[TechPraxis] Feature: PC-Tuning für Starter – so macht man schlappen Computern wieder Beine

17. September 2010 | by Reah

[TechPraxis] Feature: PC-Tuning für Starter - so macht man dem Computer wieder BeineDer PC ist gerade einmal ein, zwei Jahre alt – und doch ruckeln die aktuellen Spiele, die Grafikkarte ist für den schicken neuen Monitor zu schwach oder es haben sich zu viele Daten und Programme auf der Festplatte angesammelt. Gründe, um Hardware am PC auszutauschen, gibt es viele. Und selbst Laien bekommen den Austausch meist ohne größere Probleme hin – zumindest, wenn es um Festplatten oder Laufwerke geht.

Vorher sollte man sich aber stets gut überlegen, ob sich das Nachrüsten überhaupt lohne, sagt Christof Windeck von der Computerzeitschrift „c’t“. Vor allem bei Computern, die mehr als zwei, drei Jahre auf dem Buckel haben und noch mit einem älteren Betriebssystem laufen, rentiert sich das Aufrüsten meist nicht. Allein das Betriebssystem kostet ab 80 Euro aufwärts und ist im neuen Komplett-PC für um die 400 Euro schon enthalten. Anders sieht es aus, wenn man einen relativ neuen und hochwertigen PC hat, den man noch längere Zeit weiternutzen will.

Besonders einfach und effektiv ist nach Angaben von Windeck das Nachrüsten der Festplatte. Eine zwei Jahre alte Festplatte ist meist deutlich langsamer als die neuesten Datenspeicher auf dem Markt, ein Aufrüsten kann hier also viel bringen. Beim Einbau muss man vorsichtig sein: Die Festplatte muss behutsam behandelt werden und sollte nirgendwo anstoßen.

Um das Betriebssystem von der alten auf die neue Festplatte zu kopieren, gibt es spezielle Tools, die teils kostenpflichtig sind. Meist reichen aber Gratis-Tools wie das Linux-basierte „GParted Live“ mit „partimage“ oder „Clonezilla Live“ aus. Sie werden auf einen USB-Stick oder eine DVD kopiert – und davon wird anschließend der PC gebootet. Schon kann das Betriebssystem auf die neue Festplatte kopiert werden. Ist im PC-Gehäuse Platz frei, kann man die neue vorübergehend neben die alte Festplatte stecken. Wenn nicht, kann man für wenig Geld ein externes Festplatten-Gehäuse kaufen, die neue Festplatte vorübergehend einbauen und per USB an den PC anschließen. Bevor man eine neue Festplatte einbaut, sollte man auf jeden Fall ein Backup machen, alle Daten sichern und am besten auch noch eine Image-Kopie anfertigen. Dafür gibt es ebenfalls Programme – Windows 7 hat für solche Zwecke Bordmittel parat.

Nicht ganz so einfach ist der Austausch der Grafikkarte. Hier gibt es möglicherweise schon ein Platzproblem im PC: Oft sind zwei Slots nötig, um eine gute neue Grafikkarte einbauen zu können. Besonders leistungsstarke Karten sind zudem sehr lang, was bei kleineren Gehäusen ebenfalls zu Schwierigkeiten führt. Auch die Stromversorgung kann zum Problem werden: Sehr schnelle Grafikkarten brauchen viel Strom. Wer sie einbaut, muss darauf achten, dass das Netzteil dafür ausreicht. Das findet man heraus, indem man den Rechner aufschraubt und nachschaut. Ist es sehr knapp dimensioniert, muss man aufrüsten. Am besten nimmt man gleich ein Netzteil mit speziellem Kabel zur Grafikkarte. Alle Kabel im PC müssen wieder sauber verlegt werden, um die Luftzufuhr nicht einzuschränken. Windeck rät dazu, vor dem Ausbau des alten Netzteils Fotos von den verlegten Kabeln zu machen und genau auf die einzelnen Anschlüsse zu achten. „Kaputtstecken“ könne man zwar nichts, weil die Anschlüsse genormt sind – aber vergessen kann man schon einiges.

Eine neue Grafikkarte kann sich schon lohnen, wenn man einen größeren Monitor kauft. Je größer er ist, desto mehr Bildpunkte hat er – und desto mehr muss die Grafikkarte leisten. Wer dann noch eine ältere Grafikkarte hat, muss bei aufwendigen Spielen Ruckler in Kauf nehmen oder die Details herunterschrauben und Effekte abschalten.

Vom Mainboard-Austausch rät Windeck ab – das ist allenfalls etwas für Bastler, die genau wissen, was sie tun. Außerdem kann der Mainboard-Austausch samt Prozessor und Hauptspeicher so teuer werden, dass sich eher ein komplett neuer PC lohnt. Beim Prozessor selbst ist die Sachlage etwas anders: Wenn das Gerät noch relativ neu, aber der Prozessor ziemlich schwach ist, lohnt es sich möglicherweise. Dazu muss man nachschauen, welche Prozessoren auf das Mainboard passen. Beim Mainboard-Hersteller gibt es entsprechende Kompatibilitätslisten. Zudem kann es nötig sein, ein BIOS-Update durchzuführen. Das sollte natürlich vor dem Einbau des neuen Prozessors erledigt werden. Allerdings bringt der Austausch des Prozessors erst dann einen deutlich spürbaren Leistungszuwachs, wenn er mindestens rund 50 Prozent schneller rechnet als der alte – sonst merkt man als Anwender kaum etwas davon.

Den Arbeitsspeicher aufzurüsten, bringt laut Windeck meist weniger, als man denkt. Mehr als 2 GB Arbeitsspeicher sind nur dann nötig, wenn man aufwendige Spiele spielt, virtuelle Maschinen nutzt oder mit Video- und Bildbearbeitungsprogrammen arbeitet. Wer einen neuen Arbeitsspeicher kaufen will, muss zunächst ins Handbuch des Mainboards schauen: Hier steht, welche Art von Arbeitsspeichern unterstützt wird (DDR-, DDR2- oder DDR3-SDRAM). Einige Mainboard-Hersteller empfehlen konkrete Module. Am besten achtet man darauf, dass der Anbieter eine Kompatibilitätsgarantie gewährt. Passt der Arbeitsspeicher doch nicht, kann man ihn immer noch zurückgeben.

Im Überblick: PC aufrüsten -die wichtigsten Tipps und Tricks

Bevor man seinen PC aufrüstet, sollte man nachschauen, ob die einzelnen Komponenten tatsächlich so stark ausgelastet sind, dass sich die Ausgabe lohnt. Wer beispielsweise einen neuen Prozessor oder Arbeitsspeicher kaufen will, wirft am besten vorher einen Blick in den Taskmanager: Dort kann man ablesen, wie hoch die CPU-Auslastung eigentlich ist und wie stark der Arbeitsspeicher beansprucht wird. Sind die Zahlen eher niedrig, empfiehlt sich ein Blick auf die Software: Oft bremst schon ein Virenscanner das System spürbar aus.

Generell gilt: Beim Umgang mit Hardware sollte man nackte Kontakte nicht berühren, sonst droht Korrosionsgefahr. Speicherchips und andere Teile werden nur an den Rändern angefasst. Zudem sollte man mit Bedacht vorgehen und nie mit Gewalt versuchen, einen Kontakt zum Einrasten zu bringen. Anleitungen bei „Youtube“ können helfen, den richtigen Steckplatz und die richtige Herangehensweise zu finden.

Bei neuen TV-, Netzwerk- und Soundkarten sollte man darauf achten, dass sie über einen PCIe-Anschluss verfügen, der von neueren Rechnern unterstützt wird. Die PCIe-Technologie löst derzeit die langsamere PCI-Technologie ab.

mei/dapd

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