[TestFever] Das neue Apple-Betriebssystem Mac OS X Lion im Test: Mac meets iPad

3. August 2011 | by TechFieber.de

[TestFever] Apple Mac OS X Lion im Test

Apple bringt mit seinem neuen Betriebssystem Mac OS X Lion Technologien und Bedienkonzepte des erfolgreichen Tablet-Computers iPad auf den Macintosh. Mac-Anwender sollten vor einem Upgrade allerdings prüfen, ob ihr System für den Umstieg bereit ist.

Erfahrene Macintosh-Anwender kennen das schon: Alle zwei Jahre aktualisiert Apple sein Betriebssystem Mac OS X. Doch während es sich im Jahr 2009 mit dem System Mac OS X Snow Leopard im Prinzip nur um ein Wartungsupdate ohne spektakuläre Änderungen gehandelt hat, wagt der kalifornische Computerhersteller mit Mac OS X Lion wieder einen großen Wurf. Beflügelt vom Erfolg des iPads bedient sich Apple der Ideen, die in dem Mobilsystem iOS umgesetzt wurden. Ähnlich wie beim iPad können Mac-User nun mit Gesten navigieren. Das neue System übernimmt aber auch iOS-Konzepte für das einfache Abspeichern von Dateien oder den Umgang mit E-Mails. Die dpa-Themendienst-Redaktion hat das System angeschaut und ausprobiert.

Schon bei der Installation des Systems auf einem Mac mit dem Vorgängersystem Snow Leopard geht Apple ganz neue Wege. Das neue Lion-System wird nämlich für knapp 24 Euro online über den Mac App Store vertrieben. Dabei handelt es sich quasi um ein Familienpaket, denn Apple erlaubt die Installation auf beliebig vielen Macs in einem Haushalt. Wer nicht über einen Breitband-Internet-Anschluss verfügt, um sich die 3,6 Gigabyte große Installationsdatei in einer angemessenen Zeit aus dem Netz zu laden, kann bei Apple für 59 Euro einen USB-Stick mit Lion kaufen. Die DVD hat aber endgültig als Installationsmedium ausgedient.

Unmittelbar nach der Installation wird eine zweite gravierende Änderung spürbar: Apple hat die Scrollrichtung umgedreht. Bislang wird ein Fensterinhalt nach oben verschoben, in dem man mit der Maus den Scrollbalken nach unten zieht oder das Scrollrad auf der Maus in Richtung Hand dreht. Bei Lion funktioniert das nun umgekehrt – von der Logik her wie beim iPad. Man gewöhnt sich an die neue logische Bewegungsrichtung schon nach kurzer Zeit. Traditionalisten oder Anwender, die parallel auch mit einem Windows-PC arbeiten und beim Scrollen nicht ständig zwischen zwei Systemen umdenken wollen, können Lion auf die gewohnte Benutzungsweise umstellen.


Ohnehin geht Apple davon aus, dass die Maus künftig eine weniger wichtige Rolle bei der Navigation innerhalb der Dokumente und bei der Bedienung des gesamten Systems einnimmt. Stattdessen sollen die Anwender Multi-Touch-Gesten verwenden und mit Fingern über das Touchpad eines MacBooks oder das «Magic Trackpad» für Desktop-Macs streichen. Viele Gesten sind iPad-Anwendern bekannt und sehr intuitiv. Andere Gesten, etwa für den Start eine Programmauswahl, können mit Hilfe eines kleinen Video-Tutorials erlernt werden.

Besitzern eines iPads wird auch die neue System-Funktion «LaunchPad» bekannt vorkommen, mit dem man den Zugriff auf die installierten Programme abkürzen kann. Bislang konnten Mac-Anwender eine Auswahl der am häufigsten benutzten Apps mit einem Icon im Dock am Bildschirmrand verankern und mit einem Klick starten. Der Rest konnte über ein Stöbern im Ordner «Programme» oder die Suchfunktion «Spotlight» aufgerufen werden. Mit dem Klick auf das LaunchPad-Symbol im Dock blendet Lion alle geöffneten Programme aus und zeigt eine bildschirmfüllende Ansicht aller Anwendungen.

Diese Darstellung sieht so aus wie die App-Übersicht auf dem iPad und kann wie auf dem Apple-Tablet sortiert werden. Wer sehr viele Programme auf dem Mac installiert hat, kann hier aber leicht die Übersicht verlieren, wenn er nicht konsequent aufräumt. Diese Power-Anwender sind dann mit der Suche über Spotlight besser bedient.

Möchte man im laufenden Betrieb alle geöffneten Fenster und Anwendungen auf dem Mac quasi aus der Vogelperspektive sehen, kann man nun die neue Funktion «Mission Control» aufrufen. Oben am Bildschirmrand erscheint dann eine Reihe mit Miniaturen. Sie zeigen das Dashboard (eine Seite mit Miniprogrammen wie Taschenrechner oder Wettervorhersage), den Schreibtisch und alle im Vollbildmodus geöffneten Programme. Direkt darunter erscheinen dann alle offenen Fenster auf dem Schreibtisch, gruppiert nach den dazugehörigen Apps.

Vom iPad-Erfolg lernen soll das neue Mac-System auch beim Umgang mit Dateien. Bislang müssen die Anwender beim Mac (wie beim Windows-PC) das Speichern selbst vornehmen und dabei den Speicherort der Daten festlegen. Wenn eine Software auf Lion angepasst wurde, werden Änderungen an einem Dokument alle fünf Minuten automatisch gespeichert, ohne dass sich der User darum kümmern muss. Das System sichert dabei nur die Änderungen an dem Dokument, anstatt zusätzliche Kopien zu erstellen.

Ähnlich wie beim Backup-System «Time Machine» können dann die verschiedenen Versionen eines Dokuments durchblättert und bei Bedarf wiederhergestellt werden. Möchte man ein Dokument als Vorlage nutzen, kann man mit der Funktion «Duplizieren» eine Kopie des Originals erstellen.

In einem harten Schnitt verabschiedet sich Apple mit Lion aus dem Zeitalter der PowerPC-Chips. Nach dem Umstieg auf die x86-Prozessoren von Intel hatten die Entwickler in Mac OS X die Funktion «Rosetta» eingebaut, mit der auf einem Intel-Rechner Programme zum Laufen gebracht werden konnten, die eigentlich für die PowerPC-Architektur geschrieben worden waren. In Lion sucht man die Rosetta-Umgebung vergebens, so dass ältere PowerPC-Software erstmals unter Mac OS X nicht mehr gestartet werden kann.

Daher sollten Anwender vor der Installation von Lion zunächst überprüfen, welche Programme auf ihrem Mac künftig nicht mehr laufen werden. In etlichen Fällen reicht es aus, die betroffenen Apps auf eine aktuelle Version zu aktualisieren. Manchmal dauert es aber noch etwas, bis die Hersteller der Anwendungssoftware ihre Programme auf das neue System angepasst haben.

<p>Eine Schonfrist von einigen Wochen sollten vielleicht aber auch diejenigen Macintosh-Anwender in Betracht ziehen, die sich keine Sorgen um alte Rosetta-Programme machen müssen. In der ganz frischen Version von Mac OS X Lion stecken nämlich noch einige Fehler. So erwies sich der Apple-Browser Safari in unserem Test als deutlich langsamer als vor dem Upgrade und auch im Vergleich zu den konkurrierenden Browsern Firefox und Chrome. Mac-Anwender können jedoch damit rechnen, dass Apple diese Fehler in absehbarer Zeit mit einem ersten Update ausbügeln wird.

Mac OS X Lion läuft auf allen Macs mit einer x86-64 CPU (Intel Core 2 Duo, Intel Core i3, Intel Core i5, Intel Core i7 oder Xeon-Prozessor), mindestens zwei Gigabyte Hauptspeicher und 7 Gigabyte freiem Platz auf der Festplatte. Um das System auf dem Mac Store herunterladen zu können, benötigt man ein System mit Mac OS X Snow Leopard (10.6.6 oder neuer).

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