[Music] Evolutionsmusik: Darwins Popsong – Tschüss, Mozart

25. Juni 2012 | by Mathias Rittgerott

Music notes

„Didi! Tidiridiridi! tidiridi!“ Erkannt? Stimmt, Mozart. Der genialen Schlawiner. Aber eigentlich braucht man ihn nicht, um schöne Musik zu genießen. Mozart ist überholt, jetzt kommt Darwin. Der perfekte Popsong entwickelt sich nämlich in einem evolutionären Prozess – aus Lärm. Das zumindest meint das Imperial College London.

Computeraffektive Musikfreunde dort haben sich nicht mit Subdominanten und 7/8-Rhytmen befasst, ihnen ist egal, ob das Klavier temperiert ist oder nicht. „Survival of the fittest“ statt Dreiklang. Sie spielten 7.000 Online-Probanten 100 Schnipsel Lärm vor, jeweils acht Sekunden lang. Die Hörer bewerteten die Geräusche von „Urg“ bis „wow“. Computer ließen die beliebtesten Tonfolgen überleben, die lärmigen starben aus.

„Wir glauben, dass sich Musik nach fundamentalen Gesetzen Darwins entwickelt“, sagt Evolutionsmusiker Armand Lerol. Mozart steigt aus der Ursuppe. Eine Vorstellung zum Gruseln.

Erstaunlicherweise klangen nach 3000 Generationen Lärmevolution plötzlich Trommelschläge aus dem Soundquark. „Obwohl wir keine Trommeln programmiert hatten, sagt Forscher MacCallum. Auf der Webpage von DarwinTunes darf man sich durch einige Klangbeispiele aus 900 Generationen hören. Aber Vorsicht: Kollegen fragen: „Ist alles OK bei dir?

Auch wenn der Klang angenehmer wird – hoffentlich nicht, weil sich das menschliche Gehör zurückentwickelt – dem Computer wird immer das Gespür fehlen, warum es Poper, Punker, Raver und Jazzer gibt, die einander verabscheuen. Manches Lied ist zudem Jahreszeiten unterworfen. Im Sommer ein Hit, im Winter als grässlich empfunden.

Die Forscher träumen davon, „fantastische Musik“ errechnen zu lassen. Dazu brauchen sie leistungsfähigere Computer, zusätzliche Evolutionshörer – und mehr als die paar Tausend Generationen Selektion. Mozart hat schon jetzt ausgedient. „Wir wollten wissen, ob man Komponisten braucht“, sagt Arnand Lerol: „Wir denken: Nein!“

[Link] [Link] [via] Photo: Emilyamimu via Flickr/cc

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