YouTube-Film “Life in a Day”: Ridley Scott und Kevin Macdonald zeigen das Leben als Mosaik

28. Januar 2011 | by Denise Kohmann

YouTube-Film “Life in a Day”: Ridley Scott und Kevin Macdonald zeigen das Leben als Mosaik

Es ist ein Film, wie es ihn noch nie gegeben hat: «Life in a Day» besteht komplett aus Aufnahmen von Nutzern der Online-Videoplattform YouTube. Alle von einem ganz bestimmten Tag, dem 24. Juli 2010.

Die Video-Website, die zum Internet-Riese Google gehört, hatte ihre Nutzer Anfang Juli aufgerufen, für das Projekt aufregende, aber auch ganz gewöhnliche Szenen aus ihrem Leben hochzuladen.

Für Deutschland bekam das ausgewählte Datum eine besondere Bedeutung: Auf diesen Tag fiel die Loveparade in Duisburg, bei der 21 Menschen in einer Massenpanik ihr Leben verloren. Die Szenen aus Duisburg zählen zu den dramatischsten in dem rund 90-minütigen Film. Denn man weiß: Hier ist alles echt.

Rund 80 000 Menschen weltweit haben sich an dem globalen Video-Projekt beteiligt. Google konnte für «Life in a day» Regie-Altmeister Ridley Scott («Bladerunner», «Alien») als Produzenten und Oscar-Preisträger Kevin Macdonald («Der letzte König von Schottland») als Regisseur gewinnen. Die Filmemacher hatten etwa 4500 Stunden Videomaterial aus der ganzen Welt zur Verfügung.

Die Zahl 4500 klingt auf den ersten Blick überschaubar, bis man bedenkt: 4500 Stunden, das sind 187 Tage, fast ein halbes Jahr. Deswegen standen Scott und Macdonald zwei Dutzend Helfer zur Seite, die das eingeschickte Material für eine Vorauswahl durchforsteten. Die von ihnen ausgesuchten 250 Stunden wurden zur Basis für den fertigen Film.

In die endgültige Fassung schafften es Szenen aus rund 400 Beiträgen, schätzte Macdonald bei der Premiere. Darunter sind ein Junge aus Peru, der sein Geld als Schuhputzer verdient, ein russischer Extremsportler, eine Amerikanerin, die mit Krebs kämpft, Fallschirmspringer, Ziegenhirten, Akrobaten, Menschen aus Indien, Ghana oder den Philippinen.

«Wir haben versucht, uns auf das echte Leben zu konzentrieren», betonte Macdonald. «Uns ging es vor allem darum, was gewöhnliche Menschen machen und fühlen.» Herausgekommen ist ein faszinierendes Mosaik aus Geschichten, Schicksalen und teils bewegenden bis spektakulären Bildern. Und das Bewusstsein, dass hier nicht erfundene Figuren nach Drehbuch agieren, sondern dass man echten Menschen bei ihrem Leben zusieht, gibt «Life in a Day» einen besonderen Reiz. Zugleich stellt man fest, dass das Leben der anderen auch an exotischen Schauplätzen nicht unbedingt aufregender ist als das eigene.

Zusammen mit der ganzen Welt einen Film zu machen, bringt auch Probleme, mussten Macdonald und sein Team feststellen. Zum einen war da die höchst unterschiedliche Qualität der Videos – von verwackelten Handy-Schnipseln bis zu hochwertigen Bildern in HD-Auflösung. Dann habe er mehr Videos als erwartet von Teenagern bekommen, die in ihrem Zimmer das Herz vor der Webcam ausschütten, sagte der Regisseur. Und schließlich, die Füße. «So viele Menschen haben den Boden beim Gehen gefilmt. Wir hätten allein daraus einen zehnstündigen Film machen können», sagte einer der Cutter.

Nach der Premiere beim Sundance-Festival in den USA, als in Europa tiefste Nacht war, sollte der Film nochmals heute (Freitag) um 19.00 Uhr MEZ im Internet gezeigt werden.

[Life in a Day] (tf/koh/dpa)

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