Qualcomm iQ 2011, Istanbul: Im Sternzeichen des Snapdragon

15. September 2011 | by Fritz Effenberger

Das US-Mobilkommunikations- und Technologieunternehmen Qualcomm präsentierte am 13. und 14. September seine Produktpalette und Entwicklungsvisionen, und das passend zur Zukunftsträchtigkeit des gezeigten Portfolios in der eurasiatischen Handelsdrehscheibe Istanbul, Hauptstadt der weltweit zweitschnellst wachsenden Wirtschaftsnation. Direkt am Bosporus gab es grundsätzliche Ausblicke und das eine oder andere neue Detail zum Qualcomm-Unternehmensprofil zu erfahren.

Die Keynote von Chairman und CEO Dr. Paul E. Jacobs kündete von Selbstbewusstein in Zeiten drohender Krisensignale (eine tatsächliche Wirtschaftskrise lässt sich derzeit auch von erfahrenen Finanzmanagern beim besten Willen nicht herbeireden) und dem Willen zur weiteren Diversifizierung in Zukunftstechnologierichtungen. Kurze Pause für eine kleinere Überraschung: Die flotten Qualcomm-Snapdragon-Mobilprozessoren auf ARM-Grundlage dienen bereits als Developer-Plattform für das brand-aktuell offiziell angekündigte Microsoft Windows 8. Zumindest haben wir hier eine handfeste Bestätigung für die anstehenden Redmonder Pläne, die damit den schwebenden Vaporware-Status klar hinter sich gelassen haben.

Auffällig am Qualcomm-Produkt-Line-Up ist einerseits die Zweigesichtigkeit mit der soliden Hardware-Säule ein-, zwei- und vierkerniger Snapdragons unterschiedlichster Leistungklassen und Anwendungszielrichtungen (S1 bis S4), und andererseits der generellen Forschungseuphorie des Unternehmens, das ein knappes Fünftel, oder 23 % des Jahresumsatzes in Research und Development umleitet und sich dabei den scheinbaren Luxus zahlreicher nicht im engeren Sinn kommerzieller Produkte leistet. Die auch mal gerne unter OpenSource-Lizenz und kostenlos weitergegeben werden. What?

Ganz richtig: Wie man eigentlich von Apple lernen kann, ist das Ökosystem die Botschaft. Ein Unternehmen gewinnt dann beträchtliche (und für die Konkurrenz bedrückende) Marktanteile, wenn es ihm gelingt, um seine Kernprodukte herum eine vielköpfige Population begeisterter Nutzer, Verwerter und Entwickler aufzuziehen. Mit 3D-Fähigkeit der Snapdragon-Handy-Chips plus den dazu gehörigen Software-Developer-Kits, Proximity-P2P-Technik AllJoyn (endlich illegales Schulhof-Filesharing per Handy oder notwendige zivilisatorische Entwicklungsstufe?), Nutzung bestehender Mobilfunktechnik für die Live-Übertragung von Gesundheitsdaten zu den richtigen Adressaten, erstmalige Integration von Glonass-Geosatelliten (die russische GPS-Version) für schnellere und präzisere Peilung, automatisierte Notrufsysteme für Kraftfahrzeuge in Europa (eCall), oder Lastverteilungssysteme für unterschiedliche Kommunikationsnetztypen wie Powerline, LTE oder HSPA+ liegt ein weites Interessenspektrum der damaligen CDMA-Entwickler vor.

Hier zeigt sich allerdings auch der Vorsprung eines Technologieunternehmens vor reinen Herstellern von Endprodukten – wenn die Forschungskompetenz sowohl Consumergeräte als auch umfassende Kommunikationsinfrastruktur umfasst, sollten für beide Abnehmergruppen Vorteile drin sein. Soviel haben die zwei Tage am Bosporus gezeigt: Um Qualcomm müssen wir uns für die Zukunft wohl keine Sorgen machen.

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