[Medien] Print versus Online: Zeitungskongress in Hamburg diskutiert die Zukunft der Zeitung

8. Oktober 2010 | by TechFieber.de

 Print versus Online: Zeitungskongress in Hamburg diskutiert die Zukunft der Zeitung

Führende Journalisten aus aller Welt haben auf dem Zeitungskongress in Hamburg über die Zukunft ihrer Produkte diskutiert. Einigkeit herrschte darüber, dass an Online-Angeboten kein Weg vorbeiführt.

Allerdings waren über die Gewichtung von Internetauftritten und gedruckten Ausgaben viele unterschiedliche Ansichten zu hören.

«Wir werden uns nicht aus dem Printbereich zurückziehen», sagte die Vorstandsvorsitzende der New York Times Company, Janet Robinson, am Donnerstag, dem zweiten Tag des dreitägigen World Editors Forum. Viele Leser erwarteten noch, ihre Zeitung in Händen zu halten.

Robinson zeigte sich jedoch zuversichtlich, dass Nutzer auch im Internet für hochwertige Inhalte zahlen würden. «Unsere Leser sind loyal, wenn wir qualitativ hochwertigen und meinungsbetonten Journalismus machen», sagte sie. Verlässliche Informationen würden immer gebraucht.
Der stellvertretende Chefredakteur der «Süddeutschen Zeitung», Wolfgang Krach, nannte Deutschland ein «Land der Zeitungsleser». Die Qualität der Printmedien sei hierzulande zwar groß. Jedoch wünsche er sich mehr investigativen Journalismus. «Es liegt noch ein langer Weg vor uns, bis wir da angekommen sind, wo amerikanische Zeitungen jetzt sind.» Investigativ zu recherchieren koste viel Zeit und Geld. Hochwertige Inhalte seien das Wichtigste – sie dürften nicht von Layout und Design definiert werden.

Der Redaktionskoordinator des «Hamburger Abendblattes», Felix Bellinger, hob die unterschiedlichen Funktionen von Print und Online hervor: Im Internet könnten Inhalte aktualisiert werden, in der gedruckten Ausgabe hingegen würden sie interpretiert.

Die Chefredakteurin der französischen Tageszeitung «Le Monde», Sylvie Kauffmann, sagte, Journalisten müssten ihren Lesern Orientierung geben. Denn sie hätten keine Zeit, sich jedes Thema komplett selbst zu erschließen. Daher gebe es bei «Le Monde» neuerdings eine Rubrik, die komplexe Themen von unterschiedlichen Seiten beleuchte. Denn – und darin waren sich die Journalisten bei allen sonstigen Differenzen einig: Wer die Leser hält, sichert die Zukunft der Zeitungen.

WEF

koh/dpa / Foto: dpa

Antwort schreiben