[Buchmesse] Dem E-Book Hype zum Trotz: Ich bleibe Buchrücken-Abstauber

12. Oktober 2012 | by Pia Wolkenstein

[Buchmesse] Dem E-Book Hype zum Trotz: Ich bleibe Buchrücken-Abstauber

In einem Buchladen zu stöbern gefällt mir. Ich sehe mir die Titel der Bücher an und versuche mir vorzustellen, welche Geschichte sich hinter den Deckeln verbirgt. Wahllos nehme ich Werke aus den Regalen, fahre mit dem Finger über den Namen des Autors und lese die ersten Zeilen. Andere verlieren sich in Modegeschäften, ich mich in Bücherläden.

Deshalb hatte ich beschlossen dieses Jahr die Frankfurter Buchmesse – die weltweit größte – zu erkunden. Ich stellte es mir wie ein Paradies vor: 7.300 Aussteller aus 100 Ländern und alles Rund ums Buch. Ich schlenderte durch Gänge und Hallen, auf der Suche nach Anzeichen von E-Books.

An einem Stand sah ich einen Bildschirm, auf dem in einer Schleife Werbung für digitale Reclam-Hefte lief. Diese kleinen Büchlein erinnern mich an die Schullektüre, die sich seit 30 Jahren nicht geändert hat. Das spannendste Drama und die schönste Liebesgeschichte wird durch das Reclam-Layout zerstört – denn schon bei dem Anblick des gelben Bands mit den fast durchsichtigen Seiten, verschwindet augenblicklich die Lust darin zu blättern. Wahrscheinlich war die Erfindung des digitalen Buches das Beste, was dem Verlag passieren konnte, denn in digitaler Form würde selbst ich Leseratte mir solch ein verhasstes gelbes Heftchen kaufen.

Aber auch andere bekannte Verlage lassen immer mehr Bücher digitalisieren. Praktisch jeder Bestseller erscheint von Anfang an in gedruckter und elektronischer Form. Per Dalheimer, Geschäftsführer des Onlineshops eBook.de, schätzt, dass knapp die Hälfte der aktuellen deutschsprachigen Bücher auch als Cyber-Lesestoff gekauft werden können. Die Auswahl an älteren Büchern oder unbekannteren Autoren jedoch ist noch gering – aber stetig steigend.

[Buchmesse] Dem E-Book Hype zum Trotz: Ich bleibe Buchrücken-Abstauber

Laut Studien der Medien-Marktforscher Media Control wurden im ersten Halbjahr 2012 rund sechs Millionen Bücher kostenpflichtig heruntergeladen. Es bleibt wohl kein Zweifel mehr: Das E-Book hat sich neben dem gedruckten Wort etabliert und lässt sich nicht mehr verdrängen.

Dennoch: Mich hat die Digitalisierung nicht so ganz überzeugt. Ich hatte zwar offen gestanden noch keinen E-Reader in der Hand, aber die Vorstellung, nicht nur den ganzen Tag im Büro auf einen Bildschirm starren zu müssen, sondern auch noch Abends, finde ich schrecklich. Ab Montag darf (muss) ich mich eine Woche mit einem Elektro-Buch-Reader von Amazon beschäftigen, vielleicht kann ich ihm was abgewinnen.

Zwar verstehe ich, dass diese „Revolution“ gewisse Vorteile für die Verlage hat: eine billigere Produktion und keine Fehlschätzungen mehr bei der Druckauflage. Aber wie grausam wäre es, wenn sich jeder Küchen-Autor (durch die geringere Publikationskosten) selbst verlegen und sein Werk als digitalen Schmöker herausbringen könnte.

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Kommentare (5)

  1. shadaik sagt:

    “Zwar verstehe ich, dass diese „Revolution“ gewisse Vorteile für die Verlage hat: eine billigere Produktion und keine Fehlschätzungen mehr bei der Druckauflage. Aber wie grausam wäre es, wenn sich jeder Küchen-Autor (durch die geringere Publikationskosten) selbst verlegen und sein Werk als digitalen Schmöker herausbringen könnte.”
    Ja, furchtbar, das wäre ja wie… wie… wie im Internet! ;-)

  2. GeorgF sagt:

    Der letze Absatz ist ja wirklich arrogant und unsympathisch oder bestenfalls undurchdacht.

    ” Aber wie grausam wäre es, wenn sich jeder Küchen-Autor (durch die geringere Publikationskosten) selbst verlegen und sein Werk als digitalen Schmöker herausbringen könnte.”

    Ja was wäre dabei? Man muss ja nicht kaufen!?
    Ist die Schwemme der Kuschelvampir-Schnulzen im Buchhandel besser? Sie haben wohl jedes davon gelesen? Toll.

    Warum sucht man immer nach Nachteilen? Ist es nicht viel besser, dass nun kommerziellen Vorstellungen wie Druckauflage und Genre kaum eine Rolle mehr spielen? Z.B. Anthologien haben es sehr schwer und kommen nur verkrüppelt auf den Markt.
    Da ich gerade keinen Reader habe, las ich vor kurzem “Eine unberührbare Welt” von Eschbach – selbst von einem Bestsellerautor erscheint sowas in einer mickrigen, kaum lesbaren Schrift.

    Die meisten Autoren sehen nur einen kleinen Teil ihrer Werke publiziert und auch die publizierten Werke verschwinden meistens nach paar Jahren im Antiquariat. Nun können die Werke ewig auf dem Markt bleiben.
    Zum Beispiel habe ich durch Amazon russische Exilliteratur (sehr bewegtes Leben, nach der Revolution Russland verlassen usw.) von einem längst verstorbenen Autor entdeckt- seine Witwe hat die längst vergriffenen Bücher digitalisiert. Das ist keine Küchen-Autor.

    Wahrscheinlich haben sich die Mönche bei Erfindung des Buchdrucks über die Schwemme an Mist beschwert. Oder Internet mit all den Onlinejournalisten. Nun kann jeder komische Artikel schreiben oder gar kommentieren. Ein Graus!

    Und vielen Leuten gehts um Inhalte- ich habe die allermeisten Bücher in der Bibliothek ausgeliehen, also nichts mit dem “Immer im Regal haben”. Ein eReader in ordentlicher Hülle ist auch ästhetischer als die so beliebten Softcover.

    Natürlich haben eBooks auch Nachteile (DRM usw.) und werden besonders schöne Familienerbstücke und Luxusausgaben nicht ersetzen, aber wer liest nur ausschließlich so aufbereitete Werke? Warum muss es ein Entweder-Oder sein?

    Die beschriebene paradiesische Buchhandlung wird nicht verschwinden, die großen Ketten mir 30% Non-Book Anteil dagegen schon und das wird kein Verlust sein.
    Da kann man sowieso neben Shades of Grey, hunderten Kuschelvampiren (Genre: “Vampire”) und angeblichen skandinavischen Krimis nicht stöbern.

    Bei Amazon im Kindle Store dagegen schon.
    Ob Kurzgeschichten, Klassiker der Weltliteratur oder Horrorstorys, jeder wird bedient.

    Ich bin sehr gespannt wie Ihnen der Kindle gefällt. Die meisten Skeptiker sind plötzlich begeistert, Viel Spaß!

  3. Daniela sagt:

    Hi Pia, offt sagt man ich werde mir keinen eBook Reader kaufen aber dann passiert es doch. Die zeit bleibt ja nicht stehen und wer, wie du auch, noch keinen eBook Reader in der Hand hatte kann den Mehrwert garnicht richtig erkennen.Es werden ja nicht mehr die großen und schweren Geräte wie vor 2 Jahren angeboten sondern moderne, stylische und leichte eBook Reader http://www.ebook-reader-verlgiech.de (hier mal zum reinschnuppern). Schon allein längerer Urlaub mit 3 Büchern belastet mich hätte ich da nicht meinen liebgewonnen Freund. Pia,, wirklich einfach mal einen eReader ausborgen und ich verspreche dir du wirst begeistert sein.

  4. Daniela sagt:

    Sorry für meinen Tippfehler in der url bei bei den Tipp zum eBook Reader http://www.ebook-reader-vergleich.de

  5. Susi sagt:

    Hallöchen,

    ich bin auch der Meinung, dass durch die geringen Publikationskosten der eBooks, die Qualität der Inhalte der Bücher in Gefahr ist. An GeorgF: Du sagstest man müsse die Bücher ja nicht kaufen. Wenn jedoch der ganze Büchermarkt von schlechter Literatur überschwemmt wird, muss man im ersten Schritt erstmal gute Qualität von schlechter trennen, was auch nicht immer auf den ersten Blick so leicht ist und ich denke da kann man schon schnell mal die Lust am Lesen verlieren. Geht es z.B. um wissenschaftliche Texte, könnten dort ja auch inhaltlich falsche Dinge beschrieben sein. Also wenn schon ‘Küchenautor’, dann sollte dieser auch ein Lektorat vornehmen lassen.
    Ich habe ein wenig recherchiert und bin auf diese Seite gestoßen, die meiner Meinung nach die Vorteile eines Verlags sehr gut herausstellt.
    http://www.frieling.de/manuskript-einreichen

    LG
    die Susi

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