Neuer altbekannter Smartphone-Player: Amazon bringt das Fire Phone

20. Juni 2014 | by techfieber.de

Neuer altbekannter Smartphone-Player: Amazon bringt das Fire Phone

Hot news aus Seattle: Der amerikanische E-Commerce-Krösus Amazon macht nun auch in Smartphones und startet das „Fire Phone“.

Das von Amazon-Ceo Jeff Bezos höchstpersönlich enthüllte Smartphone kann Gegenstände, Text oder Musik erkennen und hat selbstredend auch direkten Zugriff auf Online-Shopping-Angebote von Amazon. Ein Wehrmutstropfen: Das feuerige Handy kommt laut Anbieter auf absehbare Zeit nicht nach Deutschland.

Das Telefon mit einem 4,7 Zoll großen Bildschirm und 13-Megapixel-Kamera kommt Ende Juli zunächst nur in den USA auf den Markt.

Im harten Wettbewerb mit etablierten Rivalen will Amazon mit dem Angebot an Diensten punkten. So bekommen die Nutzer uneingeschränkten Online-Speicherplatz für Fotos und kostenlosen Zugriff auf Amazons Video-Angebot und den jüngst vorgestellten Musik-Streamingdienst. Das Smartphone läuft wie schon die Kindle-Fire-Tablets mit einer abgenabelten Version des Google-Betriebssystems Android.

Eine neue Schlüsselfunktion heißt «Firefly» und funktioniert wie eine Art Suchmaschine für die reale Welt. Wenn man damit Gegenstände fotografiert, wird man zum entsprechenden Produkt im Amazon-Angebot weitergeleitet. Die Funktion kann aber auch bis auf die einzelne Serienfolge erkennen, welche Sendung gerade im Fernsehen läuft und funktioniert auch für Musik, Text, Telefonnummern oder Kunstwerke.

Ein System aus vier Kameras rund um den Bildschirm verfolgt permanent die Kopf-Position des Nutzers und passt die Darstellung auf dem Display entsprechend an. Das soll eine nahezu dreidimensionale Optik ermöglichen. Infrarot-Sensoren folgen den Bewegungen auch in der Dunkelheit. An der Funktion sei vier Jahre lang gearbeitet worden, sagte Bezos.

Sowohl bei «Firefly» als auch bei der Display-Technik gibt es Schnittstellen für App-Entwickler. Das soll die Integration in verschiedene Anwendungen ermöglichen – so wird es eine App geben, die Informationen über Weine nach einem Foto des Etiketts anzeigt.

Punkten will Amazon auch mit dem Kundenservice «Mayday», bei dem technische Berater für Videochats zur Verfügung stehen, und Ohrhörern, die dank Magneten von Kabelsalat frei sind. Im Vergleich zu anderen Spitzen-Smartphones ist das Fire Phone allerdings etwas dicker, verfügt über einen schwächeren Prozessor und ist mit einem weniger leistungsstarken Akku ausgestattet.

Amazon wagt sich mit seinem Smartphone in einen heftig umkämpften Markt. Samsung ist der größte Anbieter mit rund einem Drittel der weltweit verkauften Geräte, Apples iPhone liegt bei etwa 15 Prozent. Damit wird nahezu die Hälfte des Marktes bereits von den beiden größten Anbietern besetzt, um den Rest ringt eine Vielzahl von Herstellern. Bei den Betriebssystemen ist die Lage noch klarer: Die Google-Plattform Android deckt bis zu 80 Prozent des Marktes ab.

Während Amazon bisher dafür bekannt war, seine Geräte deutlich günstiger als die Konkurrenz zu verkaufen und sich das Geld später über den Verkauf von Inhalten zurückzuholen, läuft es beim «Fire Phone» anders. Das Gerät kostet in den USA 199 Dollar mit einem Vertrag beim Mobilfunk-Anbieter AT&T und liegt damit auf dem Niveau anderer Premium-Smartphones. Ohne Vertrag ist es ab 649 Dollar zu haben.

Das Smartphone schließt eine Lücke in Amazons Geräte-Angebot neben den Kindle-Fire-Tablets und der TV-Box Fire TV. Über eine Cloud-Synchronisation sollen die Geräte gut zusammenspielen. Amazon hatte in den vergangenen Jahren Schritt für Schritt das Inhalte-Angebot ausgebaut, das über seine Geräte erreichbar ist.

Die Amazon-Aktie schloss nach der Vorstellung des Geräts am Mittwoch um 2,7 Prozent höher, drehte im frühen Handel am Donnerstag aber ins Minus. Ein Amazon-Smartphone war zwar nach diversen Medienberichten erwartet worden, einige Funktionen wie «Firefly» waren dennoch eine Überraschung.

Nach Informationen der «Financial Times» verhandelte Amazon mit O2 und Vodafone bereits auch über einen Start des Geräts in Großbritannien. Es gab bisher aber keine Hinweise darauf, wann das Gerät in Europa eingeführt werden könnte.

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