Mozilla: Doch nicht der Internet-Bösewicht des Jahres

Mozilla Firefox ist als Internet-Bösewicht des Jahres nominiert

Der «DNS-over-HTTPS»-Ansatz des Firefox-Herstellers Mozilla für mehr Sicherheit beim Surfen im Netz missfällt britischen Providern. Die Nominierung zum Internet-Bösewicht nimmt der Branchenverband nun jedoch zurück.

Mozilla Firefox treibt Einsatz des verschlüsselten Protokoll voran

Firefox-Hersteller Mozilla treibt den Einsatz des verschlüsselten Protokolls «DNS-over-HTTPS» voran und hat sich damit eine unehrenhafte Auszeichnung der britischen Internet Service Providers‘ Association (ISPA) eingefangen. Die Vereinigung nominierte das gemeinnützige US-Unternehmen zum «Internet-Bösewicht des Jahres». Mitanwärter auf den Titel sind Artikel 13 der EU-Urheberrechtsrichtlinie und US-Präsident Donald Trump.

Der Gewinner der Negativ-Auszeichnung hätte heute in London gekürt werden sollen – die britische Providervereinigung hat die Nominierung, die viele verblüfft und zu heftigen Diskussionen im Netz geführt hat, nun jedoch zurückgezogen.

Mehr Sicherheit durch Verschlüsselung

Stein des Anstosses ist das Vorgehen von Mozilla bei der Implementierung von DNS-over-HTTPS in den Web-Browser Firefox. Der neue Standard soll Internet-Nutzer mehr Privatsphäre und Sicherheit im Netz bescheren.

Dabei werden Anfragen, die der Browser an einen DNS-Server (Domain Name System) sendet, verschlüsselt und sind anders als bisher nicht mehr etwa von dem Internetprovider auszulesen. Ein DNS-Server hat die Funktion, die benutzerfreundlichen Domain-Namen in numerische IP-Adressen zu übersetzen, über die Web-Server zu erreichen sind.

Internet-Bösewicht des Jahres hebelt Filtermechanismen aus

Mozilla will mit Firefox diese DNS-Anfragen künftig standardmässig über das DoH-Protokoll abwickeln – dazu soll die Funktion bereits in der Grundeinstellung des Browsers aktiviert sein. Die für den Datenverkehr zuständigen Internet-Provider und etwa auch Sicherheitsbehörden haben dann keinen Zugriff mehr auf den Klartext, was es erschwert, Webseiten zu blockieren oder Surfaktivitäten von Internet-Nutzern zu verfolgen.

Die ISPA moniert, dass damit die staatlich vorgegebenen Filterpflichten der Provider in Grossbritannien sowie Kinderschutzmechanismen zu umgehen seien und britische Sicherheitsstandards im Internet ausgehöhlt würden.

Die durch DoH gewonnene Privatsphäre mache es Nutzern einfacher, Gesetze zu missachten. Mit ihrer Kritik ist die ISPA nicht allein: Auch etwa die britische Internet Watch Foundation (IWF), die gegen die Verbreitung von Kinderpornografie im Netz kämpft, fürchtet, dass ihre Filterlisten ausgehebelt werden.

Zurücknahme der Nominierung

Zunächst hat die ISPA auf die Kritik an der Mozilla-Nominierung Ende letzter Woche per Twitter reagiert und ihre Position bekräftigt: DoH als Standardeinstellung würde der Internet-Sicherheit, Cybersecurity und den Wahlmöglichkeiten der Nutzer schaden. Aber man wolle mit Browser- und App-Herstellern daran arbeiten, DoH für den Einsatz in Grossbritannien fit zu machen.

Nun nimmt die Vereinigung die Nominierung zurück. Mit der Kategorie des Internet-Bösewichts werde darauf abgezielt, auf ein wichtiges Thema in scherzhafter Weise aufmerksam zu machen. In diesem Jahr habe man jedoch eindeutig ein falsches Signal gesendet. Keine andere Nominierung der letzten 21 Jahre hätte eine ähnlich grosse Diskussion ausgelöst.

Award: Internet-Bösewicht des Jahres ausgebremst

Mozilla ist eine Non-Profit-Organisation, die zur Unterstützung kostenloser Software und «Innovation im Internet» im Jahr 2003 ins Leben gerufen wurde und sich bislang als Kämpfer für die Rechte von Internetnutzern einen Namen gemacht hat. Beispielsweise war das Unternehmen massgeblich an der Beseitigung lästiger Pop-up-Fenster im Netz beteiligt.

Mit seinen Internet-Browsern will der Hersteller Nutzer insbesondere besser vor dem Sammeln persönlicher Daten im Netz schützen.

Die Providervereinigung lässt die Verleihung des Bösewicht-Awards in diesem Jahr nun gänzlich ausfallen. Donald Trump war wegen seines Vorgehens gegen Huawei nominiert, das für Unsicherheit im globalen Telekommunikationsmarkt gesorgt habe, Artikel 13 der EU-Urheberrechtsrichtlinie als Bedrohung des freien Internet und der Meinungsfreiheit.

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