[IFA] Nachlese, die siebte: Weiße Ware auf neuen Wegen

8. Oktober 2010 | by Gerhard Bachleitner

[IFA] Nachlese, die siebte: Weiße Ware auf neuen WegenDie traditionellen Hersteller der Weißen Ware verkörperten vollendet das deutsche Ingenieursprinzip 80/20: mit 80 % Aufwand 20 % Ertrag/Einsparung zu erzielen. Allenthalben wurde rücksichtslos gespart, so dass man sich fragen mochte, wie lange überhaupt noch mit Wasser gewaschen und gespült würde.

Die nächste Eskalationsstufe wurde vom Marktführer Miele eingeläutet, die Anpassung der Hausgeräte an eine „intelligente Steuerung“ von außen. Als Einführungsanlass wird die ab nächstem Jahr gültige Gesetzesvorgabe an die Elektrizitätsversorgungsunternehmen, tageszeitlich flexibel tarifierten Strom anzubieten, herangezogen. Auch an eine Wahlmöglichkeit zwischen verschiedenen Stromanbietern ist gedacht, doch würde dies natürlich voraussetzen, dass die Grundgebühr wegfiele und das Inkasso neu geregelt würde.

Dies wirkt alles sehr hypothetisch und wird mit Sicherheit nicht dazu führen, den Strom billiger zu machen. Statt dessen wird das fragwürdige gesetzliche Konstrukt dazu verwendet, eine neue Kommunikationsinfrastruktur zu verlangen und zu unterstellen, die ihrerseits neue Kosten verursacht: für die Anschlussmöglichkeit der Geräte und für den Datenverkehr.

Schon der Denkansatz, alles über eine Internetanbindung regeln zu wollen/sollen und von außen steuerbar zu machen, ist abwegig. Über eine Heimvernetzung ließe sich allenfalls reden. Ansonsten genügte es, wenn der Verbraucher, der seine Geräte selbst einschalten kann, um die verbrauchsgünstigen Tageszeiten weiß, wie jetzt auch bei den alternativen Anbietern im Telefonfestnetz. Die elastische Stromnachfrage macht ohnehin nur einen geringen Teil aus. Niemand wird sein Mittagessen auf 16 h verschieben, nur weil dann billiger gekocht werden könnte.

Der energiebewusste Stromkunde hat seinen Stromverbrauch schon aus Eigeninteresse bereits minimiert und kann durch eine neue, teure Infrastruktur nichts gewinnen. Vor Jahrzehnten schon hatten die EVUs eine Tarifvariante im Angebot, den billigen Nachtstrom ab 22 h. Dieser wurde nicht nur nicht ausgebaut, sondern bewusst mit hohen Hürden versehen. Die Grundgebühr war so hoch, dass er sich kaum nutzbringend einsetzen ließ, und die Leitung war an dezidierte Verbraucher fest angeschlossen, der Strom also für andere Verbraucher nicht verfügbar, und wer ihn umleitete, tat dies vermutlich illegal. Dies als Hinweis darauf, was EVUs von flexiblen Stromtarifen zu halten pflegen.

[Photo: Messe Berlin]

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