[Datenschutz] Entwickler von Smartphone-Apps im Visier der Datenschützer

17. Mai 2011 | by TechFieber.de

[Datenschutz] Entwickler von Smartphone-Apps im Visier der Datenschützer

Noch immer schlägt die Ortsdatenspeicherung in den Mobilfunkgeräten von Apple, die vor wenigen Wochen von einem Ex-Apple-Mitarbeiter aufgedeckt wurde, hohe Wellen. Neben dem iPhone-Hersteller muss sich auch Google vor dem US-Kongress wegen seiner Datenschutzpraktiken bei Mobiltelefonen verantworten.

Doch die kontroverse Speicherung der Ortskoordinaten vom jeweiligen Aufenthaltsort eines Smartphone-Anwenders zieht noch weitere Kreise. Denn natürlich haben auch die Mobilfunkdienste detaillierte Informationen über den Aufenthalt und die Ortswechsel ihrer Kunden, da die Teilnehmer an jeder Basisstation, mit der sie in das Funknetz verbunden sind, ihren digitalen Fingerabdruck hinterlassen.

Mehr Sorgen aber bereiten den Datenschützern die riesigen Datenmengen, die von der schnellwachsenden Riege der Applikations-Entwickler und von mobilen Marketingdiensten gesammelt werden. Diese Branchen sind weitgehend unreguliert. Die Apps dieser Programmierer verlangen zunehmend nach Kontakt und Ortsdaten der Handy-Benutzer – häufig ohne die mindeste Auskunft darüber, wofür diese Daten gebraucht und wo sie gespeichert werden.

Unzählige Firmen ohne jede Kontrolle

«Unzählige Firmen ohne jede Kontrollorganisation nutzen massenweise sensible Daten über uns,» warnt Justin Brookman, Direktor der Datenschutzvereinigung Center for Democracy and Technology. «Und sie haben überhaupt keine Auskunftspflichten über Art und Dauer der Verwendung oder wem sie Daten weitergeben.»

Auch andere Verbraucherschützer argwöhnen daher wie Brookman, dass die erfassten Daten für ganz andere als die ursprünglichen technischen Zwecke eingesetzt werden. Versicherungen etwa könnten Aufzeichnungen über Aufenthaltszeiten und -orte verwenden, um die Schadensdeckung von Fahrzeugen abzulehnen oder aber höhere Prämien von Kunden verlangen, wenn sie sich häufiger in Gegenden mit hoher Kriminalitätsrate begeben. Für Handy-Nutzer, die sich öfter in luxuriösen Einkaufszentren aufhalten, könnten Einzelhändler ihre Preise erhöhen. Und schließlich, so die Sorge der Bürgerrechtler, könnten auch Behörden in den Daten der Anwender schnüffeln. Damit wäre der an sich sinnvolle Zweck der erfassten Lokalisierungdaten weit überschritten.

Firmen beteuern Anonymität der Datensammlung

Die Ortsdaten von Mobiltelefonen werden von den Netzbetreiben zunächst für Notfälle erfasst. Über spezielle Service-Angebote können Kunden, die über mehrere Telefone verfügen, damit aber auch Familienangehörige oder Mitarbeiter ausfindig machen. Handy-Hersteller wie Apple und Google legen mit eigens erfassten Aufenthaltsdaten außerdem Datenbanken an, um «Crowd-Sourcing-Informationen» über bestimmte Orte zu liefern, beispielsweise die Verkehrssituation eines Autobahnabschnitts oder einer Straßenkreuzung. Beide Firmen beteuern, diese Daten seien vollkommen anonym. Trotzdem müssen Apple und Google derzeit vor dem Untersuchungsausschuss des US-Kongresses Rede und Antwort stehen.

Bei Netzbetreibern ist die Datenweitergabe weitgehend reguliert: US-weite Gesetze schreiben genau vor, wie Provider die erhobenen Ortsdaten und andere geräte- und kundenabhängige Informationen nutzen dürfen. Die Mitteilung an Dritte ohne ausdrückliche Zustimmung des Kunden ist streng untersagt.

Keine Gesetze für Softwarehersteller

Von den Gesetzen praktisch unberührt sind aber die Hersteller der Handy-Systemsoftware. Apple und Google verlangen von App-Entwicklern zwar, dass sie von Kunden die Erlaubnis zur Ortsregistrierung einholen müssen. Die Erfassung der jeweiligen Aufenthaltsdaten kann dabei vom Anwender in den Handy-Betriebssystemen an- und abgeschaltet werden. Apps lassen dem Nutzer aber typischerweise nur zwei Wahlmöglichkeiten: dem Programm die Ortskoordinaten zu geben oder zu verweigern. Eine Mitsprache darüber, was mit den Informationen geschehen soll, ist nicht vorgesehen. Diese Undurchsichtigkeit stößt vielen Datenschützern mittlerweile sauer auf.

«Es ist für normale Anwender hoffnungslos, eine informierte Entscheidung über die Art der Verwendung eigener Daten treffen zu wollen,» klagt Informatik-Professor Arvind Narayanan, der sich an der Universität Stanford mit Datenschutz befasst. Die meisten Smartphone-Kunden würden ortsbezogene Dienste zwar schätzen, um nahegelegene Geschäfte oder Restaurants zu finden. Den meisten wäre aber unbehaglich, wenn sie wüssten, wie lange die Daten gespeichert bleiben und an wen sie weitergegeben werden, glaubt John Simpson von der Verbraucherorganisation Consumer Watchdog: «Die Leute wissen gar nicht, was mit ihren Daten geschieht, denn die werden ohne ihr Wissen einfach aufgesogen.»

wat/dapd

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