[TechBusiness] SRG verzichtet auf Online-Werbung – zumindest momentan

21. September 2012 | by Dieter Jirmann

SRG Fernsehen Werbung Internet Schweiz

Die Summen, die Unternehmen für Werbung im Internet ausgeben, wächst beständig – was vor einigen Jahren noch als Nischenmarkt galt, verspricht heute attraktive Einnahmen. Um die aber wird auch heftig gerangelt, zum Beispiel zwischen den traditionellen Verlegern und öffentlichen Medienanstalten. In der Schweiz haben die Verleger beim Bundesrat einen Erfolg gegenüber der SRG erzielt, der aber von begrenzter Dauer sein könnte.

Die SRG, so das Argument der Verleger, sei über Gebühren finanziert und daher in der Konkurrenz auf dem Online-Werbemarkt besser positioniert als die Verlagshäuser, die ihre Einnahmen selbst erwirtschaften müssen. Das sah auch der Bundesrat so – zumindest für den Moment. Ein wesentliches Argument für die Entscheidung ist nämlich die gute Einnahmesituation bei Fernseh- und Rundfunkwerbung, die sich in den letzten beiden Jahren abgezeichnet hat.

Allerdings  geht der Bundesrat auch davon aus, dass die SRG mittelfristig auch ihre Internet-Aktivitäten kommerziell ausrichtet, um auf diese Art und Weise die Gebührenzahler zu entlasten.

Zusammen mit der Entscheidung, die einen seit zwei Jahren schwelenden Streit zwischen Verlegern und SRG zumindest fürs Erste beendet, hat der Bundesrat aber auch eine gravierende Entscheidung für die inhaltliche Ausrichtung des SRG-Online-Auftritts getroffen. Der nämlich soll künftig nicht mehr Beiprogramm zu dem sein, was in Radio und Fernseher läuft, sondern auch Themen behandeln dürfen, die in den Sendungen keinen Platz haben.

Das soll zunächst in eher übersichtlichem Rahmen geschehen: Der Bundesrat denkt dabei an Beiträge mit beschränkter Textlänge, genaue Vorschläge soll das Eidgenössisches Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) Anfang nächsten Jahres machen.

Bei der SRG gibt man sich zurückhaltend: „Der Bundesrat hat einen salomonischen Entscheid getroffen“, teilt Mediensprecher Daniel Steiner mit. „Das Ziel der SRG, mit Online-Werbung absehbare Einbussen bei der herkömmlichen Werbung wettzumachen, ist nicht erreicht. Indessen beabsichtigt der Bundesrat, der SRG mehr Spielraum für audiovisuelle Angebote im Internet zu eröffnen. So kann der audiovisuelle Service public die Menschen auch in Zukunft dort erreichen, wo sie sind, nämlich zusehends im Internet.“

Dabei ist dem Bundesrat offenbar auch klar, dass sich das Nutzungsverhalten der Medienkonsumenten deutlich geändert hat, sei es, weil auch herkömmliche Inhalte mit immer mehr Geräten abgerufen werden können, sei es, weil die Trennung nach den klassischen Formaten Radio, Fernsehen und Print nicht mehr funktioniert – so bieten auch traditionelle Print-Unternehmen bei ihren Online-Auftritten Videos an, was früher Domäne der Fernsehsender war.

Diese Entwicklungen soll eine ausserparlamentarische Medienkommission im Auge behalten, die mit Vertretern und Vertreterinnen der Medienbranche und der Medienwissenschaft besetzt werden soll und dem Bundesrat als Beratungsgremium dienen soll.

Auch hier kommt Zustimmung von der SRG: „Der Medienplatz Schweiz ist in einem radikalen Umbruch und steht im globalen Wettbewerb vor gewaltigen Herausforderungen. Der Entscheid des Bundesrats, eine Kommission von Fachleuten für Medienfragen zu bilden, liegt im Interesse des Medienstandorts Schweiz“ erklärt Steiner. „ Die SRG ist und bleibt offen für bilaterale Kooperationen mit privaten Medienhäusern, wenn sie den Medienplatz Schweiz stärken und ein beidseitiges Interesse vorliegt.“

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