[Recycling] Bierflaschen zu Jeans! Oder doch lieber nicht?

19. Juli 2012 | by Bianca Appelmann

Heutzutage muss man wirklich sehr vorsichtig sein, will man den ökologischen Nutzen einer Recycling-Sache voll erfassen und dadurch in Relation setzen zu einem gleichen oder ähnlichen Produkt, das eben nicht aus recycelten Materialien besteht.

Ein gutes Beispiel: diese Jeans. Modisch kann sie gut mithalten, zumindest im Moment, denn Mode ist ja recht schnelllebig. Und sie erregt Aufsehen – nicht nur hier durch die Figur, die die Models in ihr machen, sondern durch ihre Limitiertheit auf 400 Stück und vor allem durch das Material. Das junge Modelabel I’m Not A Virgin mit Sitz in NYC verwendet für diese Hosen ein Gemisch aus jungfräulicher Baumwolle und recycleten Bierflaschen. Das Verhältnis von Baumwolle zu Glaswolle ist etwa 3:1.

Und hier ahnt man schon, dass es sich unter Umständen bei dieser Recycling-Jeans um etwas handelt, das zwar gut gedacht ist, aber in der Ausführung dann den eigentlichen Zweck – die Umwelt weniger zu belasten, sondern sogar zu entlasten – aus den Augen verliert. Die Firma wirbt damit, dass es mehr als eine Million Jahre dauert, bis eine Bierflasche tatsächlich verrottet ist. Nun, das mag stimmen.

Entscheidend ist jedoch, dass Glas zwar nicht unbedingt in die Natur gehört, doch wenn es da schon liegt, dann richtet es für die Umwelt eigentlich keinen Schaden an. Dann ist es so, dass Bierflaschen in ihrer Funktion als Bierflaschen sehr sehr oft wiederverwendet werden können. Und sollte eine mal zu viele Gebrauchsspuren haben, so wird sie eingeschmolzen und eine neue draus gemacht. Das ist bereits sehr umweltfreundlich. Diese Flaschen nun diesem bewährten Kreislauf zu entreißen – das kommt einem nicht vernünftig vor. Dazu kommen die Einflüsse auf die Umwelt durch den Transport und die verschiedenen Zerkleinerungs- und Schmelzvorgänge. Und das noch dazu bei einem Produkt, das von Haus aus eine sehr kurze Halbwertszeit hat, da es schnelllebigen Modetrends unterworfen ist.

Es nimmt also kaum Wunder, dass auch der Versuch der Firma, die sich übrigens gerade mit Richard Branson von der Virgin Group wegen des Firmennamens herumstreiten muss, dieses Projekt via Kickstarter zu finanzieren kläglich gescheitert ist. 100 000 Dollar hätten zusammenkommen sollen, etwas mehr als 11 000 Dollar sind es geworden – und recht viel mehr wird es wohl auch nicht mehr, denn die Kampagne ist so gut wie beendet.

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