[IFA] „Fernsehen und Internet – welche Geschäftsmodelle setzen sich durch?“ – Ergebnisse des 2. Panels des Forum medienpolitik@ifa

13. September 2010 | by TechFieber.de

 Fernsehen und Internet – Geschäftsmodelle setzen sich durch?“Apps sind mittlerweile auch auf dem TV-Gerät angekommen. Fernseh-Geräte der neuen Generation ermöglichen sowohl den Empfang von klassischem Fernsehen als auch den Zugang zum Internet. Diese so genannten Hybrid-TVs, bieten Zuschauern eine neue, digitale Vielfalt beispielsweise im Wohnzimmer, gepaart mit der gewohnt bequemen Nutzung des TV-Geräts. Fernsehen und Internet rücken somit auf Tuchfühlung zusammen, sind nur noch durch einen Tastendruck auf der Fernbedienung voneinander getrennt. Daraus resultiert ein neuer Wettbewerb um die Aufmerksamkeit des Zuschauers und um die künftige Verteilung der Werbebudgets. Dr. Rainer Hecker (Aufsichtsratsvorsitzender der Gesellschaft für Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik, gfu) leitete die zweite Diskussionsrunde von medienpolitik@IFA deshalb mit den Fragen ein: Geraten die traditionellen Geschäftsmodelle des Fernsehen in diesem Szenario ins Hintertreffen? Oder kann es die Strukturen des Internets für seine erfolgreiche Weiterentwicklung nutzen?

Moderiert durch die freie Hörfunk- und Fernsehjournalistin Sabine Beckmann, erörterte ein hochkarätig besetztes Podium im Rahmen des 6. Forums medienpolitik@ifa, welche Nutzungsgewohnheiten und welche Business-Cases sich in den kommenden Jahren durchsetzen. Gerhard Schaas (Vorstand der Loewe AG) erläuterte zunächst den neuen offenen Standard HbbTV (Hybrid Broadcast Broadband TV), der nicht nur eine herstellerunabhängige technische Lösung für den Internet-Zugang über das TV-Gerät definiert, sondern auch eine einfache inhaltliche Verknüpfung von Rundfunk- und Internetinhalten erlaubt. So genügt ein Drücken auf die zu diesem Zweck definierte rote Taste der Fernbedienung, um von einer TV-Sendung zu ergänzenden Web-Inhalten zu wechseln. Auch der Zugang zum zeitversetzten Fernseh-Angebot über das Internet („Catch-Up-TV“) gestaltet sich mit HbbTV besonders unkompliziert. HbbTV ermöglicht den TV-Geräteherstellern und Plattform- sowie Netzbetreibern aber auch, eigene Webportale anzubieten.

André Prahl (Bereichsleiter Programmverbreitung Cologne Broadcasting Center, Mediengruppe RTL Deutschland) bestätigte, dass sein Unternehmen HbbTV unterstützt. Zusätzlich notwendig seien aber von den Geräteherstellern technische Implementierungen, die den Schutz des Geschäftsmodells werbefinanzierter Sender garantieren. Dazu gehören Mechanismen des Rechtemanagements, die in HbbTV nicht enthalten seien. Konkret müssten Geräte zum Beispiel gewährleisten, dass sich Werbeblöcke in den über das Internet verbreiteten Sendungen nicht überspringen lassen. Und sie müssten verhindern, dass sich Applikationen von Drittanbietern automatisch über die Inhalte des Senders legen oder sich das Fernsehbild beliebig skalieren lasse.

Gerhard Schaas äußerte angesichts dieser Forderungen die Sorge der Gerätehersteller, dass spezifische technische Anforderungen der Medienhäuser den Endgerätemarkt zu stark fragmentieren könnten. Deswegen würde die CE-Industrie diese Mechanismen ablehnen.

Michael Albrecht (DVB-Koordinator der ARD) sah die neuen Möglichkeiten von HbbTV vor allem als Chance, den Zuschauer an das TV-Gerät zu „binden“, da man für einen zusätzlichen Informationsabruf nicht mehr zum PC wechseln muss. Albrecht betonte aber, dass die Akzeptanz der hybriden TV-Geräte einheitliche Standards voraussetzt, damit die Inhalte der Programmanbieter nicht für eine Vielzahl verschiedener Plattformen unterschiedlich aufbereitet werden müssen.

Für Prof. Dr. Robert Strzebkowski (Vorstandsmitglied, IPTV Verband und Leiter Labor Computeranimation und Multimedia, Beuth Hochschule f. Technik) sind Konnektivität und Personalisierung Voraussetzung für die Zukunft des Fernsehens und der Medienwirtschaft. Peter Kerckhoff (Leiter strategisches Management Content- und Medienpartnerschaften, Deutsche Telekom AG) betonte, dass diese Strukturelemente bereits im IPTV-Dienst T-Entertain angelegt sind. Die Option, über die dort angebotenen Fernsehprogramme hinaus auch den Zugang zu beliebigen Inhalten aus dem World Wide Web in die Entertain-Plattform zu integrieren, werde in seinem Haus kontinuierlich geprüft. Kerckhoff gab allerdings zu bedenken: Entertain beruht auf Internet-Technologien, garantiert aber die für Fernsehen und TV-ähnliche Angebote erforderlichen Bandbreiten. Diese technische Qualitätssicherung sei für IPTV unverzichtbar.

Die von festen Programmzeiten unabhängige Nutzung des TV-Contents ist für Sebastian Sewczyk, der als Abiturient junge Medienzielgruppen vertrat, unverzichtbar, um bei der Freizeitplanung unabhängig zu bleiben. Mit einer Ausnahme: Sportveranstaltungen, so Sebastian, seien TV-Events, die er regelmäßig mit Freunden gemeinsam vor dem Fernseher feiere.

Zusammenfassend stellte Gerhard Schaas fest: Das hybride TV-Gerät werde nicht den PC ersetzen. Eher seien künftig eine diversifizierte Nutzung unterschiedlicher Gerätearten zu erwarten, die einander ergänzen, sowie eine Zunahme der Gerätevielfalt insgesamt. Er forderte alle Marktpartner dazu auf, sich zum gemeinsamen Standard HbbTV zu bekennen und durch attraktive Zusatz-Dienste und Inhalte dafür zu sorgen, dass TV ein attraktives Medium, auch bei jungen Zielgruppen bleibt.

Das Veranstaltungsformat medienpolitik@IFA hat sich zu einem festen Bestandteil der medienwoche@IFA und zu einer wichtigen Plattform des medienpolitischen Diskurses entwickelt. medienpolitik@IFA richtet sich gleichermaßen an die Besucher der IFA und an die Teilnehmer der medienwoche@IFA. Das Fachforum schlägt thematische Brücken zwischen der Consumer Electronics-Industrie und der Medienwirtschaft. Die exklusiven Panels sprechen Entscheidungsträger, Fachbesucher, Journalisten und interessierte Konsumenten an und setzen Impulse für medienpolitische Weichenstellungen. Kurt Beck, Ministerpräsident des Landes Rheinland-Pfalz und Vorsitzender der Rundfunkkommission der Länder, wirkt als Schirmherr an der Veranstaltungsreihe mit.

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Comment (1)

  1. Thomas Schaal says:

    Tja, das ist in der Tat eine harter Brocken. „Welche Geschäftsmodelle retten die aktuelle Medienlandschaft“. Und wie wachsen Fernsehen und Internet zususammen und mit welchen Geschäftsmodelle kann sich die Branche in das Web 3.0-Zeitalter retten“. Ich bin auch nach Lesen dieses Artikel nicht sicher wie es weitergehen wird und recht skeptisch. Nichtsdestrotzt habe aber auch hier wieder viel dazu gelernt. Besten Dank!

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