[CeBIT]: Trends: Virtuelles Radeln, die Cloud in Postgelb und ganz sicher Sicherheitsprobleme

5. März 2013 | by Gerhard Bachleitner

Human Touch macht sich immer gut, und so stellt sich passenderweise auch Microsoft in Halle 4 der Cebit vor. Was wir bisher nicht wussten: „Die Shareconomy ist als menschliches Prinzip tief in den Microsoft-Produkten und Software-Lösungen verankert.“ (MS-Pressemeldung). In der Tat hat man mit der Erhebung von Nutzerdaten und Registrierungszwängen einige Erfahrungen.

Auf der Cebit zeigt man einen Fahrradverleih (weil Öko schick und Pflicht ist), und Marketing Manager Kay Mantzel von Microsoft verband diese Ankündigung tatsächlich mit dem Slogan Save the planet – ride a bike, aber es handelt sich lediglich um einen virtuellen Fahrradverleih. In Wirklichkeit geht es bei Contoso, so sein Name, hauptsächlich um ein „komplexes Big Data Szenario und wie IT-Entscheider die Microsoft Plattform auch für ihr eigenes Business einsetzen können.“

Welch ein Zufall, dass man das virtuelle Fahrrad auf Bing Maps zu suchen hat und über ein NFC-fähiges Telefon und eine entsprechende App freischalten kann. Der „grüne“ Kunde wird dann mit einem eigenen CO2-Konto geködert – ein simpler Algorithmus, der gefahrene Kilometer in eine fiktive Vermeidung von Fossilkraftstoffverbrennung umrechnet.

Einen anderen human touch entdeckt Hosting-Anbieter Strato auf der Cebit. „Strato ist der Motor der Shareconomy“ lautet das vollmundige Bekenntnis für ein Geschäftsfeld, das man bisher Speicherplatz und Netzverkehr nannte. Erstmals wird auch Fernsehwerbung eingesetzt, um dem Laien die Notwendigkeit eines Platzes auf der Wolke klarzumachen. Deine Bühne im Netz verkünden einige Hobbymusiker, und Das Leben ist eine Bühne.

Laut Technikchef Rene Wienholtz war diese Werbung recht erfolgreich. Natürlich können sich auch die technischen Weiterentwicklungen sehen lassen. Die Bedienoberfläche der Speicherverwaltung hat jetzt die Kachel-Optik von Windows 8 angenommen, und es wird auch eine eigene App für dieses Betriebssystem geben. In vielen Details wurden flexible, nutzerfreundliche Abläufe ermöglicht, und das Preisleistungsverhältnis ist bemerkenswert gut geblieben.

Cloud in Postgelb

Ebenso wie Strato hält sich auch die Telekom als großer Cloud-Anbieter viel auf die inländische Beheimatung ihrer Server zugute. Allerdings gab der Marketingleiter für Geschäftskunden, Lutz Fröhlich, zu, dass man auch ausländische Server heranziehe, also sozusagen einen gestuften Datenschutz anbietet.

Immerhin zehrt die Telekom noch immer von ihrem Bonus als ehemaliges Staatsunternehmen Bundespost, denn laut einer Allensbach-Umfrage vertrauen 45 % der Deutschen der Telekom beim Umgang mit persönlichen Daten.

Im Großkundengeschäft der T-Systems ist die Integration von VM-ware ein wichtiges Thema, also die Verlängerung virtueller Infrastrukturen in die Cloud. Das Mittelstandssegment ist um den Business Marketplace herum gruppiert und umfasst derzeit 10.000 registrierte Unternehmen. Dort ist die Verwaltung von Mobilgeräten eine aktuelle Herausforderung, entsprechend dem unaufhaltsamen Trend Bring Your own device.

Sicherheitsprobleme sind sicher

Der genannte Trend Bring Your own device bringt IT-Administratoren bekanntlich schlaflose Nächte. Udo Schneider von der Sicherheitsfirma Trend Micro erläuterte auf der Cebit Preview in München die Probleme. Einerseits ist seit 10 Jahren die Consumerization im Gange und wären 91% der Arbeitnehmer sehr frustriert, wenn sie ihre hochgerüsteten Mobiltelefone/-computer nicht mehr verwenden dürften. Andererseits sind die von dieser Gerätepopulation ausgehenden Gefahren erheblich.

Schneider klärte auf: „Nicht schädlich heißt nicht ungefährlich“ und „Android ist ein sicheres Betriebssystem.“ Im Detail steckt aber der Teufel. Dass die Rechteeinräumung für eine App in Android unwiderruflich ist, nutzen geschickte Malware-Strategen mit psychologischen Tricks aus. Neudeutsch heißt das social engeneering strategy. Schneiders Resümee fiel entsprechend düster aus. Smartphones holten in wenigen Quartalen jene Malware-Evolution nach, die auf stationären PCs in 20 Jahren vor sich gegangen sei. Dass Google noch 2011 eine ernsthafte Bedrohung bestritten hatte, trug nicht zur Verbesserung der Lage bei.

Deprimierend auch die Aussichten, die Thomas Uhlemann vom Antiviren-Softwareanbieter Eset realistischerweise zeigte. Dass auch die „sozialen Plattformen“ für die Distribution von Malware genutzt werden – beispielsweise über Scripte, die sich als Personen verkleiden, und gefälschte Flash-Updates Schadcode verbreiten – erscheint im Nachhinein und für den Außenstehenden fast logisch, macht aber auch auf die offenbar immer tiefer werdende Kluft zwischen dem technisch ahnungslosen (und oft auch entmachteten) Laienanwender und den raffinierten und technisch hochintelligenten Programmierern aufmerksam.

Der von stationären und mobilen Betriebssystemen immer dümmer gemachte Nutzer wird zur immer leichteren Beute der Systemversteher.

Von Kaspersky vernahm man ebenfalls Erschreckendes. „Kaspersky Lab identifiziert und blockiert aktuell über 200.000 neue Schadprogramme pro Tag. 99 Prozent der entdeckten mobilen Schadprogramme richteten sich 2012 gegen die Android-Plattform.“

Ein interessantes Bild bieten die Angriffsziele: 56% zielen auf Java, 25% auf Adobe und nur noch 4% gehen auf MS Windows direkt. Dies spiegelt die Bedeutung des Netzverkehrs, der ohne Java und die einschlägigen Anwendungen nicht denkbar ist. Immerhin verspricht Kasperskys neue Softwarelösung Pure 3 Total Security.

Vernetztes Wohnen – per Click

Das Innovationszentrum Connected Living präsentiert eine Systemlösung für das seit einigen Jahrzehnten propagierte (haus-)gerätevernetzte Heim. Es gibt nun auch schon ein Planungs- und Steuerungswerkzeug, das die Einrichtung eines solchen Systems erleichtern soll, genannt Connected Living Innovation Component Kit, CLICK.

Aber man stellt dem Anwender auch einen Connected Living Advisor zur Seite, der mit Hilfe des Connected Living Home Control Centers und des Connected Living Home User Rule Editor die Lebensgewohnheiten des Anwenders in Maschinensprache übersetzen will.

Angeblich soll dies mit Drag&Drop ganz einfach werden, aber wenn Windows schon die Benutzerkontensteuerung und Netzwerkverwaltung so weit als möglich vor seinem Benutzer versteckt, wie sollte ein unbedarfter Laie sein vernetztes Heim in den Griff bekommen?

Die Privatkunden können sich auf ein Mediacenter in neuem Design freuen. Eine Verlagskooperation, die zu einem E-Book-Portal führen sollte, ist in Planung, aber noch nicht spruchreif.

[Photo: 4nitsirk via Flickr / cc]

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Die Cebit 2013 findet vom 5. März bis 9. März 2013 in Hannover statt.

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