[Photokina] [Feature] Knipse mutiert zu Video-Cam: Digital-Kameras machen “Stand alone”-Camcorder bald überflüssig

24. September 2010 | by Alex Reiger

  Filmen und fotografieren mit einem Gerät: Digital-Kameras machen Camcorder bald überflüssig

Wer Familienfeiern in Bild und Ton festhalten will, kennt das Problem: Neben einem Fotografen braucht man auch noch jemanden, der filmt. Spiegelreflex- und Kompaktkameras der neuen Generation schaffen Abhilfe, weil sie neben dem herkömmlichen Bild auch bewegte Aufnahmen festhalten. Auf der noch bis Sonntag laufenden Fachmesse photokina in Köln sind zahlreiche neue Modelle mit Camcorderfunktion zu sehen.

Vorteil der „Zwei-in-eins“-Spiegelreflexmodelle ist die Möglichkeit, Wechselobjektive etwa für Weitwinkel zu nutzen und kreativer zu filmen. „Man kann gezielt die Schärfe auf einen Punkt legen, wie auch beim Fotografieren“, sagt Andreas Jordan vom Hamburger „fotoMAGAZIN“. Dank der großen Sensoren seien die Ergebnisse bei wenig Licht auch besser als die Aufnahmen reiner Camcorder. Diese wiederum hätten im Vergleich zu den Digitalkameras deutliche Vorteile bei Bewegtbildern.

„Bei den meisten Kameras ist der Autofokus im Videomodus nicht zu gebrauchen“, sagt er. Hierbei müsse dann manuell fokussiert werden, was „sehr übungsbedürftig“ sei. Für den professionellen Einsatz gibt es wiederum spezielles Zubehör, um die Kamera zu stabilisieren, „aber das ist für einen Amateur kaum zumutbar“, sagt Jordan.

Abhilfe sei allerdings in Sicht durch Kameras mit elektronischem Sucher oder spiegellose Systemkameras. „Letztere benötigen zwar eigene Objektive, sind aber dafür ausgelegt, im Videomodus schneller zu fokussieren.“ Neue Modelle seien bereits angekündigt, „so dass spiegellose Digitalkameras dann einen Camcorder ersetzen können“.

Zwtl.: Externes Mirkofon für den guten Ton

Nicht verstecken müssen sich die Digitalkameras in puncto Bildquaität. Selbst Einsteigermodelle bieten HD. Ab der Mittelklasse bekommt der Verbraucher gar Full HD. „Das ist besser als das, was man noch vor gar nicht allzu langer Zeit im Camcorder-Bereich hatte“, sagt Jordan. Kompaktkameras bieten teilweise reduzierte HD-Auflösung. Wichtig sei, auf eine hohe Datenrate und eine nicht zu starke Komprimierung etwa mit dem H.264-Standard zu achten, rät Jordan. Das ebenfalls gebräuchliche Motion-JPEG sei qualitativ bei gleicher Datenmenge von der Bildqualität her schlechter. Wer mit der Digitalkamera bisher nur fotografiert hat, braucht für die Nutzung der Videofunktion meist eine neue Speicherkarte. Denn je nach Bildqualität benötigen 24 Minuten Video bis zu acht Gigabyte (GB) Speicher. Speziell auf die Videofunktion der Kameras zugeschnitten gibt es deshalb SDXC-Karten, die theoretisch bis zu zwei Terabyte festhalten können, aktuell liegt das maximale Speichervermögen der Karten bei 64 GB.

Wichtig ist neben dem Bild auch der gute Ton, den jedoch nicht alle Kameras liefern. Häufig stecken deren eingebaute Mikrofone im Gehäuse der Kamera, weshalb dann auch etwa Bediengeräusche aufgenommen werden. Deshalb empfiehlt Jordan für höherwertigen Ton ein externes Mikrofon zu verwenden. Viele Kameras, speziell im unteren Preissegment, böten aber dafür leider keine Anschlussmöglichkeit.

Nach Tests und eigenen Erfahrungen von Jordan sind gute Video- und Fotokameras ab 500 bis 700 Euro zu bekommen. So empfiehlt er etwa in der Einsteigerklasse bei den Kompakten die Panasonic Lumix TZ 10 für knapp unter 300 Euro, bei den Spiegelreflexkameras die Panasonic Lumix G2 für rund 500 Euro oder die Sony Alpha 55 für etwas über 700 Euro. Wer etwas mehr ausgeben will und sich ein Mittelklassegerät zulegen möchte, sei mit der Canon EOS 7 D gut bedient. Sie bietet einen externen Mikrofonanschluss und ein Videoformat von 1920 mal 1080 Pixel. In der Oberklasse bietet sich als Kombigerät die Canon EOS 5D Mark II an. Mit knapp unter 2000 Euro kostet sie allerdings genauso viel wie ein halbprofessioneller Camcorder. Dabei genügt die 5 D selbst professionellen Ansprüchen. Dies beweist die Tatsache, dass in den USA etwa das Staffelfinale der Fernsehserie „Dr. House“ nicht mit einer Film- sondern der Spiegelreflexkamera gedreht wurde. Jordan sieht im Videobereich der Spiegelreflexkameras noch Potenzial nach oben: „Die Möglichkeiten sind zwar jetzt schon beeindruckend, aber wir stehen da noch am Anfang.“ So könnte der Camcorder wirklich bald in den Ruhestand und damit ins Technikmuseum geschickt werden.

mei/dapd / Foto Panasonic Lumix TZ 10 / Panasonic

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