[IFA] Wachstumseuphorie, iZone und wieder mal 3D: Die IFA-Preview 2011 lässt tief blicken

19. Juli 2011 | by Gerhard Bachleitner

Schminkspiegel mit 55 Zoll Diagonale von Sony - Tatsächlich: er liefert ein kontrastreiches Bild in 3-D

Anfang September, vom 2. bis 7.9., ist es wieder soweit: Die Internationale Funkausstellung, mittlerweile als IFA fast besser bekannt, lädt zum Branchentreff nach Berlin unter den Funkturm. Die Presse durfte vorab schon mal ein wenig hinter die Kulissen blicken, auf der IFA-Preview Anfang Juli in München.

Die Messeleitung, vertreten durch Jens Heithecker, verbreitete erneut Wachstumseuphorie. Der Anmeldestand zur IFA 2011 sei beeindruckend. Man werde in diesem Jahr wieder mehr temporäre Hallen bauen müssen. Zwei im Vorjahr neu eingeführte Plattformen werden erfolgreich weitergeführt, die dem Apple-Universum gewidmete iZone und der Marktüberblick bei den elektronischen Büchern und Lesegeräten: eLibrary.

Ebenfalls fortgeführt wird die im Vorjahr lancierte DisplaySearch Business Konferenz, die Veränderungen innerhalb des Tablet-Computer-, TV- und Heimvideo-Marktes untersucht. In dieser Fachkonferenz am Ende der IFA erregen besonders folgende Diskussionen Neugier und Interesse:

TV-Features: Welche Eigenschaften wünscht sich der Konsument mit dem nächsten Fernsehgerät?

Können TV und Tablet-Computer koexistieren? Heben sie sich gegenseitig auf oder wird das Heimvideo-Erlebnis neu definiert?

Die Hausgeräteindustrie, die sich auf der IFA inzwischen gut eingelebt hat, bietet „Komfort, Lifestyle, Wellness und Gesundheit für zuhause.“

Natürlich wird auch Unterhaltungsprogramm im Sommergarten geboten, mit dem zurückgekehrten Roland Kaiser, dem Pop-Duo Ich + Ich und den Neuen DeutschPoeten Clueso & Band, Wir sind Helden, Philipp Poisel, Max Prosa, Bourani und Kraftklub.

3-D wird alltäglich im Fernseher

Die Frage, wohin die Entwicklung der Fernsehgeräte im Zeichen von 3-D und Internetanbindung geht, bleibt spannend und wird den IFA-Besucher mit unterschiedlichen Antworten konfrontieren.

Der deutsche Nobel-Hersteller Loewe, der ansonsten mit seiner Individual-Baureihe das bewährte Individualisierungskonzept fortführt, überraschte mit der entschlossenen Ankündigung, das ganze Produktsortiment bis zu 32-Zoll hinunter 3-D-fähig zu machen. Für einen Hochpreisanbieter ist eine solche Strategie allerdings auch leichter umzusetzen, als für einen Generalisten mit einem Niedrigpreissegment.

Ansonsten machen sich die Hersteller vermehrt Gedanken, wie es mit 3-D technisch weitergehen soll. Toshiba lehnt sich mit einem autostereoskopischen Ansatz am weitesten aus dem Fenster und will zur IFA zumindest etwas ankündigen. Trotzdem wird die brillenlose Technik auf absehbare Zeit teuer und mit Einschränkungen behaftet bleiben.

Gewisse Schwierigkeiten bei der Verschlussbrillen-Technik lassen jetzt die Polarisationsbrillen als ernst zu nehmende Alternative erscheinen. Diese Brillen kosten nur ein Zehntel, und die Anpassung des Monitors an eine polarisierte Abstrahlung erweist sich offenbar als vergleichsweise einfach.

Man geht Geisterbildern und dem Übersprechen der Kanäle aus dem Weg. Als Manko bekommt man eine halbierte Auflösung. Das ist einerseits eine erhebliche Einbuße, aber auch bei der bisherigen Übertragung „side-by-side“ werden die Bilder ja horizontal auf die Hälfte gestaucht. Die Einbuße ist auch nicht mit einer Halbierung der Auflösung eines 2-D-Bildes zu vergleichen. Trotzdem sollte sich der Interessent künftig die Werbeaussagen genau anschauen.

Philips steckt hier vermutlich die Richtung ab – mit der Deklarierung 3D-Max für die aktive Brille und Easy-3D für die passive Brille. Ersteres bietet ultimatives 3-D-Erlebnis, letzteres bestes Seherlebnis. Toshiba liegt auf der gleichen Linie. Neu bei Philips ist außerdem das Angebot, beiderlei Brillen mit Korrekturgläsern zu bekommen, wofür man mit einem Optiker zusammenarbeitet. Der Preisunterschied der Brillen schrumpft dann aber auf 200 zu 100 Euro.

Eine intelligente Ansteuerung „aktiver“ 3-D-Fernseher hat man sich für Computerspieler ausgedacht. Jeder bekommt sein eigenes Spielfeld auf den Bildschirm gelegt, und zwar gleichzeitig mit demjenigen des Partners. Dies entspricht jenem Verfahren, wenn man den 2-Kanal-Ton nicht für Stereo, sondern für zwei verschiedene Sprachen benutzt. Neben dieser klugen Detaillösung sind die Philips-Ingenieure auch noch auf eine Kuriosität verfallen, die sich abwegig anhört, aber wiederum der Bildqualität dient: ein Mottenaugenfilter. Wozu die Motte diese Augenanatomie braucht, wissen wir nicht, aber bei Philips erhöht diese Oberflächenstruktur den Kontrast um den Faktor zehn und bringt, wie nicht anders zu erwarten, „das schwärzeste Schwarz und das weißeste Weiß“.

LG propagiert am entschiedensten das Polarisationskonzept und trifft mit der Überschrift „Technik, die polarisiert“ auch genau den Nerv der Diskussion. Ansonsten setzt LG eine neue Nano-Technologie ein, um die Gehäusetiefe klein zu halten, und bietet für Spieler das gleiche 2-Kanal-Verfahren wie Philips an. Alle Hersteller feilen an der 2-D-3-D-Konvertierung. Philips läßt damit auch Schwarzweiß-Klassiker „lebendiger und realistischer“ erscheinen. Samsung bietet 3-D zum Nachrüsten mit einem HD-Festplattenrekorder und einem 3-D-fähigen Bluray-Spieler.

In der Fortsetzung der Gerhard-Bachleitner-Serie zur IFA Preview geht es hier in den nächsten Tagen um den Teufel (und die Perfektion), die im TV-Detail stecken und die Netzanbindung der Geräte … Also: dranbleiben!

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Alle Beiträge zur IFA Preview 2011 gibt es hier.

[Photo: Messe Berlin]

TechStats

Philips Firmenname: Royal Philips Electronics
Im Internet: www.philips.com, www.philips.de
Hauptsitz: Amstelplein 2, 1096 BC Amsterdam, Niederlande
Gegründet: 1891
Management: Frans van Houten (President & CEO)
Umsatz: 23,2 Milliarden Euro (2009)
Mitarbeiter: Etwa 116.000 weltweit

Royal Philips Electronics mit Hauptsitz in den Niederlanden ist ein Unternehmen mit einem vielfältigen Angebot an Produkten für Gesundheit und Wohlbefinden. Als Unternehmensziel gibt der Konzern an, die Lebensqualität von Menschen durch zeitgerechte Einführung von technischen Innovationen zu verbessern. ... Weiterlesen

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Comment (1)

  1. beco-tec.de says:

    […] Ansonsten setzt LG eine neue Nano-Technologie ein, um die Gehäusetiefe klein zu halten, und bietet für Spieler das gleiche 2-Kanal-Verfahren wie Philips an. Alle Hersteller feilen an der 2-D-3-D-Konvertierung. … Alles zu diesem Thema ansehen » […]

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