[Münchner Medientage] Ab in die Konvergenzzone von TV und Internet

7. November 2012 | by Gerhard Bachleitner

[Münchner Medientage]  Ab in die Konvergenzzone von TV und Internet

In mehreren Diskussionsrunden wurde die „Konvergenzzone“ zwischen Fernsehen und Internet umkreist, die in der Tat am meisten Konfliktpotenzial bot, weil hier unterschiedliche Interessen aufeinander treffen. Man kann das Problem u.a. als Frage nach der Bedeutung von HbbTV formulieren: Was sind eine neutrale Plattform und ein horizontaler Wettbewerb der Inhalteanbieter auf dem Endgerät Fernseher wert?

Die von BR und IRT gemeinsam veranstaltete Runde Red Button auf allen Wegen? versammelte die wichtigsten Akteure des Spektrums, das vom Systemerfinder und -propagator IRT bis zu den Verweigerern reichte.

Dr. Klaus Illgner-Fehns, IRT, war von seinem Produkt naturgemäß überzeugt, durfte es auch sein, und vermisste nur die Bekanntheit beim größeren Publikum. Dass das technische Kürzel HbbTV von Herstellern und Handel sehr stiefmütterlich behandelt wird, ist kein Geheimnis, nicht zuletzt, weil es Klarheit in einen Markt brächte, in dem Verschleierung Teil des Geschäftsmodells ist.

Viel lieber wird mit Smart TV zugedeckt, was an Hybridtechnik handgestrickt und proprietär ist. Es wiederholt sich genau jene Entwicklung, die in den 90er Jahren zu konkurrierender proprietärer Middleware bei den DVB-Dekodern geführt hat und zur Jahrhundertwende in die Multimedia-Home-Plattform MHP mündete. Deren Scheitern im Markt hatte zwar mehrere Gründe, aber der wichtigste war doch, dass es ein ungeliebtes Kind war. Und HbbTV sieht jetzt auch wie ein ungeliebtes Kind aus.

So war es ein Deja vu, als Frank Lonczewski für die Entertain-Plattform der Telekom zu erklären versuchte, weshalb man HbbTV leider (noch) nicht einsetzen könne. Der Standard sei an manchen Stellen nicht leistungsfähig genug, und außerdem habe man schon einen Vertrag mit Microsoft für die Middleware. Dr. Stefan Fuchs vom Kabelnetzbetreiber Unity schwärmte von der Plattform und Box Horizon, die, von NDS hergestellt, im zweiten Quartal nächsten Jahres in Deutschland eingeführt werden soll. Zitiert wurden außerdem Fälle, dass Fernseher von den Herstellern mit nicht aktivierter HbbTV-Funktion ausgeliefert würden – so dass der Zuschauer dann verwundert auf den Roten Knopf wartet, der nicht kommt.

[Münchner Medientage]  Ab in die Konvergenzzone von TV und Internet

Die Programmveranstalter sind an der zögerlichen Akzeptanz freilich nicht unschuldig, wenn sie bei der Weiterleitung und Zielführung des Zuschauers in (ihr eigenes) Internet schlampig vorgehen, die Ergonomie außer Acht lassen oder sich sonst Arbeit sparen wollen. Schon am bisherigen Videotext und an den SI-Daten in DVB kann man diese Phänomene beobachten.

Selbst der HbbTV sonst wohlgesonnene TV-Bereichsleiter der Media Broadcast, Henrik Rinnert, meinte, man könne die gewünschte Konvergenz – inzwischen – mit HTML 5 zweckmäßiger und besser herstellen. Ob dieser Beweis zu führen wäre, blieb dahingestellt. Recht deutlich sprach sich Wolfgang Elsäßer, Astra, gegen den Wildwuchs der Plattformen und Applikationen aus, gegen die Aufrüstung der Transporteure (Kabelnetzbetreiber) zu Aggregatoren und gegen deren kundenunfreundliche Partikularinteressen.

[Münchner Medientage] [Photo oben: Münchner Medientage]
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Dranbleiben, im zweiten Teil von Gerhard Bachleitners Münchner-Medientage-Nachlese geht es direkt weiter mit der Zukunft des Fernsehens …

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