[IFA] Nachlese, die zweite: Wie soll 3D übertragen werden?

24. September 2010 | by Gerhard Bachleitner

IceDrop AOC 3D-TV

Den europäischen Fernsehzuschauer beunruhigt die Frage, wie 3-D, das offenbar zwischen Hollywood und Japan ausgeheckt wird, als Ausstrahlungsnorm in die DVB-Familie eingefügt wird. Prof. Dr. Ulrich Reimers (TU Braunschweig) ist tatsächlich für eine 3-D-Arbeitsgruppe zuständig und bedauerte die Schnellschüssigkeit der 3-D-Markteinführung ebenfalls.

Bis zum Jahresende werde man bei DVB allerdings einige wichtige Details geklärt haben, u.a. was die Behandlung nachträglicher graphischer Bildelemente wie Untertitel, Laufbänder und Logos betrifft. Eine Standardisierung der Brillen wird nötig sein, und natürlich muss alles auch für künftige autostereoskopische Endgeräte passen.

Das Logo DVB 3DTV ist schon definiert. Das bisherige, etwas hemdsärmelige Übertragungsverfahren bleibt vorerst erhalten, obwohl natürlich kluge Vorschläge existieren, die offensichtliche Redundanz von linkem und rechtem Bild für eine Dateneinsparung zu nutzen, sei es, dass man zusätzlich zu einem Monobild nur die Differenzen überträgt, sei es, dass man die Rauminformation ohnehin in eine, in Graustufen dargestellte „Tiefenkarte“ übersetzt, wofür Philips vor einigen Jahren schon ein Projekt durchgeführt hat. Das Heinrich-Hertz-Institut hat an dieser Stelle weitergearbeitet und dem Verfahren auch schon ein Kürzel verpasst, MVD, Multi-View-Depth.

Das derzeit meist verwendete „Side-by-Side“-Verfahren reduziert einfach beide Bilder auf horizontal je 960 Punkte, staucht sie anamorphotisch und überträgt sie nebeneinander in einem Full-HD-Bild. Dabei geht natürlich Auflösung verloren, Auflösung, die man sich für HD gerade erst mühsam erarbeitet hat. Der Auflösungsverlust sei kaum merklich, heißt es von den Propagandisten, aber dass hier nach der bekannten amerikanischen (Programmierer-)Maxime quick and dirty vorgegangen wird, ist unübersehbar. Man kann die Teilbilder auch untereinander, d.h. nacheinander übertragen, hat dabei aber die gleichen Einbußen.

Wie man die Aufgabe vernünftig löst, zeigte – wieder einmal – das Fraunhofer Institut, das ein kompatibles und effizientes Dateiformat für die Kodierung von 3-D-Bildern vorschlug, MVC, Multi-view-coding. Man kann nur hoffen, dass rechtzeitig die nötige Standardisierung stattfindet, damit das Verfahren in die Endgeräte implementiert und die Übertragungskette per Satellit (oder vielleicht auch Kabel) eingerichtet werden kann. Erfreulicherweise hat auch die Politik die Wichtigkeit einer deutschen Teilnahme an dieser Innovation erkannt und fördert namens des Bundeswirtschaftsministeriums das Projekt PRIME: Produktions- und Projektionstechniken für immersive Medien.

Foto: AOC 3D-TV IceDrop

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