Vinyl-Revival: 80.000 Plattenspieler in 2015 verkauft

22. März 2016 | by Alex Reiger

80.000 Plattenspieler in 2015

Renaissance der schwarzen Scheibe – die Vinyl-Kultur lebe hoch: Steigende Absätze von Schallplatten und Plattenspielern befeuern das Revival der schwarzen Sound-Scheiben.

Dümpelte der Absatz von analogen Plattenspielern jahrelang auf dem Niveau einer kleinen, feinen Nische, zieht dieser Markt mittlerweile wieder an. Nach Studien der gfu wurden 80.000 Geräte im Jahr 2015 verkauft. Für dieses Jahr erwartet die Branche sogar einen Absatz von 95.000 Plattenspielern.

Dabei investieren die Vinyl-Liebhaber im Schnitt sogar wachsende Beträge: Lag der Umsatz mit Plattenspielern im Jahr 2015 noch bei 15 Millionen Euro, soll er 2016 bei 20 Millionen Euro liegen.

Vinyl hat alle Digitaltrends überdauert

Was macht den Reiz der schwarzen Scheibe aus? Klingt sie wirklich besser als die CD, was viele Anhänger des Medium behaupten? Streng technisch lässt sich das kaum belegen: Die Vinyl-Abtastung ist nun einmal mit Rauschen und Knistern verbunden, Resonanzen beeinflussen den Frequenzgang, die Trennung der Stereokanäle gelingt nicht annähernd so gut wie in der digitalen Welt.

Und dennoch bleibt ein schwer erklärbarer Rest an akustischer Magie: Dass Musik von Analogschallplatten in einem tieferen, größeren Raum zu spielen scheint, dass sie luftiger durch die drei Dimensionen schwebt, ist nicht immer nur reines Vinyl-Latein, ganz gleich, ob das so Erlebte nun näher an der akustischen Wahrheit liegt oder nicht.

Hinzu kommt natürlich der Reiz des Haptischen: Das Auspacken, Auflegen und Abspielen der großen Scheibe gleicht einer Zeremonie, die in der digitalen Welt kein Gegenstück hat.

Soll heißen: Eine Platte auflegen ist Emotion pur.

Kein Wunder also, dass sich unter den Herstellern von Plattenspielern immer noch einige halten, die höchst komplexe Abspielgeräte im Gegenwert eines Kleinwagens anbieten – feinmechanische Kunstwerke auf manchmal zentnerschweren Zargen.

Es gibt aber auch wieder eine wachsende Zahl von guten Plattenspieler-Modellen zu überraschend günstigen Preisen, die so gut klingen, dass ihre Anschaffung auch im fortgeschrittenen Digitalzeitalter lohnt.

Neue Modelle von Sony, Teac, Technics/Panasonic

Selbst große Vollsortimenter unter den CE-Anbietern, die allzu schmale Marktnischen gar nicht pflegen könnten, legen nach längerer Pause wieder neue Plattenspieler auf und stärken damit den Trend. Als Beispiele sind neue Modelle von Sony, Teac, aber auch von Technics/Panasonic zu nennen.

Ein weiteres Beispiel: Auch die CE-Handelsgruppe Expert steigt wieder in den Vinyl-Markt ein und plant einen exklusiven analogen Plattenspieler anzubieten. Die Plattenspieler-Serie soll mit einer Handvoll Schallplatten als Paket für Wiedereinsteiger geschnürt werden. „Irgendwas wie Beatles oder Black Sabbath“, sagt expert-Vorstand Volker Müller. „Das ist höchst emotional“.

Trend Emotionalität

Einen klaren Trend in Richtung mehr Emotionalität sieht auch Jürgen Boyny, Global Director Consumer Electronics bei der GfK Retail and Technology in Nürnberg. „Audio ist sehr emotional – wie sonst lässt es sich erklären, dass in Deutschland im Jahr 2015 über 80 Tausend Plattenspieler in einem Preisbereich von circa 100 Euro bis über 5.000 Euro verkauft wurden. Ein extrem emotionales Erlebnis, wieder einmal eine Platte aufzulegen.“

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