Sound der Stille: Wie sollen E-Cars klingen?

25. Januar 2011 | by Denise Kohmann

Sound der Stille: Hersteller suchen das perfekte Klangbild für E-Cars

Des einen Freud, des anderen Leid: Je mehr Elektroautos und Hybridfahrzeuge in den Städten unterwegs sind, desto leiser dürfte es dort in Zukunft werden. Lärmgeplagte Anwohner und stille Genießer am Steuer sehen diesen Zeiten mit Freude entgegen. Doch Menschen mit Sehschwäche fürchten um ihre Sicherheit. Und PS-Fans mit feinen Ohren um den Fahrspaß.

Weil die Autohersteller um dieses Problem wissen, suchen sie mit Hochdruck nach dem richtigen Sound für ihre E-Fahrzeuge – und definieren so gerade, wie die Zukunft klingen soll.

«Bei der Suche nach dem Sound der Stille müssen wir gleich zwei Aspekte berücksichtigen», sagt Ralf Kunkel, der bei Audi die Akustik-Entwicklung verantwortet. «Auf der einen Seite müssen wir dem Fahrer mit der richtigen Geräuschkulisse ein emotionales Erlebnis bieten, so wie er es von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor gewohnt ist.» Auf der anderen Seite müssen aber auch Passanten auf die Fahrzeuge aufmerksam gemacht werden – «zumindest im Stadtverkehr», schränkt Kunkel ein. Denn spätestens bei Geschwindigkeiten jenseits von 50 km/h werden Wind- und Reifengeräusche so laut, dass man ein Elektroauto allein dadurch hören kann.

Dass Stille allein nicht die richtige Lösung sein kann, darin sind sich alle Hersteller einig: «Beschleunigung will man nicht nur fühlen, sondern auch hören können», fasst Kunkel die Stimmungslage bei den Entwicklern zusammen. Nur wie das tatsächlich klingen soll, ist noch völlig offen. Allerdings haben sich die meisten Hersteller gegen künstliche Sounds entschieden. «Wir werden die Komponenten nutzen, die ohnehin im Fahrzeug verbaut sind, und damit ein authentisches Klangbild erzeugen», sagt Jürgen Schenk. Er ist bei Mercedes für den Aufbau der Elektrofahrzeuge verantwortlich.

Mit gezieltem Soundtuning, Verstärkern und Resonanzkörpern will er den Klang von Lüftern und E-Motoren genauso modulieren und in den Innenraum bringen wie es die Ingenieure bei den Verbrennern machen. Synthetische Klänge lehnen die meisten Hersteller ebenso ab wie ein nostalgisches V8-Brabbeln oder ein futuristisches Raumschiff-Rauschen. «Wir fahren schließlich weiter auf der Autobahn und nicht auf der Milchstraße», sagt Audi-Mitarbeiter Kunkel.

Die Zulieferer sehen das offenbar anders. So hat Brabus für den Tesla Roadster ein eigenes Soundpaket entwickelt. Mit dem Lautsprechersystem des Tuners aus Bottrop klingt der elektrische Sportwagen auf Knopfdruck nach einem Rennwagen oder in den Profilen «Beam» und «Warp» wie Raumschiff Enterprise, teilt das Unternehmen mit. Und der Schwede Kenneth Palmestål, der mit dem kleinen Elektronik-Bauteil «SoundRacer» für Zigarettenanzünder und Autoradio Kleinwagen zumindest innen so klingen lässt wie Supersportler, arbeitet gerade an einer Weiterentwicklung: «In Zukunft werden wir das auch für Hybrid- und Elektrofahrzeuge anbieten.»

Der Klang im Innenraum ist für viele Autohersteller eine beinahe philosophische Frage. Sie beschäftigt laut Kunkel Heerscharen von Ingenieuren, ja sogar Musiker, Komponisten und andere Experten für den guten Ton. Weit weniger intensiv wird dagegen über die klangliche Außenwirkung diskutiert: Dort wird es wohl auf ein künstliches Warnsignal hinauslaufen, das bis zu einem bestimmten Fahrtempo ein Lautsprecher hinter dem Stoßfänger oder unter der Motorhaube ausgestrahlt.

In Japan haben die Behörden dazu bereits entsprechende Vorgaben gemacht, in den USA werden solche Regelungen gerade diskutiert. Erste Autohersteller haben sie bereits umgesetzt: Den Toyota Prius zum Beispiel gibt es nach Angaben des Herstellers in Japan auf Wunsch auch mit einem Soundgenerator, der im Elektro-Betrieb bis 25 km/h mit einem lauten Brummen auf den Wagen aufmerksam macht. Ein ähnliches System hat Nissan nach Angaben von Produktplaner Francois Bacon für den elektrischen Kompaktwagen Leaf entwickelt. Die Markenschwester Infiniti übernimmt diese Technik auch für die Hybridversion der M-Serie, die im Frühjahr nach Deutschland kommt. «Damit sind wir hierzulande die Ersten, die so ein System zur Warnung von Fußgängern einsetzen», sagt Firmensprecher Wayne Bruce.

Nicht überall jedoch stößt diese Entwicklung auf Gegenliebe. Mercedes-Entwickler Jürgen Schenk hält das für einen Irrweg: «Natürlich werden wir alle Gesetzesvorgaben einhalten und wo nötig entsprechende Lautsprecher mit Warntönen einbauen», sagt der Ingenieur. «Aber bislang ging es immer um Lärmschutz. Und jetzt sollen wir plötzlich absichtlich mehr Krach machen? Das kann nicht der richtige Ansatz sein.»

[Photo: Kia-Studie Pop]

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