Statusmeldungen bei Facebook & Co.: Manches sollte besser nicht die ganze Welt erfahren

29. September 2010 | by Denise Kohmann

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Statusmeldungen in Sozialen Netzwerken sind der Spiegel des Online-Ichs. Wenn Nutzer sich über ihre Laune, Gesundheit oder den Chef auslassen, vergessen sie allerdings oft, dass Leute die Botschaften mitlesen können, für die sie nicht bestimmt sind.

Barbie hat heute keine Lust auf ihre Arbeit. «Es ist einer dieser Tage, an dem Du nichts hinbekommst», lässt sie über eine Statusmeldung beim Sozialen Netzwerk Facebook wissen. Aber sie weiß Abhilfe: «Wenn der Chef vorbeikommt, tust Du so, als hättest Du viel zu tun.» Was die Amerikanerin über ihre Langeweile vergessen hat: Ihr Boss kann mitlesen – und die ganze Welt ebenso. Denn der Kommentar ist offen im Internet zu finden.

Statusmeldungen sind Stimmungsbarometer, virtuelle Klowand und Bühne zur Selbstdarstellung zugleich – mit anderen Worten: der Spiegel des Online-Ichs. Praktisch alle großen Sozialen Netzwerke bieten ihren Nutzern die Möglichkeit, ihre Kontakte mit diesen kurzen Nachrichten auf dem Laufenden zu halten. Doch was sich oft nur an Freunde oder Verwandte richtet, gerät schnell an eine größere Öffentlichkeit. Die richtigen Einstellungen und Verhaltensregeln helfen, peinliche Pannen zu vermeiden.

Trotz aller Berichte über Datenschutzprobleme ist das nicht selbstverständlich. «Viele denken, ihre Äußerungen in Sozialen Netzwerken seien privat», weiß der Kommunikationsberater Klaus Eck aus seinen Seminaren. Gerade das Beispiel des Marktführers Facebook zeigt, dass Nutzer sich unbedingt mit den Datenschutz-Optionen beschäftigen sollten.

Denn einerseits lässt sich nirgendwo genauer festlegen, wer Inhalte sehen darf. «Nutzer können bei jedem Eintrag – egal ob Link, Foto, Text oder Video – festlegen, wer ihn sehen soll», sagt eine Sprecherin des Unternehmens. Dies geschieht über das Schloss-Symbol, das beim Tippen des Textes erscheint. Selbst einzelne Personen lassen sich als Zielgruppe festlegen oder vom Leserkreis ausschließen.

Wer sich die Mühe macht und seine Kontakte über «Listen» in unterschiedliche Kategorien unterteilt, kann mit einem Klick Fotos von der Betriebsfeier für die Kollegen freischalten, ihnen aber beschwipste Kommentare von der Kegeltour vorenthalten.

Andererseits gibt es bei Facebook eine tückische Option, die Statusmeldungen in die weite Welt des Internet posaunt: Die Freigabe «Alle» bedeutet, dass sie auch außerhalb des Netzwerks einsehbar sind. Portale wie «youropenbook.org» oder «booshaka.com» durchsuchen die Inhalte und fördern auch Unmutsbekunden wie die von der unmotivierten Barbie zutage. Wer hier die Kombination aus «Chef» und beliebigen Schimpfwörtern eingibt, merkt: Vielen Nutzern ist das nicht bewusst.

Dass es auch anders geht, zeigen die VZ-Netzwerke. Prinzipiell können Statusmeldungen von VZ-Nutzern nicht außerhalb des Netzwerkes eingesehen werden», sagt Unternehmenssprecher Dirk Hensen. Und bevor Nutzer dort die «Buschtrommel» schlagen – so heißt die Funktion bei dem deutschen Anbieter -, müssen sie in einem aufpoppenden Menü die Einstellungen für den Datenschutz vornehmen.

Auf die technischen Kontrollen allein sollten sich Netzwerker nicht verlassen. Denn in den Adressbüchern sammeln sich nicht nur echte Freunde, sondern auch alte Schulkumpel, die Eltern oder Kollegen. Der vermeintlich private Kreis wird so schnell zu einer großen, mindestens halb-öffentlichen Runde – 100 Kontakte kommen schnell zusammen. «Wer in Sozialen Netzwerken aktiv ist, muss sich vom Begriff Privatsphäre verabschieden», sagt Berater Klaus Eck.

Daher sollte vor jeder Äußerung die Frage stehen: «Wäre es schlimm, wenn das so in der Zeitung steht?» Wenn die Antwort «ja» lautet, klicken Nutzer besser auf «Abbrechen». «Wer sich unsicher ist, wie das eigene Profil wirkt, sollte seine Freunde um eine ehrliche Meinung bitten», rät Eck.

Auch Twitter eignet sich, um die Freunde auf dem Laufenden zu halten. «Das war der Wegbereiter für die Statusmeldungen bei Netzwerken wie Facebook», sagt der Social-Media-Experte Stefan Berns. Der populäre Microblogging-Dienst habe sich allerdings immer mehr zu einem «öffentlichen Kommunikationskanal» entwickelt, so der Autor des Buches «Der Twitter-Faktor».

Es ist möglich, seine 140-Zeichen-Nachrichten als «protected tweets» nur den eigenen Kontakten zu zeigen – Außenstehende sehen dann nur ein Schloss. Die Mehrheit präsentiert sich jedoch der Öffentlichkeit. Um dabei keinen schlechten Eindruck zu hinterlassen, müssen Nutzer an ihrem Erscheinungsbild arbeiten, meint Berns: «Man sollte sich ein passendes Profilfoto suchen und über die Kurz-Biografie Gedanken machen.» Wer das tut, kriegt auch keine Probleme mit dem Chef.

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