MIT und Facebook geben Adresslosen über KI eine Adresse

24. April 2019 | by Jochen Siegle

Ein globales Adresssystem von Facebook und dem Massachusetts Institute of Technology (MIT) soll Milliarden von Menschen, die keine Adresse haben, mittels Satellitenbildern automatisiert eine Anschrift zuteilen.

Ob in einem Armenviertel ohne Infrastruktur oder in einer abgelegenen Gegend, Milliarden von Menschen wohnen an einem Ort, dem keine Adresse zugeordnet ist. Das möchten Wissenschaftler des Media Lab des Massachusetts Institute of Technology (MIT) und des kalifornischen Tech-Konzerns Facebook mit einem künstlich intelligenten System für die automatische Generierung von Adressen ändern.

Ohne Anschrift ist Menschen nicht nur der Alltag erschwert, sondern vor allem der Zugang zu vielen Bürgerrechten verwehrt – etwa die Eröffnung eines Bankkontos, die Teilnahme an Wahlen oder auch kommunale Leistungen wie die Anbindung an Strom- und Wasserversorgung. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen haben rund vier Milliarden Menschen keine zuverlässige Möglichkeit, ihren Wohnort präzise anzugeben.

MIT Facebook: Adresslose erreichbar machen

Das neue KI-System nutzt Bildinformationen aus Satellitenbildern, um besiedelte Bereiche zu lokalisieren und zu clustern. In einem ersten Schritt haben die Forscher einen Deep-Learning-Algorithmus trainiert, Strassen zu erkennen. Ein zweiter Algorithmus erstellt daraus ein Strassennetz und bestimmt anhand von Strassenverlauf und -dichte das Zentrum sowie umliegende Zonen. Die automatische Zuweisung eines Strassennamens und einer festen Adresse berücksichtig dann die örtliche Nähe und die geografische Position der Einheiten.

Die Entwickler wollen durch die Ausrichtung an einer bestehenden Strassentopografie Adressen generieren, die ortsbezogen und aussagekräftig sind und damit schnell aufzufinden. Das System soll nicht nur in Entwicklungsländern, sondern auch in Katastrophengebieten oder schwer zugänglichen Regionen effizient eingesetzt werden können.

Eine Adresse für jeden Ort auf der Welt

Es gibt bereits andere Ansätze für ein globales Adresssystem. Unter anderem hat das Londoner Start-up What3words (siehe Screenshot oben)  ein System entwickelt, das einen Standort mit einer Adresse aus drei Wörtern auffindbar macht. Das System rastert die Welt in drei auf drei Meter große Quadrate und kann für jedes einzelne von diesen insgesamt 57 Billionen Quadraten eine Abfolge von drei Wörtern festlegen – der Zürcher Hauptbahnhof findet sich etwa unter «spannend.einer.brüder».

What3words wird bereits in Südafrika oder der Türkei eingesetzt und gerade auch in einem Flüchtlingslager in Uganda mit 116.000 Menschen eingeführt, um dort den Standort jedes Hauses und jeder Einrichtung exakt zu verorten. So sollen die Lebensbedingungen verbessert und etwa die medizinische Notfallversorgung effektiv koordiniert werden. Das Gesundheitszentrum beispielsweise ist unter «gegenseitiger.zwecken.geführte» zu finden.

Neues Deep-Learning-System

Die Dreiwortadressen können präziser als Straßenadressen oder Postleitzahlen sein, die Kombination der drei Wörter für eine Koordinate allerdings ist willkürlich und damit nicht sonderlich intuitiv und lässt vor allem nicht auf die räumliche Nähe einer Adresse schliessen. Genau darin sieht das MIT-Facebook-Team einen grossen Vorteil seines neuen Deep-Learning-Systems.

Ausserdem erreichen die Wissenschaftler eigenen Angaben zufolge eine grössere Abdeckung bei der Adressierung von Gebieten, in denen Strassenkarten bisher fehlen – etwa im Vergleich zu Googles Open Location Codes. Diese Funktion hat das kalifornische Tech-Unternehmen bereits 2015 in seinen digitalen Kartendienst Google Maps integriert, damit sich Orte ohne Adresse finden lassen. Damit kann für jeden Ort ein «Plus Code» aus zehn Zeichen ausgegeben werden, der über Google Maps zu finden ist.

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