelebung zu organisieren, argumentiert Notfallmediziner Rücker. «Sie gehen angstfrei an die Lebensrettung.» Teenager in der Fahrschule seien viel zurückhaltender und eher gelähmt, wenn sie Zeuge eines Unfalls würden. Erwachsene wiederum hätten Angst, etwas verkehrt zu machen und holten lieber Hilfe. «Was die Kinder im Alter von 12, 13 Jahren lernen, vergessen sie nicht, das haben sie verinnerlicht», sagt Rücker, der für seine Studie mehr als 10 000 Schüler bundesweit befragt hat.
Jährlich sterben rund 100 000 Menschen an einem Herzstillstand. Jede Minute, die ohne Hilfe verstreicht, verringert die Überlebenschance. Dass in solchen Notfällen durchaus auch Kinder zu Lebensrettern werden können, hat schon Inge Zühlsdorf von Friedrich-Franz-Gymnasium Parchim erlebt, als ihre Ersthelfer an der Schule zum Einsatz kamen. «Mich muss man davon nicht überzeugen, ich werde diese Erste-Hilfe-Kurse in den Biologie-Unterricht mit einbinden», sagt sie.
Auch Karola Triebel von der Regionalen Schule Stralsund ist sicher, mit den Wiederbelebungsübungen einen Nerv bei ihren Siebtklässlern zu treffen. «Einer unserer Schüler hatte gerade einen schweren Autounfall. Er wurde angefahren und lag lange im Krankenhaus mit mehreren Brüchen. Das Thema, dass jedem mal ganz schnell was Schreckliches passieren kann, ist also sehr aktuell bei uns. Da ist es gut zu wissen, wie man helfen kann.»
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