[Feature] SSD-Festplatten: Flotte und robuste Speicherlinge – aber leider noch richtig teuer

23. Februar 2011 | by Reah

SSD Speicher  Sandisk Onboard iSSD

Klicken, warten – klicken, warten: Mit SSD-Festplatten soll das ein Ende haben. In Smartphones und MP3-Playern werden Flash-Speicher – daraus bestehen SSD-Platten – schon länger eingesetzt. Jetzt sollen die schnellen Massenspeicher den Markt erobern.

Herkömmliche Festplatten rotieren: Lese- und Schreibköpfe nehmen Gespeichertes ab oder schreiben neue Daten auf die Magnetscheiben. Für Computer ist diese Technologie gut geeignet, für Smartphones oder MP3-Player, die mitunter heftig bewegt werden, eher nicht. Deshalb arbeiten in mobilen Geräten meist digitale Speicherchips, sogenannte Flash-Speicher. Mehrere solcher Speicherbausteine mit einem Controller und entsprechender Schnittstelle in einem Gehäuse werden SSD-Festplatten genannt. SSD steht für Solid State Disk, zu Deutsch also etwa Festkörperlaufwerk.

Mittlerweile sind SSD-Festplatten immer öfter in Rechnern zu finden, vor allem in Notebooks, aber auch in Desktop-PCs. SSD-Platten sind allerdings noch deutlich teurer als herkömmliche Festplatten. Schon eine relativ kleine SSD mit 128 Gigabyte Speicherplatz kostet gut 200 Euro. «Die technische Entwicklung ist bei SSD-Festplatten noch nicht abgeschlossen», sagt Prof. Thomas Mikolajick, Professor für nanoelektronische Materialien an der Technischen Universität Dresden. Die Datendichte der Speicherchips werde in den kommenden Jahren weiter steigen.

Je höher die Datendichte, desto mehr Daten passen auf einen Speicherbaustein – wodurch wiederum der Preis sinkt. «Bei den ganz hohen Kapazitäten wird SSD-Speicher aber immer teurer bleiben», sagt Mikolajick. Herkömmliche Festplatten mit einer Kapazität von einem Terabyte (1000 Gigabyte) gibt es zurzeit schon für etwa 60 Euro.

Ein weiteres Problem von SSD-Speicher ist die Lebensdauer – nach mehreren Tausend Schreibvorgängen verlieren die einzelnen Bausteine die Fähigkeit, Daten aufzunehmen. «Die Daten bleiben aber immer lesbar», sagt Mikolajick. «Und die Festplatten-Controller sind so programmiert, dass die einzelnen Bausteine möglichst gleichmäßig beschrieben werden.» Außerdem gebe es bei SSD-Speicher, im Gegensatz zu herkömmlichen Festplatten, keinen mechanischen Verschleiß.

Der große Vorteil von SSD-Speicher ist seine höhere Geschwindigkeit. Das gilt aber nicht überall, sagt Mikolajick: «Schneller ist SSD-Speicher vor allem, wenn er in kurzer Folge auf mehrere Dateien zugreifen muss.» Das deckt sich auch mit den Erfahrungen von Christian Vilsbeck, der für «Tecchannel.de» mehrere SSD-Festplatten getestet hat. «Wenn ich mit mehreren anspruchsvollen Programmen gleichzeitig arbeite, reagiert SSD deutlich flotter», sagt er. «Das ist dann einfach ein flüssigeres Arbeitsgefühl.»

Noch wichtiger als die Geschwindigkeit ist für Vilsbeck aber der lautlose Betrieb von SSD-Speichern ohne Rotations- oder Zugriffsgeräusche. «Ein Notebook mit SSD-Festplatte ist sehr viel leiser, auch weil die Festplatte nicht so viel Hitze entwickelt.» So müsse der Lüfter nicht dauernd laufen, was die Bedienung des Notebooks angenehmer mache. Außerdem seien SSD-Festplatten robuster und könnten auch mal kleinere Stürze überleben.

«Alles in allem sind SSD-Festplatten die ideale Lösung für mobile Geräte», sagt Vilsbeck. Beim Kauf eines Net- oder Notebooks ist auch der Preisunterschied nicht mehr so groß: Bei Platten bis zu einer Größe von 256 Gigabyte liegt er zwischen 100 und 150 Euro. Für stationäre Computer bleiben SSD-Festplatten aber Luxusprodukte. Zwar ist es grundsätzlich möglich, SSD- und Magnetscheibenplatten nebeneinander zu installieren. Vilsbeck warnt aber: «Von den Vorteilen bei Tempo und Lautstärke bleibt dann nicht mehr viel übrig.»

Mittlerweile gibt es auch sogenannte Hybridfestplatten, die normale Magnetspeicherplatten mit einem kleinen Flash-Speicher kombinieren. So eine Harddisk lagert oft genutzte Programme in diesen Speicher aus und beschleunigt die Zugriffsgeschwindigkeit.

«Hybridfestplatten sind noch Nischenprodukte», sagt Rudolf Aunkofer von der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK). Zurzeit gilt das auch noch für SSD-Festplatten. Ihr Marktanteil beträgt nach GfK-Angaben etwa drei Prozent. Aunkofer glaubt aber, dass sich das ändern wird: «Der Markt für Notebooks und Tablet-Computer wächst.» Damit werde auch das Marktvolumen von SSD-Speichern wachsen, was wiederum für sinkende Preise sorge. Wann das genau passiert, sei aber schwer vorherzusagen: «Mit mindestens zwei Jahren würde ich schon rechnen.»

In welchen Größen gibt es SSD-Festplatten?

SSD orientieren sich an den bereits etablierten Größen für Festplatten. Wer seine Harddisk austauscht, sollte sich den Formfaktor merken. «Die mit Abstand meisten SSD-Festplatten sind 2,5 Zoll groß», erläutert Christian Vilsbeck von «Tecchannel.de». Deshalb sei das Preis-Leistungsverhältnis bei diesen Modellen auch am besten. Die 2,5-Zoll-Modelle passen auch in normale PCs. Es gibt SSD-Festplatten aber auch in einer Größe von 3,5 oder 1,8 Zoll.

Foto: Sandisk SSD-Speicher / Sandisk

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