IFA 2015 Trends: Windows 10, Hackathons, VR-Brillen, DVB-T2, 6TB-Festplatten

29. Juli 2015 | by Gerhard Bachleitner

IFA Preview

Die IFA 2015, die von 4.-9. September 2015 stattfinden wird, wirft ihre Schatten voraus. Bereits Anfang des Monats war in München Gelegenheit, bei der Consumer-Lifestyle-Preview einige Neuheiten kennen zu lernen und mit Ausstellern aktuelle Fragen zu diskutieren.

Die Besucher der IFA werden nicht nur mit einer überwältigenden Ausstellungsfläche und einem unübersehbaren Produktangebot konfrontiert. Begleitend finden Kongresse und ein musikalisches Rahmenprogramm statt. Für die Randgruppen der Alterspyramide werden eigene Segmente angeboten, auf der einen Seite die „Young IFA“.

Hier gibt es u.a. DIY (“Do-it-yourself”)-Workshops oder  YouTube Blogging, und natürlich haben die Jugendlichen auch Gelegenheit, sich in Computerspiele zu stürzen.  Sogar ein Manga-Zimmer wird eingerichtet. An einem „Hackathon“ kann man sich beteiligen und an der 6. Offenen Berliner Meisterschaft im Cosplay.

Auf der anderen Seite erklärt man nun auch die Senioren als ”Reif für die IFA”. Darunter darf man sich „altersgerecht aufbereitete“ Führungen für die Generation 60+ vorstellen. Ob dabei auch Führungen durch weniger ergonomische Menüs von Smart-TV-Geräten und Smartphones angeboten werden, wissen wir nicht. Ansonsten gibt es Führungen für gehörlose und sehbehinderte Besucher.

IFA Preview 2015

„Neue Erlebniswelten für Verbraucher und Unternehmen“ – Windows 10

Schon im Vorfeld hatte Microsoft mit der Ankündigung überrascht, das neue Windows 10 kostenlos unter die Leute bringen zu wollen, jedenfalls im ersten Jahr nach Veröffentlichung. Dazu gab auf der IFA-Preview Boris Schneider-Johne die näheren Erläuterungen. Die Kostenlosigkeit bezieht sich auf jeweils ein Gerät, d.h. die Installation ist nicht transportabel. Möglich ist das Upgrade ab Windows 7 und soll auch keine höheren Systemanforderungen als dieses stellen. Zur IFA werde man zusammen mit Partnern auch neue Hardware mit Windows 10 vorstellen, z.B. ein Biometrie-System. Weiters wird es um den neuen Browser Edge, die Sprach- und Intelligenz-Assistentin Cortana und die eher für Geschäftskunden interessanten Angebote von Windows as a Service gehen. Nick Parker von Microsoft wird am 4.9. in seiner Keynote im sog. City-Cube all diese Dinge ansprechen.
Selbstkritisch erklärte Schneider-Johne, daß Microsoft aus dem Debakel mit Windows 8 gelernt habe. Die schon damals versprochene Skalierbarkeit vom PC bis zum kleinsten Mobilgerät werde auch erst jetzt mit der neuen Version erreicht. Microsoft verspricht weiterhin, daß Windows „menschlicher werden soll“. Dies darf man sich freilich nicht als Humanisierungsprojekt und nicht einmal als Ergonomiestrategie vorstellen. Daß damit Inhalte leichter zwischen den Endgeräten und Systemen portabel gemacht werden sollen, darf man von fortgeschrittener Vernetzung auch erwarten und liegt außerdem im Eigeninteresse eines Betriebssystemanbieters. Daß ein vernetztes System um so näher an seinen Benutzer heranrückt, je mehr Daten dieser von sich preisgibt, kann in diesem Zusammenhang freilich auch nicht überraschen. Ob sich jedermann von Cortana duzen lassen will, darf im übrigen bezweifelt werden.

VR-Brillen

Der Markt für VR-Brillen scheint in Bewegung zu geraten. Wir sahen auf der IFA-Preview mit universe2go nicht nur eine Anwendung für Sternengucker, die sich den Nachthimmel endlich einmal mit entsprechenden, per augmentierter Realität eingeblendeten Namensschildchen erklären lassen wollen. Die 2007 gegründete Firma Onebutton bringt eine Zeiss-Brille mit auf die IFA, die für etwa 130 Euro mit zwei ausgesuchten Smartphones der Oberklasse 3-D-Video ermöglicht. Für andere Sichtgeräte gibt es die abgespeckte Version namens Wow um 50 Euro. Jetzt warten wir nur noch auf genügend 360-Grad-Videos…

IFA Preview 2015

Fernsehen: Neue TV-Infrastrukturen

Zwei Infrastrukturthemen werden auf der IFA eine wichtige Rolle spielen. Terrestrisch macht DVB-T2, der Nachfolger des bisherigen digitalen Antennenfernsehens, auf sich aufmerksam. Im kommenden Jahr wird man an den Start gehen, nachdem in Berlin bereits seit vergangenem Oktober ein Pilotversuch läuft. 2016 wird es auch die nötigen Endgeräte geben, und das Logo mit dem Kompressionverfahren HEVC ist auch schon fertig. Auf dem Satelliten geht es um UHD.

Thomas Wrede, SES Astra, erwartet zur IFA erste Programme und zum Jahresende etwa 1 Mio. UHD-Endgeräte. Zum Jahresende wird außerdem die UHD-Bluray erwartet. Die Infrastruktur im Haushalt läßt sich durch SAT>IP nachhaltig modernisieren. Es wird LNBs mit eingebautem Konverter und acht Tunern geben. Auch eine Flachantenne wartet mit acht Tunern auf.

Zum Thema SAT>IP hat Humax Wichtiges beizusteuern. Bei drei neuen Geräten wird gewissermaßen die Heimvernetzung schon mit eingebaut. Man bietet nun das Streaming auf das im WLAN lokalisierte Smartphone an, Timeshift und Fernprogrammierung sind selbstverständlich.

Die Zweiteilung in freien Empfang und individuelle Weiterleitung hat außerdem den interessanten Zusatznutzen, daß man sich beliebige, zu Hause empfangene Sender über eine getunnelte Verbindung durchs Internet an jeden beliebigen Urlaubsort übertragen lassen kann.

Daß es solch ausgeklügelter Lösungen bedarf, um die rigide und praxisferne Restriktionsarchitektur der Rechteinhaber zu unterlaufen, ist allerdings traurig genug. Humax bietet auch einen eigenen Smart-TV-Client an, d.h. einen Netzzugang für den Fernseher, und legt dabei wert auf Offenheit und Interesselosigkeit. Android-basierte Systeme erforderten hingegen bekanntlich die Einrichtung eines Google-Kontos, das dem Datensammelkonzern dann auch hinreichende Daten zu den individuellen Vorlieben des Zuschauers liefert, und Amazons FireTV folgt der gleichen Logik.

Neue Festplatten zur IFA 2015

Daß Toshiba die eigene Fertigung von Fernsehern einstellt, wollte man für eine Unterhaltungselektronik-Messe wie die IFA naturgemäß nicht an die große Glocke hängen. Statt dessen feierte man auf der IFA-Preview lieber 30 Jahre Notebook-Produktion und stellte Speichergeräte vor.

Die 2,5″-Festplatten reichen nun bis 3 TB, die größeren bis 6 TB. Diese externen Geräte werden mit WLAN ausgestattet und sind somit für den Fernzugriff erreichbar. Weil Festplatten jedoch nicht ohne Strom arbeiten, brauchen sie einen Akku, der auch nur eine begrenzte Kapazität hat.

Wenn man nicht immer nachladen will, könnte man gleich zu einem Netzteil greifen – und bräuchte dann auch kein WLAN mehr, weil man ohnehin schon am USB-Kabel hängt. So pflegt Marketing nicht gestellte Fragen zu beantworten…

Ein anderer großer und traditionsreicher Festplattenhersteller, Western Digital, war ebenfalls auf der IFA-Preview vertreten und bewarb sein Angebot mit dem Slogan von der eigenen Cloud.

Während hier die älteren Nerds stutzen und eine falsche Semantik vermuten, braucht es offenbar für die jüngere, ohne digitale Autarkie sozialisierte Generation diese Krücke, den Nutzen eines lokalen, durch nichts und niemanden von außen antastbaren Datenspeichers klarzumachen.

+ Links: IFA | IFA-Preview

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