CeBIT Preview: Geht’s noch (kleiner)?

14. März 2015 | by Gerhard Bachleitner

CeBIT 2015 in Hannover: Geht's noch (kleiner)?

„Die digitale Transformation erfasst alle Lebensbereiche“ – mit dieser Botschaft wird man in diesem Jahr zur CeBIT nach Hannover gehen, die vom 16.-20. März stattfindet. Unter dem Topthema „diconomy“, was „d!conomy“ geschrieben werden will, sind die klassischen Anwendungsfelder der Digitalisierung versammelt: Industrie, Handel, Logistik, Automobil. Die Stimmung ist gut, denn es gibt viel zu tun. Im Vorfeld, Mitte Januar, boten zwei „Preview“-Konferenzen für die Presse schon erste Präsentationen und Ankündigungen.

Geht’s noch (kleiner)?

Das (taiwan-)chinesische Unternehmen Hannspree zeigt schon mal, wo’s lang geht, mit einem der weltweit kleinsten voll ausgestatteten PC der Welt. Er heißt SNNPDI1B (was er nicht verdient hat), ist ungefähr so groß wie zwei Streichholzschachteln und wiegt weniger als 40 g.

Ein 1,33 GHz schneller Intel-Atom-4-Kern-Prozessor arbeitet mit 2 GB RAM, weiteren 32 GB eMMC und ggf. noch einem per MicroSD angesteckten Speicher. Die vergleichsweise mäßige Taktrate hat ihren Grund naturgemäß auch in der Vorgabe, ohne Kühlung auskommen zu müssen. Schnittstellen sind hier natürlich alles. Es gibt WiFi und Bluetooth 4.0 sowie USB 2. Angesteckt wird das Gerät per HDMI an einem Monitor, auf Wunsch einem Berührungsbildschirm, wie ihn Hannspree in 23-Zoll-Größe auch in Kombination anbietet, 369 Euro das Ganze; der PC allein, auf dem Windows 8.1 vorinstalliert ist, kostet 219 Euro.

Der Monitor läßt sich auch noch ganz anders nutzen, mit Hilfe einer sog. Android-Box. Diese Kombination kostet dann nur noch knapp 300 Euro. Die beiden Geräte stellen gewissermaßen einen PC mit Android-Betriebssystem dar, oder wenn man so will, ein ins Große gewachsenes Tablett. Mit 4,68 kg Gewicht wird man den Bildschirm nicht so leicht mit sich herumtragen, aber wem Android als Betriebssystem ausreicht, der bekommt hier eine praktikable Lösung.

Digitale Transformation

Zu den vielen Bereichen, in denen der deutsche Mittelstand – im Rahmen des übergeordneten Zieles Industrie 4.0 – die Digitalisierung voranzutreiben hat und voranzutreiben sucht, gehört beispielsweise so etwas scheinbar Triviales wie die Digitalisierung der Telefonvermittlungen in den Büros, der sog. PBX-Systeme.

Hierzu legte das Unternehmen NFON, das sich als Marktführer sieht, eine detaillierte Strategie vor. Der Handlungsbedarf erwächst nicht nur aus einer allgemeinen Tendenz der Digitalisierung, sondern kommt ganz konkret aus der Ankündigung der Telekom, in den nächsten drei Jahren alle verbliebenen Analoganschlüsse zu beseitigen, also eine „All-IP“-Struktur einzurichten.

In diesem Zusammenhang könnte dem aufmerksamen Beobachter die Frage aufstoßen, weshalb sich nun auch die einstmals als so zukunftssicher gepriesene, dezidiert digitale ISDN-Infrastruktur als nicht anschlußfähig erweist, aber damit beschäftigt sich NFON verständlicherweise nicht. Die Firma stellt Adapter her, mit denen sich eine vorhandene Vermittlungsanlage an die neue Infrastruktur anschließen läßt und ggf. auch Verbindung zu einem Mobiltelefon als Eingabegerät herstellen kann.

Darüber hinaus will NFON cloud-basierte Telefonanlagen als Standardsystem im Markt etablieren. Strategische Partnerschaften, u.a. mit T-Systems und Fujitsu, und ein Großauftrag für die 1 Mio. Anschlüsse des Deutschen Forschungsnetzes verleihen dem Geschäft vertrauenerweckende Solidität.

„Digitale Poststelle“: Frankiermaschine 2.0

Ein anderes migrationsbedürftiges Geschäftsfeld sind Frankiermaschinen, von denen man ja meinen könnte, daß sie im Zeitalter der elektronischen Briefe einfach nur auszusterben haben. Tatsächlich aber haben die Querelen um die DE-Mail gezeigt, daß es mit der rechtssicheren schriftlichen Digitalkommunikation noch nicht so weit her ist und auf absehbare Zeit noch einiges Papier durch die Lande unterwegs sein wird.

Die Firma Francotyp-Postalia figuriert einerseits als DE-Mail-Anbieter, stellt aber auf der Cebit auch ihre „digitale Poststelle“ vor und offeriert in diesem Bereich eine Komplettlösung mit Dokumentenscan, Archivieren, Kuvertieren u.ä.

Kleinigkeiten mit Mehrwert

BenQ stellt den ersten tragbaren elektrostatischen Bluetooth-Lautsprecher namens treVolo vor, im Januar bereits auf der CES in Las Vegas, im März nun auch in Deutschland. Das im Lautsprecherbau seit langem bekannte Elektrostaten-Prinzip erlaubt den Verzicht auf Magneten, Spulen und andere voluminöse Bauteile und führt zu papierflachen, in diesem Fall auch klappbaren Membranen.

Für den Baß muß es dann aber doch ein klassisches Gehäuse mit zwei Tieftönern sein, und die Aktiv-Elektronik wird dort ebenfalls untergebracht. Über Bluetooth läßt sich der Lautsprecher per Streaming versorgen; alternativ ist die Zuspielung per USB-Speicher oder Analog-Buchse möglich.

BenQ hat außerdem ein Mikrophon eingebaut, das den Lautsprecher unversehens zu einer Freisprecheinrichtung im Rahmen eines über ein Smartphone hereinkommenden Telefonates verwandelt. Ein Akku macht den Lautsprecher, je nach abverlangter Lautstärke, für bis zu zwölf Stunden einsatzfähig.

VR-Brille für 20 Euro und Mini-HD-Cams fürs Auto

Beim badischen Gadget- und Zubehör-Spezialist Pearl gibt es wieder allerlei pfiffige Gerätschaften und Schächtelchen für kleines Geld. Autofahrer werden sich über den POI-Pilot 7000 freuen, eine Miniatur-HD-Kamera mit eingebautem GPS fürs Armaturenbrett. Der ebenfalls eingebaute G-Sensor reagiert auf Beschleunigungsänderungen und schaltet die Kamera automatisch ein.

Wer bei Unfällen einen Videobeweis braucht oder brauchen kann, wird für diese Selbstüberwachung dankbar sein. Von der POI-Redaktion werden auch Warnmeldungen ausgegeben, nicht nur über Wettersituationen, sondern auch über europaweit 60.000 Blitzer…

Wer nicht auf die VR-Brille Oculus Rift oder entsprechende Modelle von Samsung, Sony oder Microsoft warten will oder sie für zu teuer hält, kann sich eine spottbillige Lösung für 20 Euro zulegen – den Besitz eines möglichst hochauflösenden und möglichst großen Smartphones vorausgesetzt.

Dieses wird nämlich in ein entsprechendes Stereoskop aus Gummi gelegt, das man sich dann vor die Augen spannt. Mit einem entsprechenden Stereo-Video und dem Gyroskop des Telefons läßt sich so eine überraschend gute 3-D-Illusion erreichen.

Foto: TechFieber.de / MomentiMedia

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