Dating-Portal Lovoo: Mega-Betrug mit weiblichen Fake-Accounts?

21. September 2015 | by TechFieber.de

Dating-Portal Lovoo: Betrug mit Fake-Accounts?

Die Online-Datingplattform Lovoo hat nach Recherchen der Kollegen der «c’t» möglicherweise in großem Stil gefälschte weibliche Profile eingesetzt, das Unternehmen weist die Vorwürfe zurück.

Von angelockten Nutzern sollen zeitweise rund 5000 Euro täglich für bezahlpflichtige, aber vergebliche Kontaktversuche geflossen sein, berichtete die Zeitschrift am Freitag. Eine Lovoo-Sprecherin erklärte, die Anschuldigungen «beruhen auf zweifelhaften Dokumenten und Daten, die dem Magazin anonym zugespielt» worden seien.

Nach Angaben der «c’t» bekam die Redaktion unaufgefordert Dateien von einem anonymen Tippgeber, darunter angebliche E-Mails der Führungsriege der Plattform. Man habe «bislang keinerlei Hinweise auf eine Manipulation» der mehr als 50 Gigabyte Daten entdeckt, berichtet das Magazin.

Stattdessen gebe es Hinweise auch im Programmcode, dass Benutzerprofile mit Fotos von Lovoo-Nutzern aus anderen Ländern sowie aus anderen Dating-Portalen erstellt worden seien und mittels Skripten wie echte Profile agiert hätten, schrieb «c’t». Einfache Profiltexte sollen aus gefundenen Textvorlagen automatisiert zusammengestellt worden sein. Eine E-Mail von Juni 2013 erwecke zudem den Eindruck, dass die Aktion unter dem Namen «Tu Gutes» möglicherweise auch mit Beteiligung der Geschäftsführung erfolgt sei.

Die Redaktion habe nach Abschluss der Recherche die Unternehmensführung mit konkreten Fragen konfrontiert und auch auszugsweise belastendes Material vorgelegt, schreibt die «c’t». Lovoo habe nicht konkret zu den Fragen Stellung genommen. Lovoo erklärte dagegen, dass das Unternehmen «mehrfach angeboten» habe, «die entstandenen Fragen des Magazins in einem Pressegespräch zu beantworten» und warf den Autoren mangelnde journalistische Sorgfalt vor. Die «c’t» wies dies zurück und betonte, dass eine ausdrückliche Frage nach der Echtheit der Unterlagen nicht beantwortet worden sei.

Kurz nach Ende der Recherche wurde der «c’t» zufolge damit begonnen, «Profile in erheblichem Umfang von der Plattform zu entfernen». Seit dem 12. September hätten die Testpersonen von «c’t» plötzlich jeweils «mehr als die Hälfte ihres Lovoo-Bekanntenkreises verloren». Nach Angaben des Dresdner Unternehmens gibt es mehr als 30 Millionen Nutzer der App. Sie wird für die Plattformen Android und iOS angeboten.

Erst vor wenigen Wochen war das Seitensprungportal Ashley Madison nach einem Hackerangriff auch noch wegen eines sehr ähnlichen Vorwurfs in die Kritik geraten. Dem Tech-Blog «Gizmodo» zufolge sollen dort mehr als 70 000 weibliche Fake-Profile männlichen Nutzern gefälschte Nachrichten geschickt haben, um die Seite attraktiv zu machen und sie zu kostenpflichtigen Antworten zu animieren. Ashley-Madison-Chef Noel Biderman trat wenig später zurück.

 

 

Mehr bei TechFieber zum Thema: ,

Kommentare (2)

  1. Rudi says:

    Bagatelle? Oder doch Betrug und Bildung einer kriminellen Vereinigung?
    Bei dem Umfang und einem mutmaßlichen Millionenschaden?

    Sollte der Bericht i. W. stimmen, wovon bei c’t auszugehen ist: Wo sind Polizei und Staatsanwaltschaft? Bei einer deutschen Firma müssten sie sowohl zuständig sein als auch ermitteln können. Leider hatte die Firma wohl Zeit eventuelle Beweise zu löschen. Und von dem eventuell per mutmaßlichem Betrug erworbenen Geld könnten sie sich jetzt wohl gute Anwälte leisten, damit sie nicht ein paar Jahre in ihrer Bewegung eingeschränkt werden könnten.

    Wie geht das nun weiter? das ist doch eine dicke Geldstrafe in Mio. Höhe wenn nicht sogar der Knast auf die Burschen wartet?

  2. Heinz says:

    Gieriger Abschaum eben.

Antwort schreiben