Studie zu Gaming Gewalt: Baller-Spiele machen offenbar nicht aggressiv #Games

21. Februar 2019 | by Jochen Siegle

GAMING GEWALT

Durch das Spielen von Gewaltspielen werden Jugendliche nicht gewalttätiger. Das will zumindest eine Gruppe Wissenschaftler*innen der University of Oxford herausgefunden haben.

Ob Gaming Gewalt in Videospielen zu Gewalt in der Realität führt, ist seit langem ein kontrovers diskutiertes Thema und kocht immer wieder auch besonders nach einem Amokläufen auf Schulen hoch. Wissenschaftler*innen der University of Oxford haben sich nun erneut mit den möglichen Auswirkungen von Computergames wie «Counterstrike» oder «Call of Duty» auf die Gewaltbereitschaft Jugendlicher auseinandergesetzt und sehen keinen direkten Zusammenhang von Gaming Gewalt.

In einer Untersuchung mit rund tausend Teenagern im Alter von 14 und 15 Jahren kommen die Forscher*innen zu dem Schluss, dass das Spielen von Gewaltspielen nicht zu aggressiverem Verhalten führe – auch dann nicht, wenn immer intensiver gespielt werde.

Gewaltbereitschaft im Alltag

Es gebe auch bei zunehmendem Konsum von Gewaltspielen keinen Hinweis auf einen «kritischen Kipppunkt», an dem Spieler*innen plötzlich zu mehr Gewalt neigten, so die Oxford-Forscher. Für ihre Untersuchung liessen die Wissenschaftler die Teenager unterschiedliche gewalttätige Spielen und verglichen Nutzungsdauer und Verhalten in Relation zum vohergehenden Vergleichsmonat.

Für die Bewertung des Gewaltlevels der Games wurde ein unabhängiges Bewertungssystem auf Basis der europäischen und amerikanischen Altersfreigabesysteme genutzt.

Kein messbarer Einfluss von Gaming Gewalt

Darin unterscheide sich die Untersuchung von vielen anderen Studien zum Thema, bei denen jugendliche Teilnehmer*innen die Gewalthaltigkeit selbst bewerten würden. Auch habe man die Einschätzung des eigenen Aggressionsverhaltens nicht den Probanden überlassen, sondern Erziehungsberichtigte oder Betreuer*innen der Jugendlichen befragt.

Die Forscher*innen gehen davon aus, dass zwei Drittel der männlichen Teenager und fast 50 Prozent der Mädchen regelmässig gewalthaltige Games spielen. Dass allein der Konsum von Gewaltspielen keinen messbaren Einfluss auf aggressives Verhalten von Jugendlichen habe, hiesse jedoch nicht, dass manche Mechanismen und Situationen beim Gaming nicht etwa negative Reaktionen wie Wut oder etwa Versagensgefühle förderten, so die Forschergruppe.

Exzessiver Games-Konsum

Ein anderes Problem sehen Expert*innen darin, dass es bei jungen Menschen zunehmend zu exzessiver Nutzung von Computerspielen und sozialen Netzwerken komme.

Heranwachsende im Alter von 12 bis 17 Jahren seien stärker als andere Altersgruppen gefährdet, Abhängigkeiten zu entwickeln, warnten Forscher*innen im letzten Jahr anlässlich eines Kongresses für Suchtforschung und Suchttherapie. Den Expert*innen zufolge kann exzessiver Konsum zu sozialer Isolation führen und das Risiko von Depressionen erhöhen.

Digitales Suchtpotenzial

Die Suchtforschung sieht Eltern und Schulen in der Pflicht, die Medienkompetenz rechtzeitig zu fördern und Heranwachsende auf Risiken hinzuweisen. Notwendig seien vor allem aber auch schärfere Altersfreigaben bei Computerspielen. Zudem sollten Games mit Suchtpotenzial nicht bei Kindern und Jugendlichen beworben werden.

Im Juni hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Abhängigkeit von Internet und Online-Spielen in ihren weltweit gültigen Katalog der Krankheiten aufgenommen. Die Entscheidung ist allerdings umstritten.

Foto: Screenshot University of Oxford

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