[IFA] E-Books: Digitales Lesen immer attraktiver, exponentielles Wachstum erwartet

4. September 2010 | by Alex Reiger

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Seit zehn Jahren gibt es spezielle Lesegeräte für digitale Bücher. Aber bisher haben sie kaum Käufer gefunden. Bücherfreunde wollen ihre Werke auch anfassen, die Seiten beim Umblättern spüren und sich am Geruch von bedrucktem Papier erfreuen.

Inzwischen aber sind die E-Book-Reader technisch so ausgereift, dass Marktforscher in den kommenden Jahren den Durchbruch für das digitale Lesen erwarten. Die am Freitag gestartete IFA in Berlin trägt dem Trend mit einer eigenen «eLibrary» Rechnung.

Dort stellte der Geschäftsführer der Buchhandelsplattform libri.de, Per Dalheimer, am Freitag einen E-Book-Reader von Acer vor, der sich auch über Mobilfunk mit dem Online-Shop für Bücher verbinden lässt. Wenn es mehr Geräte gebe, wachse die Bereitschaft der Verlage, digitale Ausgaben ihrer Titel bereitzustellen, erklärt der Manager. «Ab 2012 wird es auch in Deutschland ein exponentielles Wachstum geben», erwartet Dalheimer.

Die Beratungsgesellschaft PriceWaterhouseCoopers rechnet damit, dass in Deutschland bis 2015 rund 2,5 Millionen E-Book-Reader verkauft werden – bisher sind es gerade mal 50 000 bis 80 000. In den USA ist das digitale Lesen in der Gesellschaft schon jetzt angekommen. Dort wurden bislang etwa zehn Millionen Lesegeräte verkauft – zumeist ein Kindle des Online-Händlers Amazon.

Die enge Verbindung von E-Book-Angebot mit Lesegerät macht die Nutzung besonders einfach. Allerdings wird dieses Modell von Verlagen kritisiert, die eine einseitige Abhängigkeit von einer dominierenden E-Book-Plattform vermeiden möchten.

Noch mehr aber fürchten die Verlage die Entwertung ihrer Werke durch das massenhafte illegale Kopieren von digitalen Büchern. Dies soll durch eine Verschlüsselung der Dateien verhindert werden, was aber viele E-Book-Leser nervt. Das «Digital Rights Management» (DRM) führt dazu, dass es bei gekauften E-Books größere Einschränkungen gibt als beim Umgang mit gedruckten Büchern.

«Ich würde es als Händler begrüßen, wenn ich DRM-freie Bücher anbieten könnte», sagt Dalheimer. Derzeit gebe es aber noch keine Chance dafür. Längerfristig erwarten Branchen-Insider wie Bernd Sommerfeld von der Buchhandlung Lehmanns, dass es ähnlich wie im Online-Musikgeschäft wieder eine Abkehr vom restriktiven DRM geben wird. Als Alternative bietet sich ein digitales Wasserzeichen an, das wie das einstige «Ex libris» lediglich den Besitzer eines E-Books anzeigt, ohne das Kopieren einzuschränken.

«Wie auch im Musikgeschäft werden Raubkopien im digitalen Buchmarkt eine Rolle spielen», erwartet Dieter Gerdemann von der Beratungsgesellschaft A.T.Kearney. «Ein probates Gegenmittel sind Geschäftsmodelle, die den Verbrauchern einen attraktiven Preis und eine einfache Nutzung bieten.»

Die Verbraucher stehen vor der Wahl zwischen einem speziell für E- Books entwickelten Lesegerät und einem Tablet-PC mit vielen weiteren Fähigkeiten. Auf der IFA drängen neue Geräte aus beiden Kategorien ins Scheinwerferlicht.

Bei den klassischen E-Book-Readern mit der bislang auf Graustufen beschränkten Display-Technik E-Ink aktualisiert Sony seine bisherigen Modelle mit den Bezeichnungen Pocket Edition (Bildschirmdiagonale von 5 Zoll) und Touch Edition (6 Zoll). Beide haben einen Touchscreen, werden also mit dem Finger auf dem Bildschirm bedient, und versprechen eine besonders kontrastreiche Darstellung. Die Markteinführung in Deutschland ist im Oktober geplant, zu Preisen von 179 und 229 Euro.

Der von libri.de präsentierte Acer LumiRead (6 Zoll) mit Unterstützung für WLAN und UMTS soll ab November 249 Euro kosten. Der koreanische Hersteller Iriver, bislang vor allem mit MP3-Playern bekannt geworden, zeigt auf der IFA ebenfalls einen E-Book-Reader, der seine Schmöker nach Kindle-Vorbild über Mobilfunk beziehen kann. Weitere neue Anbieter sind Medion und auch der Buchhändler Thalia mit einem eigenen Gerät.

Gleich fünf E-Reader hat am Freitag der ukrainische Hersteller PocketBook vorgestellt, mit Bildschirmgrößen von 6 bis 10 Zoll. Verkaufsstart ist für Ende September geplant, Preise stehen noch nicht fest. PocketBook-Manager Oleg Naumenko sagt, er erwarte längerfristig, dass die Geräte vom Verkauf der E-Books subventioniert und somit deutlich billiger würden. PocketBook hat daher auch einen eigenen E-Book-Shop eingerichtet, bookland.net.

Neben Büchern drängen auch Zeitungen und Zeitschriften auf elektronische Lesegeräte, vor allem auf die neuen Tablet-Computer. Bei diesen Geräten sei die Fähigkeit zur interaktiven Nutzung besonders interessant, sagt Experte Gerdemann. «Dies wird auch zu neuen Formaten führen, wie etwa interaktiven elektronischen Magazinen. Da ist die Kreativität der Redakteure und Verleger gefordert.»

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