Zum 20. Geburtstag des Handys: Mein Baby mit den Kulleraugen …

11. Juni 2012 | by Mathias Rittgerott

fisher-price KInder telefon

Es war 1990, als ich mein erstes Autotelefon angeschafft habe. Es war ein Kindertelefon von Fisher Price. Das mit den Kulleraugen. Ich habe es in meinen alten, 175.00 Kilometer erfahrenen Passat in die Mittelkonsole eingebaut.

Mächtig Eindruck habe ich gemacht, wenn ich an einer roten Ampel demonstrativ den orangefarbenen Hörer an mein Ohr gedrückt habe. Überraschte, ehrfürchtige, neidische Blicke waren mir sicher. Echte Autotelefone waren damals eine Rarität; nur wichtige Menschen besaßen eins und zeigten damit, wie wichtig sie sind. Später habe ich mich aus der Telefonzelle hinaus durch die Produktpalette von Nokia gekämpft.

Mittlerweile habe ich auch ein Smartphone, nachdem ich mich jahrelang dagegen gewehrt hatte, ein Handy mit eingebauter Kamera zu kaufen, getreu dem bärtigen Witz: Was soll ich mit einem Foto von meinem Ohr? Jetzt begleitet mich mein iPhone bei jeder Autofahrt.

Obwohl es keine Kulleraugen hat, nenne ich es Baby. Es hat sich also etwas getan in den vergangenen zwei Jahrzehnten. Bei mir und generell.

Hoch offiziell wird nämlich in diesem Jahre der 20. Geburtstag des Handys begangen und gefeiert. Genau gesagt gingen 1992 die beiden D-Netze in den Äther. Die Deutsche Bundespost startete den Betrieb von D1, Mannesmann D2. Die mobile Telefonie wurde damit quasi demokratisiert. Ein C-Netz-Telefon für den Autokofferraum hatte  10.000 Mark gekostet, erste D-Modelle immerhin noch 2.500 Mark. Jetzt bekommen anspruchsarme Kunden Handys für durchschnittlich 74 Euro.

Mit diesem Preisvergleich erinnert die gfu – Gesellschaft für Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik – (siehe unten) an den Siegeszug der tragbar gewordenen Telefonhäuschen über die Anwendung in Autos in die Hände und Hosentaschen der Menschen. Die Gesellschaft freut sich deshalb darüber, weil sie die IFA veranstaltet. Ein Gutteil der Messebesucher kommt dorthin, um die neuesten Touchscreens in die Hand zu nehmen.

Ein Tipp für die, die nicht jährlich das neueste Gerät kaufen wollen: Das Fisher Price-Telefon ist für 11,95 Euro zu haben.

[www.gfu.de] Foto: command-tab via Flickr/cc

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Pressemitteilung *** 20 Jahre Handy – Vom „Knochen“ zum Smartphone

Mitte 1992 gingen die digitalen D-Netze an den Start und ermöglichten den Massenmarkt für mobile Kommunikation – Absatz von mehr als 18 Millionen Smartphones bringt 2012 über 6 Milliarden Umsatz

Das Handy feiert Geburtstag: Mitte 1992 gingen die beiden digitalen D-Netze D1, damals in Besitz der Deutschen Bundespost Telekom, heute Deutsche Telekom AG, und D2, damals in Besitz von Mannesmann Mobilfunk, heute Vodafone, an den Start. Sie legten die Basis für die mobile Massenkommunikation in Deutschland. Stand damals die reine Telefonie im Vordergrund des Interesses, so sind heute multimediale Anwendungen und mobiler Internetzugriff an der Tagesordnung. Beeindruckend sind die Verkaufszahlen für Mobiltelefone und Smartphones damals wie heute. „Die Erfolgsgeschichte der Mobiltelefone zeigt eindrucksvoll, wie mit attraktiven Geräten und zusätzlichen Anwendungsmöglichkeiten neue Märkte geschaffen werden“, erklärt Dr. Rainer Hecker, Aufsichtsratsvorsitzender der gfu – Gesellschaft für Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik, Frankfurt.

Vorausgegangen waren den beiden D-Netzen das A- (bereits ab 1958), B- (Anfang der 70er Jahre) und das C-Netz (ab 1985). Alles analoge Netze, die allein aufgrund der Kosten für Dienst und Geräte eher professionellen Anwendern vorbehalten waren. Die Abmessungen der damaligen Geräte taugten gerade so für die Installation im Auto. Nicht selten war der Kofferraum als Einbauort für Sende- und Empfangsteil gefragt.

Das erste kommerzielle Mobiltelefon kam 1983 von Motorola auf den Markt. Aufgrund seiner Größe und Form wurde es liebevoll „Knochen“ genannt. Nicht nur die sperrige Form, auch die Betriebsdauer waren verbesserungswürdig: Eine Akkuladung reichte für rund eine Stunde Betrieb. Den großen Durchbruch feierten die Handys, wie die mobilen Telefone bald in Deutschland genannt wurden, erst Anfang der 90er Jahre. 1992 einigten sich 26 europäische Telekommunikationsunternehmen auf den digitalen GSM-Standard (GSM = Global System for Mobile Communications), der die zweite Mobilfunkgeneration startete und auch heute noch verwendet wird.

Die vor 20 Jahren ganz neue Freiheit, praktisch überall und drahtlos telefonieren zu können, überzeugte schnell. Zudem gab es immer neue ergänzende Funktionen. 1995 wurde der Short Message Service, besser bekannt unter SMS, eingeführt. Wohl niemand ahnte zu

dieser Zeit, dass SMS, speziell bei Jugendlichen, bis heute noch beliebter ist als das Telefonieren.

Die Industrie sorgte mit immer kleineren, leistungsfähigeren und vor allem auch immer perfekter gestylten Geräten für stetig steigende Nachfrage. Auch hat heute kaum ein Handy noch eine sichtbare Antenne, die anfänglich unumgänglich war.

Mit dem Multimedia Messaging Service wurde das Handy 2002 Multimedia fähig und kann seitdem auch Bilder übertragen. Mit UMTS (Universal Mobile Telecommunications System) startete 2004 die dritte Mobilfunkgeneration. UMTS ermöglicht eine schnellere Datenübertragung über die entsprechenden Mobilfunknetze. Die Versteigerung der UMTS-Lizenzen sorgte 2003 für großes Aufsehen.

Dem gesteigerten Datenvolumen bei der mobilen Nutzung begegnen die Mobilfunkbetreiber mit dem Ausbau ihrer Netze. Die neue Technologie LTE (Long Term Evolution) ermöglicht im Vergleich zu den etablierten UMTS-Netzen eine fast siebenmal schnellere Datenübertragung mit bis zu 100 Megabit pro Sekunde. Erste LTE-Smartphones wurden bereits vorgestellt.

Stand anfangs die reine Telefonie, also die Sprachübertragung, im Fokus, so sind es heute multimediale Anwendungen und Dienste sowie der mobile Internetzugriff, die Handys und Smartphones attraktiv machen. Zudem sind immer mehr Funktionen in die Mobiltelefone „gewandert“. Digitale Kameras, MP 3-Player, die Wiedergabe von Bildern und Filmen, mobiler Internetzugang, Navigationsfunktionen und Radioempfang gehören aktuell bei vielen Geräten zur Standardausstattung. So haben die Smartphones, intelligente Mobiltelefone mit Internetzugriff und zahlreichen multimedialen Funktionen, die klassischen Mobiltelefone beim Absatz im Jahr 2011 mit 14,5 gegenüber 10,7 Millionen Stück erstmals überflügelt.

„Für 2012 erwarten wir mit 18 Millionen Smartphones (+ 26 %) einen Absatz in mehr als der doppelten Höhe wie Mobiltelefone (8 Mio. Stück). Dies führt zu einem Umsatzvolumen von mehr als sechs Milliarden Euro in diesem Segment“, prognostiziert Dr. Hecker.

Der Erfolg hat seine Ursachen in Konsumenten freundlichen Preisen. Kosteten das erste Mobiltelefone 1983 noch stolze 4.000 US-Dollar und die C-Netz-Autotelefone mehr als 10.000 DM, so war der Einstieg in der Anfangszeit der D-Netze für ca. 2.500 DM schon deutlich günstiger zu haben. 2011 lag der Durchschnittspreis der verkauften Smartphones in Deutschland ohne Subvention eines Netzbetreibers bei 354 Euro, für herkömmliche Mobiltelefone bei 74 Euro. Die Geschäftsmodelle der Netzbetreiber, mit Subventionen für preisgünstige Geräte zu sorgen, trugen maßgeblich zu den Verkaufserfolgen und dem Marktwachstum bei.

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Kommentare (2)

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