[RetroFieber] Gaming: Alte Computer-Spiele neu entdecken

15. Dezember 2010 | by TechFieber.de

retro gaming retrofieber «Defender», «Asteroids», «Monkey Island»: Viele Gamer reizen wieder die grafisch simplen Klassiker. Wer die Hardware von damals nicht mehr sein Eigen nennt, braucht spezielle Software, um die Spiele auf modernen PCs zum Laufen zu bringen.

Wer ins Retrogaming einsteigen will, braucht nicht unbedingt die Computer oder Konsolen von damals. Denn alte PC-Spiele laufen mit sogenannten Emulatoren auch auf neuen Rechnern. Das sind kleine Programme, die Computer wie den Commodore 64 oder den Amiga 500 auf modernen Rechnern simulieren. Die meisten Emulatoren gibt es für PC und Mac, aber selbst für das iPhone ist mittlerweile ein C64-Emulator zu haben.

Allerdings sind die alten und oft ziemlich schweren Spiele mit der Touchscreen-Steuerung nicht immer zu bewältigen. «Der Vorteil von Emulatoren ist, dass sie keine wahnsinnige Hardware brauchen», sagt Hansjörg Wüthrich, Retrogamer und Autor des Buchs «Emulatoren: Wie Computersysteme und Spielkonsolen unsterblich werden».

Schon ein alter Pentium-III-PC kann die meisten alten Systeme problemlos emulieren. Wüthrich empfiehlt zum Beispiel den C64-Emulator FRODO, Amiga-Fans könnten mit WinUAE glücklich werden. Interessant sind auch die Emulatoren MAME und M.E.S.S. Während MAME alte Spielhallengeräte wie «Pac-Man» oder «Outrun» simuliert, vereint M.E.S.S. viele bekannte, alte Systeme unter einer Oberfläche – steckt aber noch mitten in der Entwicklung.

Emulatoren simulieren nur das Gerät, das eigentliche Spiel muss in speziellen Formaten wie ROM oder ISO vorliegen. Die Spiele sind zwar längst nicht mehr im Laden erhältlich. Die ROMs und ISOs einfach irgendwo herunterzuladen, ist aber auch nicht legal, erklärt Olaf Wolters, Geschäftsführer des Bundesverbandes Interaktive Unterhaltungssoftware (BIU) in Berlin: «Auch wenn es die Hersteller der Spiele nicht mehr gibt, die Rechte an den Spielenamen liegen immer irgendwo.»

Retrogame-Experte Wüthrich beurteilt die Situation ähnlich. «Das ist eine rechtliche Grauzone», sagt er. Selbst wer ROMs von Spielen erstellt, die er besitzt, begebe sich rein rechtlich auf Glatteis. Denn dafür muss man den Kopierschutz der Module umgehen, und das ist nicht erlaubt. «Manche Hersteller haben ihre Spiele aber mittlerweile freigegeben», erklärt Wüthrich. Die Firma Cinemaware zum Beispiel bietet Spiele wie «Defender of the Crown» kostenlos als ROM zum Download an. Bei kostenpflichtigen Emulatoren wie Amiga Forever sind oft einige lizensierte Spiele dabei.

Richtig aufwendig wird das Retrogaming bei Spielen alter Konsolen von Sega oder Nintendo. Zwar gibt es auch für diese Geräte Emulatoren, vernünftig nutzen können diese aber nur Versierte. Wer einfach nur ein paar alte Mega-Drive- oder Super-Nintendo-Games spielen möchte, besorgt sich besser gleich die alten Originalkonsolen.

Einfacher geht es mit der sogenannten Virtual Console für die Nintendo Wii. Wer mit der Wii online geht, kann alte Nintendo-, aber auch Sega- oder C64-Spiele herunterladen. Insgesamt gibt es mehr als 300 Titel. Kostenlos sind die Downloads allerdings nicht: Spiele für den NES kosten rund 5 Euro, C64-Spiele bis zu 15 Euro.

Aber warum müht sich überhaupt jemand mit Emulatoren, wenn doch jedes Jahr immer anspruchsvollere neue Spiele erscheinen? «Für viele ältere Spieler ist das eine romantische Erinnerung an die eigene Jugend», sagt Wolters.

Christian Schmidt, Redakteur beim Computerspielemagazin «Gamestar», glaubt im Gegensatz zu vielen Retrogamern nicht unbedingt, dass Spiele früher besser waren: «Moderne Spiele haben im Hinblick auf Benutzerführung und Bedienungskomfort einen gewaltigen Schritt nach vorne gemacht. Da können alte Spiele nicht mithalten.» Allerdings sei der Spielemarkt früher schon ein wenig breiter aufgestellt gewesen. «Manche Spielideen waren etwas kreativer.» Weil Blockbusterspiele für XBox oder Playstation heute in der Entwicklung sehr teuer seien, gingen die Entwickler oft auf Nummer sicher.

Manche alte Spiele seien es auch heute noch wert, gespielt zu werden, sagt Schmidt. «Ein Titel wie ‚Monkey Island‘ ist einfach ein Glanzlicht und seit 20 Jahren eigentlich nicht übertroffen worden.» Von «Monkey Island» ist gerade auch eine überarbeitete Version mit neuer Grafik und Sprachausgabe erschienen. Per Knopfdruck lässt sich aber auch auf die alte Grafik umschalten.

Auch auf Download-Plattformen wie Good Old Games oder Steam gibt es ältere PC-Spiele wie «Baldur’s Gate» oder «Jagged Alliance» für 5 bis 10 Euro zum Download, die direkt auf Windows 7 oder Vista laufen. PC-Retrogamer, die kein Geld in die Hand nehmen wollen und sich nicht vorm Basteln scheuen, können zum Emulator DOS-Box greifen.

Service: Wüthrich, Hansjörg: Emulatoren: Wie Computersysteme und Spielekonsolen unsterblich werden, Skriptorium-Verlag. 222 S., 19,80 Euro, ISBN-13 978-3938199084

Screenshot: dpa

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