IFA Preview 2014: Wearables, U-LED-Fernseher, Angeber-Gadgets und vernetzte Zahnbürsten

25. Juli 2014 | by Gerhard Bachleitner

IFA-Preview 2014 München Microsoft

Einen Vorgeschmack auf die IFA, die Internationale Funkausstellung Anfang September in Berlin, konnten wir neben dem Innovations Media Briefing (IMB) in Berlin diesen Monat auch auf der IFA-Preview in München und Hamburg. Etliche Firmen stellten Neuheiten vor, manche als Weiterentwicklungen von lange am Markt eingeführten Produkten, nicht wenige als originelle oder skurrile Ideen.

Tragbare Kostbarkeiten

Microsoft zeigte uns Surface 3, die neue Ausgabe des Laptop-Tablett-Hybrids, das wieder ein wenig leistungsfähiger und noch etwas flacher geworden ist. Der 12″-Bildschirm bietet eine hohe Auflösung und läßt sich mit einem speziellen Stift zu sehr fein dosierten Eingaben benutzen. Gedanken hat man sich über einen flexibleren Klappständer gemacht und verspricht vollmundig bis zu neun Stunden Akkulaufzeit.

IFA-Preview 2014 München Toshiba

Auch Toshiba zeigte neue tragbare IT. Das Hybridkonzept Ultrabook und Tablet wird mit dem Satellite Click 2 Pro P30W weitergeführt. Der Bildschirm des Laptops ist abnehmbar und autark als Tablet nutzbar. Sechseinhalb Stunden soll der Akku durchhalten. Das klassische Ultrabook P50(t)-B macht durch Ultra-HD-Auflösung von sich reden – und einen austauschbaren Akku, von dem die anderen Hersteller üblicherweise behaupten, daß er konstruktionsbedingt nicht möglich sei.

Der Philips-Abkömmling Sagemcom, der bisher mit seinen Mini-Projektoren PicoPix eine Nische erfolgreich besetzt – und mit dem Sponsoring der Nischensportart Kite-Surfing auch erfolgreich vermarktet: Project Your Life -, führt im Massenmarkt die neue Produktkategorie der Kurzdistanzprojektoren ein.

Screeneo nennt sich diese Familie, deren Mitglieder in verschiedenen Ausstattungsvarianten gebaut werden und die im Betrieb wie ein physikalisches Wunder anmuten. Auch der Preis von ca. 1500 Euro ist für einen wartungsarmen LED-Projektor in Ordnung. Auf den Boden der Tatsachen wird der Nutzer allerdings durch den Umstand geholt, daß nur die kleine HD-Auflösung angeboten wird.

Diese Einschränkung wurde damit erklärt, daß das Gerät bei voller HD-Auflösung um so viel größer werden müßte, daß dadurch u.a. der Vorteil der Portabilität wegfiele.

IFA-Preview 2014 München Toshiba Satellite P50t-B-3 laptop

Wann und wie kommt Ultra-HD?

Von SES-Astra war zu hören, wie sich die kluge Vernetzung der häuslichen SAT-Verkabelung mit der IP-Infrastruktur, SAT<IP, verdichtet. Nicht weniger als acht Tuner sind im neuen IP-LNB eingebaut, das damit die bisherigen Multischalter überflüssig macht. Die Hausfassadenverträglichkeit wird durch eine neue, schicke Flachantenne verbessert.

Weiters skizzierte Thomas Wrede den Fahrplan zu Ultra-HD, in dem der Satellitenbetreiber ja eine entscheidende Rolle spielt und derzeit zwei Demokanäle in der Luft hat, einen mit 30p und den anderen mit 50p Bildfrequenz. Für den Herbst ist das Logo des neuen Übertragungsstandards zu erwarten.

Die Einführung wird, wie schon bei HD, in zwei Phasen unterteilt, um die technischen Herausforderungen besser in den Griff zu bekommen. Diesmal geht es aber nicht um unterschiedliche Auflösungen – diese ist schon zu Beginn auf 4k festgelegt -, sondern um die Verbesserungen in einigen anderen Parametern. Vor allem die Erweiterung des Farbraumes und die Option für die Kontrastoptimierung HDR, aber auch ein weiteres Audioverfahren sind Neuerungen, die erst in der zweiten Phase der Einführung zum Tragen kommen werden. Diese sah Wrede 2017 beginnen.

Der chinesische Hersteller HiSense, dessen erste Generation an Ultra-HD-Fernsehern gerade sehr preisgünstig abverkauft wird, kündigt für die IFA eine neue Produktfamilie mit einem attraktiven Preis-Leistungsverhältnis an. Man hat sich auch Gedanken über das Kontrastverhalten von LCD-Bildschirmen mit LED-Hintergrundbeleuchtung gemacht und ein Konzept namens U-LED entwickelt.

Dies im unmittelbaren Vergleich mit einem OLED-Bildschirm zu präsentieren, ist zwar irreführend, aber originell. Tatsächlich schneidet der OLED schlechter ab. Damit wird jedoch nicht bewiesen, daß OLED keine gute Bildschirmtechnik wäre, sondern nur, daß man bei LCD-Bildschirmen mit einer optimierten Hintergrundbeleuchtung und relativ geringem Aufwand mehr an Kontrast herausholen kann, als mit der noch sehr teuren OLED-Technik.

IFA-Preview 2014 München Hisense

Gadgets für Angeber

Der Versandhändler Pearl ist ja immer für Kuriositäten gut. Amüsieren darf man sich beispielsweise über eine Brille mit eingebauter Videokamera (50 Euro, aber ohne Netzverbindung), einen (noch nicht wirklich preisgünstigen) Staubsaugerroboter und einen Fensterputzroboter. Für die Armbanduhr mit Berührungsbildschirm, die als GSM-Telefon fungiert, braucht man freilich sehr kleine und spitze Finger.

Das ist wirklich putzig

Einen ernsthaften, aber durchaus noch gewöhnungsbedürftigen Ansatz in der Digitalisierung der Gesundheit führte Oral-B, der bekannte Anbieter von Dentalhygiene vor: die elektrische Zahnbürste mit Bluetooth und zugehöriger Vermessungssoftware für das Smartphone. Diese Soft¬ware zeigt das Schema des Gebisses und gibt für jeden Quadranten die Zeit vor, damit am Ende die erwünschten zwei Minuten Putzzeit erreicht werden. Ein Druck¬sensor in der Bürste warnt vor zu starkem Druck. Über die Putzvorgänge wird eine Statistik geführt, die der Nutzer dann ggf. seinem Zahnarzt vorlegen kann, und umgekehrt kann dieser bestimmte Sonderwünsche/-aufgaben ins Zahnschema ein¬tragen. Um die zwei Minuten nicht zu lang werden zu lassen, kann man sich in einem Laufband auf dem Bildschirm auch gleich die aktuellen Nachrichten anzeigen lassen. Es fehlt auch nicht an vorgefertigten Erfolgsmeldungen zum Zahnputz¬ver¬halten, bei denen man sich an der Praxis der Gamification orientiert hat.

Dem Produkt wird man – abgesehen von dem doch etwas abschreckenden Preis von 250 Euro – sicher die besten Absichten zubilligen. Irritierend ist dabei eher – wie auch Oral-B selbst herausgefunden hat -, daß eine Verhaltensänderung oder Disziplinierung gerade im Gesundheitsbereich offenbar fast nur noch über eine solche technische Krücke möglich zu sein scheint. Die Abhängigkeit des modernen Menschen von der Assistenz mobiler Ratgeber dehnt sich auf immer mehr Gebiete aus. Der nicht assistierte Mensch wird dann wohl zu einem ziemlich hilflosen und unfähigen Wesen. Oral-B scheut sich auch nicht, einen ganzen Tagesablauf als Folge von digitalen biometrischen Messvorgängen vorzuschlagen und so ein nicht gesundheitsbewußtes Verhalten zur Unmöglichkeit zu machen. „Mobile Health“ lautet dafür der neudeutsche Euphemismus.

Auf diesem Terrain ist auch Bragi, eine Neugründung aus München im Bereich der „Wearables“, unterwegs. The Dash nennt der Hersteller seine mit Hilfe von Kickstarter auf den Markt gebrachten drahtlosen Bluetooth-Kopfhörer, mit denen man nicht nur Musik hören kann. Eingebaut sind ein Bewegungssensor, ein Thermometer und ein optischer Sensor. Damit lassen sich beispielsweise Laufdistanzen und Trittfrequenz, aber auch der Puls oder die Sauerstoffsättigung messen. Die In-Ohr-Kopfhörer sind bis zu einem Meter wasserdicht und sehen elegant aus.

IFA-Preview 2014 München OralB

Laufendes und ruhendes Fernsehen per Internet

Aufmerksamkeit verdient der kürzlich hierzulande gestartete Internetfernseh-Aggregator Magine-TV, der 2005 in Schweden gegründet wurde, und offensichtlich eine Konkurrenz zum schweizer Zattoo darstellt. Das Etikett „Europas Antwort auf Netflix“ trifft nicht ganz, weil Netflix im amerikanischen Markt eine etwas andere Rolle spielt. Man darf sich dabei aber auch an die erfolgreiche Einführung von Spotify im Musiksektor erinnert fühlen. Tatsächlich wurde hier ein liberaleres Mediennutzungsverhalten etabliert oder vielmehr sanktioniert. Der Musikindustrie wurde der legale Zugang zum Großteil der aktuellen Musikproduktion abgetrotzt, und Magine möchte nicht nur alle wichtigen deutschen Fernsehsender abdecken, sondern auch eine bis zu 30 Tagen reichende Mediathek anbieten. Man sei sogar in Verhandlung, die HD-Programme der Privatsender zu lizensieren. Daran hängen natürlich noch große Fragezeichen, weil die Sender damit ihre HD+Plattform kannibalisieren würden, aber schon der Versuch läßt aufhorchen.

IFA-Preview 2014 München OralB

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