[IFA] Nachlese: Messe- und Presseorganisation

9. Oktober 2010 | by Gerhard Bachleitner

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Die Messeorganisation war insgesamt zufriedenstellend, ließ aber im Detail doch zu wünschen übrig. Den Journalisten wurde es nicht leicht gemacht. Von einer möglichst gleichmäßigen Terminverteilung zumindest an den ersten beiden Tagen war man weit entfernt. Auf vier- oder fünffach belegte Termine folgten Leerstrecken. Der bisher übliche handliche Terminkalender wurde ersatzlos abgeschafft.

Der Verweis auf die digitale Verfügbarkeit der Daten ignorierte die (un)praktischen Konsequenzen: statt eines griffigen Heftchens, das in die Jackettasche passte, hatte man nun ein Dutzend A4-Seiten, die nirgendwohin passten und unter dem anderen Papierkram untergingen. Die veranstaltenden Firmen waren mit dem gewachsenen Zulauf oft überfordert und hatten in den Pressekonferenzen entweder keinen Platz mehr oder kein Pressematerial oder beides.

Ob die Fixierung auf Multimedialität vielleicht doch die Fähigkeit des Lesens beeinträchtigt haben könnte, mochte man sich in der Eröffnungspressekonferenz ernsthaft fragen. Im Vortrag des Messe-Berlin-Vorstandes Dr. Christian Göke tauchten bislang unbekannte Ländernamen auf: Great Britan und Großbritanien. Der (anwesende) ZVEI-Vorstand Dr. Zinkann fand sich (an seinem Geburtstag) als Zinkmann auf der Folie wieder.

Dass man in der ICC-Lounge und in der Red-Lounge noch immer nicht begriffen hat, Büffets frei, d.h. beidseitig zugänglich aufzustellen, ist ärgerlich (blieben doch nach der Eröffnungsveranstaltung der Medienwoche nach einer Viertelstunde Überziehen und einer halben Stunde Anstehen noch eine Viertelstunde Mittagspause übrig). In der Red Lounge, bei der von der Zeitschrift Chip veranstalteten Digital-Lifestyle-Preisverleihung, hat man es darüber hinaus noch fertig gebracht, das Büffet genau unter der namengebenden Rotbeleuchtung aufzustellen. Folge: grüner Salat in Rot, Reis in Rot, Bayerische Creme in Rot; nichts wiedererkennbar.

Die Dachterrasse hätte sich als lauschiges Freiluftareal angeboten. Unsere Anregung, sie zu öffnen, wurde zwar wohlwollend, aber mit dem Ausdruck des Bedauerns über die Abhängigkeit von höheren Mächten aufgenommen, und die Terrasse blieb verschlossen. Man braucht die Gründe gar nicht zu hören, die an den entsprechenden Stellen im System dagegen vorgeschoben worden sein mögen.

Auf dieser Jubiläums-IFA wurde mehrfach Einsteins Rede zur Funkausstellung 1930 zitiert, u.a. mit folgendem Satz: „Der Urquell aller technischen Errungenschaften ist die göttliche Neugier und der Spieltrieb des bastelnden und grübelnden Forschers und nicht minder die konstruktive Phantasie des technischen Erfinders.“ Uns Heutigen dagegen wird bereits die Neugier ausgetrieben, uns auf die Dachterrrasse des eigenen Gebäudes trauen zu dürfen. Da braucht man sich dann um den Innovationsstandort Deutschland keine Sorgen mehr zu machen.

Ebenfalls offenkundig abwegigen Regularien verdankte sich der Versuch der Haustechnik, den Autor am Übergang vom ICC zum Messegelände zu hindern. Um 19.30 h war der Übergang bereits verschlossen, das Pressezentrum war aber mit seiner Öffnungszeit bis 20 h ein sinnvolles Ziel. Nur dem energischen Telefonat einiger zufälliger Passanten, die die Türe in Gegenrichtung geöffnet haben wollten, verdankten wir die Aufhebung der Sperre und die Freilassung.

Schlimm genug, dass der unwillige Hausmeister erst noch überredet werden musste – aber der Himmel bewahre uns vor „intelligenter Haustechnik“, die dann künftig nur noch von dummen Organisationsplänen und Algorithmen bestimmt sein wird.
Die Medienwoche gab Taschen aus, auf denen das IFA-Logo mit dem Medienwoche-Schriftzug überdruckt worden war – aber mit einer aufgrund des glatten Materials nicht haftenden Farbe. So hatten die Besucher alsbald weiße Farbpartikel an Händen und Kleidern, manche sogar im Gesicht.

Die neue TecWatch-Halle 8.1 war auch keine glückliche Planung. Zwar ist dort in der Tat der Besucherstrom deutlich größer als bisher in 6.2, aber diesen Strom hat man auch gleich wieder erfolgreich blockiert. Die Vortragszone liegt mitten in der Halle und ermöglicht während der Vorträge – und Vorträge sind fast den ganzen Tag über – keinen Durchgang. Wer also auf der falschen Seite ist, muss bis zum Großen Stern, jenseits Halle 10, gehen, um herauszukommen und ggf. zurück zu 7. Das ist natürlich unmöglich. Die Vorträge leiden durch den Umgebungslärmpegel, und unweit des Rednerpultes hatte der benachbarte Stand auch ein lärmintensives Gewinnspiel mit einem handbetriebenen Rolladen installiert.

Wir wollen hoffen, dass man für 2011 aus diesen Fehlern lernt.

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