Panasonic Business: „Wir haben alle Antworten“

23. Februar 2016 | by Silvia Kling

Panasonic Business: „Wir haben alle Antworten“

Connectivity bestimmt unseren Alltag. Alles ist vernetzt, am besten auch mobil. Und verändert damit in flottem Tempo nicht nur unser Leben zuhause und unterwegs, sondern vor allem auch Geschäftsprozesse. Daran arbeitet gerade auch der japanische Tech-Riese Panasonic verstärkt mit seiner B2B-Division („Panasonic Business“) – und zwar in Bereichen, die nicht gerade auf den ersten Blick ins Auge stechen.

Klingt sehr kryptisch, ist aber von hinten gedacht ganz einfach.

Nehmen wir etwa eine Airline, die regelmäßig von Nordamerika nach Europa fliegt. Aus Erfahrung weiß man, dass deutsche Passagiere gern nach Bier fragen, französische aber Wein bevorzugen.

Wie wäre es nun, wenn rechtzeitig an der richtigen Stelle bekannt ist, wer wann wo an Bord geht, damit der Caterer die Bord-Container entsprechend bestückt?

Gut für den Fluggast, der genau das kriegt, was er will. Und gut für die Fluggesellschaft, die zufriedene Kunden hat und gleichzeitig Treibstoffverbrauch und Transportaufwand minimiert.

Panasonic Business: „Wir haben alle Antworten“

Foto: Bill Holmes/flaneur /CC by/2.0

Mehr als Produkte und Systeme: B2B Solutions

Panasonic verspricht sich viel vom Geschäft mit solchen „B2B Solutions“, bei denen zusammengebracht wird, was zusammengehört und was der Konzern aus Osaka in seinem riesigen Portfolio hat. Das ist viel mehr als weitläufig in großen Teilen Europas überhaupt bekannt ist und man zuerst einmal an Panasonic-Fernseher, -Kameras oder -HiFi denkt.

Smart-Home- und Security-Tech gehören etwa dazu, genauso Akkus für Elektro-Autos, Überwachungskamerasysteme, Highend-Projektoren, interaktive Displays, Videokonferenz- und Lichtsysteme, Scanner, Drucker, Sensor- und Speicher-Technik, Broadcast-Technologie, besonders robuste Laptops, Brandschutzanlagen, Energiemanagement, Heiz- und Kühllösungen, Solaranlagen oder beispielsweise Medizin-Technik.

„Die Pfeiler von B2B-Lösungen sind vernetzte Geräte, Cloud-Services, Machine-to-Machine-(M2M)-Netzwerke und Systemintegration“, erklärte Tony O’Brien (Foto oben), Deputy Managing Director Panasonic Europe Solutions Centre, bei der CES in Las Vegas. „Es reicht nicht, immer noch bessere Technologien und bessere Produkte anzubieten“, sagt O’Brien. „Ein echter Mehrwert entsteht nur, wenn vernetzte Geräte und Realtime-Daten mit Software eingebunden werden und Aktionen ermöglichen.“

B2B2C: Optimierte Prozesse

So profitiert beispielsweise ein Logistikunternehmen davon, dass Schnittstellen und Nachrichtenflüsse permanent überwacht werden und Kameras sofort Alarm schlagen, wenn ein Paket nicht an der nächsten Verteilstation auftaucht. Über den optimieren Prozess freut sich nicht nur das Unternehmen, sondern auch der Kunde – wer will schon verloren gegangene Pakete?

Anderes Beispiel: Im Supermarkt werden Shopper auf ihrem Weg optimal durch die Gänge geleitet, indem Kameras Bewegungen aufzeichnen und analysieren, während Digital-Signage-Displays auf Sonderangebote aufmerksam machen. Kühlregale haben ihren Bestand an Frischware im Blick und melden der Lagerhalle automatisch, wenn es knapp wird.

facebook serverdatacenter

Freeze-ray: Effiziente Datenarchivierung für Facebook

Auch der Social-Networking-Riese Facebook profitiert von den Panasonic-Business-Spezialisten. Gemeinsam hat man eine Lösung für Datenarchivierung entwickelt, die sicherstellt, dass Nutzer auch in Zukunft jederzeit auf Facebook-Fotos und -Videos zugreifen können – trotz unaufhörlich wachsender Datenmengen.

Panasonic liefert hierbei nicht nur physische Speicher und Software, sondern auch Energiemanagement-Lösungen. „Freeze-ray“ nennt sich die Technologie, die nach monatelanger Zusammenarbeit von Panasonic mit dem Online-Giganten aus dem Silicon Valley entstanden ist und Rechenzentren künftig revolutionieren soll.

B2B ist größter Wachstumstreiber

Bereits jetzt erwirtschaftet Panasonics B2B-Bereich mit 3.000 Mitarbeitern in Japan eine Billion Yen im Jahr – bis 2019 soll es mehr als doppelt soviel sein.

Angepeilt wird ein Gesamtumsatz von zehn Billionen Yen in drei Jahren – mit B2B noch vor dem Automotive-Sektor als größtem Treiber, grob aufgeteilt in die Bereiche Logistik (60 %), Energie (20 %) und Transport (20 %). Neu aufgebaut wird unter der Leitung von O’Brien eine Business Unit in Europa mit 70 Mitarbeitern, die zügig weiter wachsen soll.

Cybersecurity für IOT und Fahrzeuge

Panasonic hat in den letzten Jahren massiv investiert in Bereiche wie IOT (Internet of Things) oder MTM. In jüngerer Vergangenheit zum Beispiel mit der Übernahme von CameraManager oder Video Insight.

Auch künftig soll weiter zugekauft und noch deutlich mehr auf strategische Allianzen gesetzt werden – wie etwa seit letztem Jahr für Online-Sicherheit mit Symantec.

„Panasonic IOT/M2M Security Solutions“ nennt sich die gemeinsam entwickelte Cybersecurity-Plattform, die alle möglichen vernetzen IOT-Produkte und auch Fahrzeuge sichern soll. Seit dem Soft-Launch im September hat Panasonic laut Yasu Enokido, Präsident Panasonic AVC Networks Company, „sehr positives Feedback“ von der Industrie bekommen. „Viele japanische Autobauer wollen die Lösung adaptieren“, so Enokido.

Seit jeher investiert der Elektronikriese viel in Systemintegration und auch eigene Software-Entwicklung – Know-how, das O’Brien mit seinem Team wiederum verstärkt an Kunden weitergeben will.

Consumer Electronics ist DNA

Aber nicht nur damit fühlen sich die Japaner gut aufgestellt fürs B2B-Geschäft, das genau genau genommen auch sehr viel „B2B2C“ in sich birgt. Viele Panasonic-Business-Kunden sind im Endkunden-Geschäft tätig. Da hilft die große Kompetenz von Panasonic im Consumer-Bereich.

„Pansonic profitiert ganz massiv von rund 100 Jahren Erfahrung im Consumer-Sektor, zum Beispiel im Bereich Imaging, Dislays, optische Speichermedien oder Akku-Technologie“, erklärt Enokido auf der CES-Pressekonferenz in Las Vegas. „Das gilt für Automotive- und Aviation-Bereiche, aber vor allem auch im B2B-Segment, um Innovationen anbieten zu können.“

Viele Technologien aus dem Consumer-Bereich können laut O’Brien auf ein B2B-Level gebracht werden. Entscheidend sei dabei zudem, dass Panasonic nicht nur nur seine Business-Kunden versteht, sondern auch die Kunden seiner Kunden.

„Consumer Electronics ist unsere DNA“, bringt es der Europa-Manager auf den Punkt. “Wir wissen genau, was die Kunden brauchen und wie sie Technologie einsetzen wollen.“

„Connecting the dots“: Schnittstelle Panasonic Business

O’Brien steht nun vor der Herausforderung, alle hochspezialisierten Unternehmensbereiche zu verknüpfen – und hat dabei die volle Unterstützung von Panasonic-Präsident Kazuhiro Tsuga und dem Top-Management, was die strategische Bedeutung des B2B-Sektors unterstreicht.

„Wir haben alle Antworten“, so O’Brien. „Nun müssen wir noch alle Punkte verbinden.“

Panasonic Business soll deshalb zum zentralen Ansprechpartner für das gesamte Portfolio ausgebaut werden – zur Schnittstelle, die umfassende und maßgeschneiderte Lösungen für individuelle Kundenwünsche anbieten kann. „Das ist eine enorme Veränderung für Panasonic – und eine große interne Herausforderung“, sagt O’Brien. „Gegebenenfalls sind auch externe Partner zu integrieren.“

Vom Kunden zum B2B

B2B-Solutions sollen grundsätzlich beim Kunden ansetzen und nicht von einer fertigen Lösung ausgehen – immer geleitet von der Frage: Welches Problem ist zu beheben, was ist zu verbessern? Laut interner Kundenbefragung wollen Unternehmen vor allem für Kostenreduzierung, Effizienzsteigerung, Risikominimierung und Verbesserung der Kundenerfahrung auf Pansonic Business bauen.

Dabei kann laut O’Brien aber nicht jeder Markt bedient werden. „Um echten Mehrwert bringen zu können, muss man den Kunden gut kennen, den Markt des Kunden und den Kunden des Kunden“, ist O’Brien sicher. Bewegt man sich dann vom Kunden aus zum B2B, sollen alle Beteiligten der Wertschöpfungskette profitieren.

Gute Aussichten also. Denn schon von Aristoteles wissen wir ja: Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Einzelteile.

+ Links: http://business.panasonic.de

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