Start-ups: Tech-Wirtschaft fordert mehr Impulse für Gründerszene

23. September 2010 | by Alex Reiger

Microsoft Geschäftsführer Ralph Haupter - Start-ups: Tech-Wirtschaft fordert mehr Impulse für GründerszeneDie Software-Branche erlebt derzeit einen «Gründerboom». Die deutsche Gründerszene in der High-Tech-Industrie benötige aber neue Impulse, um international nicht den Anschluss zu verlieren, sagte Georg Licht, Forschungsleiter beim Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW).

Das ZEW stellte gemeinsam mit dem Softwarekonzern Microsoft die Ergebnisse einer Studie vor. Die Gründungstätigkeit liegt demnach trotz eines Anstiegs weiterhin auf einem der niedrigsten Stände seit Mitte der 90er Jahre, hieß es.

Der Studie zufolge gab es in Deutschland 2009 im Vergleich zum Vorjahr insgesamt 15 Prozent mehr Gründungen von Softwarefirmen. In der gesamten High-Tech-Branche stieg die Zahl der Firmengründungen um 3,1 Prozent auf 14 000 an. «Die Entwicklung ist erfreulich», sagte Licht.

Genügend Grund, um in Euphorie zu verfallen, gibt es nach Einschätzung von Ralph Haupter (Bild oben), Geschäftsführer von Microsoft Deutschland, deshalb aber nicht. «Wir müssen den Gründergeist in der High-Tech-Szene weiter stimulieren», sagte Haupter. «Wir haben jetzt die Chance, die Innovationskraft im Land wieder nach vorne zu bringen.» Dazu seien aber unter anderem mehr Finanzierungsmöglichkeiten und steuerliche Anreize für Investoren erforderlich, wie es sie im europäischen Ausland bereits gebe.

Zu den großen Hürden für Unternehmensgründungen in der Branche zählen nach Erhebungen des ZEW vor allem zu wenig verfügbare Risikokapitalgeber und Schwierigkeiten, an traditionelle Kredite zu kommen. Auch qualifizierte Mitarbeiter zu finden und Auftraggeber zu akquirieren, stelle viele Start-Ups vor Probleme.

Der derzeitige Anstieg bei den Firmengründungen wird laut Licht derzeit vor allem von Kleinstunternehmen getragen. Diese mit eingerechnet stieg die Zahl der Gründungen im Softwarebereich sogar um 46 Prozent an. Der Beitrag der kleinen Mini-GmbHs zum Innovationsgeschehen in Deutschland sei aber eher gering. «Erst die weitere Entwicklung wird zeigen, ob aus diesen Kleinstunternehmen tragfähige Geschäftsmodelle resultieren», sagte Licht

Die Schaffung der Mini-GmbHs mit einem Mindeststammkapital von einem Euro habe die Rahmenbedingungen für Neugründungen deutlich verbessert und neue Impulse gesetzt. «Das zeigt uns, dass mit veränderten Rahmenbedingungen konkret etwas getan werden kann», sagte Licht.

Viele der Kleinstunternehmer täten sich allerdings wegen fehlender Kenntnisse im Finanzwesen schwer. Diese Defizite könnten zum Beispiel kompensiert werden, wenn man bereits im Studium für das nötige Know- how über Kooperationen die technische und finanzielle Seite zusammenbringen würde.

Häufig sähen Unternehmensgründer eine große Herausforderung darin, «Arbeit und Herd» zu vereinen, sagte Haupter. Das ist ein typisch deutsches Phänomen, das es in anderen Ländern so ausgeprägt nicht gibt. Auch bei der Risikobereitschaft müsse es einen Mentalitätswandel geben. «Man kann nicht immer mit zwei Fallschirmen springen wollen.»

Mehr bei TechFieber zum Thema: , , , ,

Antwort schreiben