Keine Apple in der Schule: Lehrern dürfen nicht an Apple-Fortbildung teilnehmen

17. November 2013 | by Silvia Kling

 Keine Apple in der Schule: Lehrern dürfen nicht an Apple-Fortbildung teilnehmen
Keine Chance für das „Distinguished Educators Program“ von Apple. In den USA ist der Apfel-Konzern seit jeher ganz besonders stark im Bildungssektor – das soll sich nach dem Gusto der Kalifornier nun auch international ausweiten. Der Silicon-Valley-Riese bietet dafür seit Jahren besondere Fortbildungsprogramme für Lehrer an. So nun auch in Deutschland – was Vertretern der Bundesländer jedoch gar nicht passt.

Mit seinem „Distinguished Educators Program“ fördert Apple den Einsatz seiner Produkte an deutschen Schulen und lädt dafür Lehrer zu Fortbildungsreisen ein. Das Programm, an dem bislang eine dreistellige Zahl deutscher Lehrer teilgenommen hat, soll vor allem dem Austausch der Lehrer untereinander dienen. Die Programme von Apple zur Lehrerfortbildung stosssen auf massiven Widerstand der Bundesländer.

Keine Apple in der Schule: Lehrern dürfen nicht an Apple-Fortbildung teilnehmen

Doch laut Apples Projektbeschreibung sollen die Lehrer auch den Einsatz von Produkten des Konzerns an den Schulen unterstützen. Die zuständigen Behörden der Bundesländer sehen darin mehrheitlich einen potentiellen Verstoß gegen das Neutralitätsgebot für Lehrkräfte im Beamten- wie im Beschäftigtenverhältnis.

In einer Umfrage der „Welt am Sonntag“ unter den Schulministerien der Bundesländer antworteten zehn Bundesländer, das Programm sei für Lehrer in ihrem Dienst ausgeschlossen oder nur mit Sondergenehmigung des jeweiligen Ministeriums zugänglich. Teilnehmende Lehrerwaren den Behörden jeweils nicht bekannt.

Apple ist nicht der einzige Anbieter von herstellerspezifischen Fortbildungen auf Kosten des Anbieters.

Auch Microsoft lädt Lehrer ins Ausland ein, Google bietet kostenpflichtige Fortbildungen in Deutschland. Die IT-Riesen stoßen damit in eine Lücke bei der systematischen Lehrerfortbildung der Länder: Deutschland ist beim flächendeckenden Einsatz von IT im Unterricht im europäischen Vergleich höchstens Mittelmaß, die IT-Kenntnisse jugendlicher Schulabgänger sind unterdurchschnittlich.

Bei der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft stieß das Engagement der Firmen auf Kritik: „Die Schulen werden hier zunehmend zum Feld von kommerziellen Interessen.“

Die möglichst frühe Beeinflussung der schulischen Ausbildung ist für die IT-Anbieter von vitalem Interesse: Entscheiden sich die Verantwortlichen für Geräte eines Herstellers, werden sich die Schüler anschließend mit hoher Wahrscheinlichkeit ebenfalls die Geräte kaufen, die sie aus dem Unterricht
kennen.

+ Links: apple.com/de/education/

Mehr bei TechFieber zum Thema: , ,

Antwort schreiben