IFA | Interview: WELT-Digital-Chef Romanus Otte bringt Zeitung ins Auto

13. September 2013 | by Mathias Becker

Wahlfreiheit hinterm Steuer: Interview mit Romanus Otte

Er bringt die Zeitung ins Auto: Romanus Otte, General Manager DIE WELT Digital, über die Zusammenarbeit mit Fords „AppLink“ und die künftige Mediennutzung hinterm Steuer.

Herr Otte, Sie kamen eben gerade noch rechtzeitig zum Pressegespräch. Woran lag’s?
Ich hatte einfach Pech. Erst fuhr der Taxifahrer von einem Stau in den nächsten. Und dann hat er mich noch am falschen Eingang rausgelassen.

Zumindest den Stau scheint man künftig vermeiden zu können. Wenn die Autos erstmal selbst die Verkehrsstörungen melden, wird man immer die beste Route kennen.
Äußerst praktisch. Ich habe allerdings meine Zweifel, ob es im Berliner Berufsverkehr überhaupt eine beste Route gibt.

Immerhin kann man sich künftig bequem die Wartezeit vertreiben, etwa, indem man sich News im Auto vorlesen lässt. Eben haben sie die Kooperation von DIE WELT mit dem Automobilhersteller Ford vorgestellt. Bin ich als Ford-Kunde in Zukunft eigentlich auf die WELT angewiesen? Oder kann ich auch zur Konkurrenz wechseln?
Sicher werden Sie das können. Es ist ja nicht unserem Interesse, Ford-Kunden über so ein System an ein einziges Medium zu binden. Das würden die gar nicht mitmachen. Deshalb ist es wichtig, dass Ford mit „AppLink“ ein System geschaffen hat, für das jeder Anbieter Apps produzieren kann. Wir sind mit der WELT früh eingestiegen, weil wir dabei sein wollen, wenn die digitale Zukunft der Medien beginnt. Wenn andere später mitziehen, können die Nutzer wählen. Dann entscheidet die Qualität der Medienangebote.

Nun sind Nachrichten im Auto nicht unbedingt ein Novum: Radio gibt es schon etwas länger. News-Apps haben den Vorteil, dass man Nachrichten auswählen kann, aber wer sagt eigentlich, dass die Leute immer auswählen wollen? Etwas geliefert zu bekommen ist ja auch verlockend – gerade am Steuer.
Das stimmt, wer die Wahl hat, hat mitunter auch die Qual. Deshalb werden News-Apps im Auto das Radio auch nicht verdrängen, sondern lediglich ergänzen. So ist das ja fast immer, wenn ein neues Medium auftritt. In Zukunft kann ich mich entscheiden: Will ich einfach ganz klassisch meinen Lieblingssender hören? Oder will ich auf ein breites Nachrichtenangebot aus bestimmten Apps zugreifen? Oder gar die Kombination: Ich höre etwas im Radio, und wenn es mich interessiert, vertiefe ich mein Wissen, mithilfe weiterer Medien.

Bei so viel Angebot kann man sich ja fast schon auf den nächsten Stau freuen!
Das wiederum könnte mir, glaube ich, trotz allem nicht passieren …

Foto: MomentiMedia

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