
Die Temperatur in den oberen Schichten der Weltmeere ist zwischen 1993 und 2008 definitiv gestiegen. Dies berichtet ein internationales Forscherteam nach einer detaillierten Fehleranalyse und Neubewertung vorhandener Messdaten im Fachjournal «Nature» (Bd. 465, S. 334).
Die Experten erklären in der Untersuchung auch, warum andere Studien oft widersprüchliche Ergebnisse lieferten. «Nach unseren Berechnungen hat die Temperatur bis in 700 Meter Tiefe in diesem Zeitraum um etwa 0,15 Grad Celsius zugenommen», sagte der Forscher Viktor Gouretski der Nachrichtenagentur dpa. «Bezogen auf alle Ozeane ist das ein erheblicher Anstieg», betonte der Experte vom Klimacampus der Universität Hamburg. Die Erwärmungsrate in oberen Meeresschichten beträgt dem Team zufolge 0,64 Watt pro Quadratmeter.
Die oberen Meeresschichten «schlucken» einen Großteil der Wärmeenergie, die durch den vom Menschen verursachten Treibhauseffekt freigesetzt wird. Dies führt zu dem Anstieg der Meerestemperatur.
Forscher hoffen, durch Messungen der Wärmespeicherung in den Ozeanen, Art und Ausmaß der Erderwärmung und des Anstiegs der Meeresspiegel besser erfassen zu können. Die Wassertemperaturen unterliegen nämlich den natürlichen Schwankungen aufgrund kurzfristiger Wetterphänomene viel weniger stark als etwa die Atmosphärentemperatur. Allerdings kamen Forscher bei ihren Berechnungen zu widersprüchlichen Ergebnissen.
Wie John Lyman von der Universität Hawaii-Manoa (Honolulu/Hawaii), Gouretski und Kollegen nun berichten, hatten die Expertenteams ihre Messdaten unterschiedlich bewertet. So wurden Messungen der Temperaturstruktur in den Meeresschichten bis 2002 vor allem mit Hilfe sogenannter Wegwerf-Bathythermographen (XBT) gemacht. Das sind Sonden, die beim Absinken auf den Meeresgrund die Temperatur messen. Da sie mit gleichbleibender Geschwindigkeit absinken, lässt sich die jeweilige Wassertiefe leicht ermitteln.
Allerdings unterscheidet sich die Fallgeschwindigkeit in Abhängigkeit von der Bauart der Sonde. Solche Unterschiede wurden in der Bewertung der Messdaten nicht immer ausreichend berücksichtigt, berichten die Forscher. XBT-Messungen fanden zudem immer nur an einzelnen Punkten großer Meeresgebiete statt. Auch die Frage, wie man den weitaus größeren Teil der nicht untersuchten Bereiche in die Berechnungen integriert, lösten die Forscherteams unterschiedlich.
Seit etwa 2003 wird die Temperatur der oberen 2000 Meter von mehreren Tausend Driftern des Ozeanbeobachtungsprogramms Argo kontinuierlich gemessen. Seitdem steht eine sehr viel verlässlichere Datenquelle zur Verfügung, die wiederum andere Ergebnisse zur Veränderung der Meerestemperatur lieferte.
[TechFieber Green/mei / Foto dpa]
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