[IFA] [Round-up] Jubiläums-IFA mit Jubiläumsthema

1. September 2010 | by Gerhard Bachleitner

Die IFA 2010 in Berlin platzt aus allen Nähten, nicht zuletzt, was die Ausstellungsfläche betrifft. Schon im Vorjahr belegte man über 120.000 m2. Heuer wird zudem das Jubiläum der 50. IFA gefeiert, mit einer Branche, die sich seit Jahren als erstaunlich krisenfest erweist.

Nach längerer Zeit behutsamer Entwicklungen gibt es auch wieder ein umwälzendes Thema, das die Aufmerksamkeit unwiderstehlich auf sich zieht. Dass die 3-D-Technik nach über 150 Jahren des Schattendaseins plötzlich zum Hauptthema wird, haben wir nur dem Ehrgeiz (oder Innovationsbedürfnis) Hollywoods zu verdanken. Die Filmdistribution per Bluray ist auch schon auf gutem Wege, wenngleich dafür wieder eine neue Gerätegeneration nötig ist.

Bis wir ein nennenswertes Fernsehprogramm in 3-D erwarten können, werden aber sicher noch Jahre vergehen. Mehr als einen Demokanal auf Astra gibt es bislang nicht. Über IPTV lassen sich theoretisch sehr leicht entsprechende Inhalte verteilen, aber das ist ja ein noch sehr kleines Marktsegment. Die dort marktführende Telekom hat auf der im Juli in München veranstalteten IFA-Preview den 3-D-Start für September angekündigt.

Die 3-D-fähigen Fernseher werden sich auf der IFA erfreulich vermehren, nachdem bislang nicht mehr als ein halbes Dutzend zur Verfügung steht. Die Markteinführung geschieht allerdings so überhastet, dass sich die Hersteller bislang nicht auf eine Norm für die Verschlussbrillen geeinigt haben – oder einigen wollten, weil diese proprietäre Strategie wieder zu stark überhöhten Preisen für die Brillen führt. Eine Norm und eine Universalbrille sind jedoch angekündigt.

Gespannt dürfen wir sein, welcher Hersteller als erster mit einem Konzept zur Kompensation des mit der Brille verbundenen Helligkeitsverlustes hervortreten wird. Glücklicherweise geht die Entwicklung mit der LED-Hintergrundbeleuchtung ohnehin schon in Richtung größerer Bildbrillanz. Während die LED-Technik gerade in die kleineren Geräte diffundiert – bei Toshiba etwa bis zu 19 Zoll Diagonale hinunter -, ist die 3-D-Technik derzeit noch im oberen, vierstelligen Preissegment angesiedelt. Wer ohnehin in diesem Preissegment kaufen will (und kann), ist mit einem 3-D-Gerät auch heute schon gut beraten, vorausgesetzt, er kann dem Raumbild etwas abgewinnen, „verträgt“ es und findet auch die Konversion von 2-D-Material nützlich, die die Geräte üblicherweise anbieten. Es gibt jedoch keinen Zweifel, dass die 3-D-Technik im Fernseher erst am Anfang steht.

Heimvernetzung und Internet

Die seit Jahren propagierte Heimvernetzung steht weiterhin auf der Agenda, schwebt aber offenbar noch immer unerlöst zwischen Wunsch und Wirklichkeit. Wenn Toshiba als Ziel proklamiert, dass die DNLA-Architektur „bedienbar werden soll“, weiß man, was es geschlagen hat. Dabei war DNLA einst angetreten, eine problemlose Vernetzung jenseits undurchschaubarer WLAN-Protokolle zu ermöglichen.

Mittlerweile kompliziert sich die Situation sogar noch, denn jetzt muss man auch von außen, d.h. UMTS, Zugriff auf das Heimnetzwerk haben, etwa mit einer iPhone-Anwendung für Toshibas Mediencenter-Steuerung. Fernprogrammierung wird dadurch möglich. Auch Technisat bietet eine solche Funktion an. Flexible und vor allem nachrüstbare Lösungen werden wir vom Netzwerkspezialisiten Netgear sehen.

Dass Philips wiederum mit Simplicity – Easy to install, easy to understand wirbt, könnte zu Befürchtungen Anlass geben, und ob die Nichtintegrierbarkeit des Living Ambience-Netzes in die Haussteuerung eine sinnvolle Beschränkung oder eine Kapitulation darstellt, bleibt offen. Immerhin erklärte man – auf besagter IFA-Preview – selbstkritisch, dass die Internetanbindung der Fernseher, die bei Philips Net-TV heißt, bislang zäh gewesen sei, nun aber verbessert werde. Bei Loewe heißt die Internetanbindung Media-Net. Seit 1995 beschäftigt sich der Hersteller mit dieser Funktion und ist auch davon überzeugt, daß sich die „Connectivity zu einem Grundbedürfnis entwickelt.“

Die Bedienkonzepte der Hersteller unterscheiden sich nach Aufwand und Nutzungsflexibilität erheblich, reichen von vordefinierten Anbieterlisten mit fernsehtauglich gemachten Inhalten über fernsehbildbegleitende „Widgets“ bis zur freien Navigation mit virtueller oder realer Tastatur. Technisch wird manches versucht, aber die Mängel einer Zwitterlösung wird man wohl nicht loswerden. Die Beschränkungen der Eingabegeräte behindern die Nutzungsflexibilität, und soweit es sich um Inhalte von Fernsehsendern handelt, würde dadurch auch deren Nachlässigkeit bei der Selbstdokumentation ihrer Programme unterstützt. Aktuell gehalten würde dann bevorzugt die Internetinfrastruktur, während der Schlendrian bei den SI-Daten in DVB weiterginge oder sogar noch zunähme.

Dass mit HbbTV ein offenbar hinreichend allgemein akzeptierter MHP-Nachfolger gefunden (und im Juli standardisiert) wurde, ist erfreulich, doch wie die inhaltliche Füllung im Regelbetrieb aussehen wird, ist eine ganz andere Sache – angesichts dessen, dass der Jahrzehnte alte Videotext auch heute noch die zuverlässigsten Programminformationen liefert.

Ob wir im Digitalfernsehen jemals wieder eine zuverlässige Aufzeichnungssteuerung bekommen werden, wie sie in der Austastlücke VPS ermöglicht hat, wagen wir kaum zu hoffen. Der DVB-Standard enthielte eine entsprechende Funktion, Technisat unterstützt sie unter dem Namen Perfect Recording in seinen Geräten, aber sonst hüllen sich Dekoderhersteller und Programmanbieter in Schweigen und Untätigkeit.

Ein anderes Problemfeld, das eigentlich auch zur Vernetzung gehört, ist die Schnittstelle zum Anschluss von Aufzeichnungsgeräten. Beworben wird derlei meist als „PVR-ready“, doch was dies tatsächlich heißt, müsste in jedem Einzelfall eruiert werden: bezieht sich die Ausgabe auch auf HD-Inhalte? Ist USB 2 dafür schnell genug? Soll/muß man auf USB 3 warten? Wird ein offenes oder proprietäres Format verwendet? Welches Dateisystem wird am Datenträger erwartet?

Mobile Rechner im Umbruch

Auch bei den mobilen „Multimedia-Endgeräten“ – als die sich ein immer größerer Anteil der Rechner versteht – steht ein Umbruch ins Haus. Das mit Apples iPad massiv propagierte Tablettformat beflügelt eine ganze Branche, weniger die Hardwarehersteller, die Apples „margenstarkes“ Gerät (dessen Produktionskosten lediglich die Hälfte des Preises ausmachen) im Preis leicht unterbieten können, als vielmehr die Inhalteanbieter, zumal die Verlage.

Dass der Erfolg der Hardware allerdings von der Breite des Softwareangebotes abhängig sein oder gemacht werden soll, gibt Anlass zur Sorge. Dies wäre nur zum Nachteil des Anwenders, wie bereits bei den Ebooks studiert werden kann. Dort verläuft die Front zwischen dem proprietären Kindle (Amazon) und dem Rest der Anbieter, die offene Dateiformate verwenden.

Von Medion werden wir ein Gerät mit einem vermutlich sehr interessanten Preis sehen, Sony wird seine im Vorjahr vorgestellte Baureihe fortsetzen, und der Berliner Hersteller Neofonie möchte mit dem We-Tab für 450 Euro und einer Verlagsverbindung zu Gruner&Jahr in dem neuen Markt mitmischen. Ein originelles Übergangskonzept zwischen Ebook und Notebook schlägt Toshiba mit dem Libretto („Büchlein“) vor. Aufgeklappt besteht es aus zwei Bildschirmen, von denen sich einer bei Bedarf als Tastatur verwenden läßt. Die Rechenleistung reicht für Windows 7, 62 GB Festspeicher machen das Gerät leicht und robust, doch die Innovation hat ihren Preis: 1100 Euro.

Alle Artikel der IFA-Nachlese-Serie von Gerhard Bachleitner findet Ihr hier bei TechFieber.

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Philips Firmenname: Royal Philips Electronics
Im Internet: www.philips.com, www.philips.de
Hauptsitz: Amstelplein 2, 1096 BC Amsterdam, Niederlande
Gegründet: 1891
Management: Frans van Houten (President & CEO)
Umsatz: 23,2 Milliarden Euro (2009)
Mitarbeiter: Etwa 116.000 weltweit

Royal Philips Electronics mit Hauptsitz in den Niederlanden ist ein Unternehmen mit einem vielfältigen Angebot an Produkten für Gesundheit und Wohlbefinden. Als Unternehmensziel gibt der Konzern an, die Lebensqualität von Menschen durch zeitgerechte Einführung von technischen Innovationen zu verbessern. ... Weiterlesen

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